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DOK Drohungen, Gewalt, Kindsentführung

2015 ist die Scheidung von Karin Trachsel und ihrem Ehemann, einem schweizerisch-ägyptischen Doppelbürger, offiziell. Für die gemeinsamen Töchter erhält sie das Sorgerecht. Was sie danach erlebt, ist der Albtraum aller Eltern. «Reporter» dokumentiert den Fall aus Sicht der Familie Trachsel.

Legende: Video Ferien mit dem Vater – Karin Trachsel hatte von Beginn an Zweifel abspielen. Laufzeit 1:14 Minuten.
Aus DOK vom 05.06.2016.

Liebe, Kinder, Familienglück und dann platzt der Traum jäh. Spätestens ab diesem Moment gibt es immer zwei Seiten. Wenn Beziehungen scheitern, Familien auseinandergerissen werden, wenn das Glück plötzlich weit weg ist und alle nur noch verlieren können, dann schiebt sich allmählich eine unsichtbare Wand zwischen die Standpunkte zweier zerstrittener Elternteile.

Grossmutter Christine Trachsel im leeren Kinderzimmer ihrer Enkelinnen
Legende: Grossmutter Christine Trachsel im leeren Kinderzimmer ihrer Enkelinnen SRF

Karin Trachsels Geschichte, so wie sie sie uns erzählt, enthält eine zusätzliche, sehr schmerzhafte Komponente. Ihr Ex-Mann, ein schweizerisch-ägyptischer Doppelbürger entführte die gemeinsamen Kinder und tauchte mit ihnen in seinem Herkunftsland unter. Seither kämpft sie erfolglos darum, dass sie ihre Kinder wieder sieht. Sie musste sich von Schlägern, welche ihr Ex-Mann angeheuert hatte, einschüchtern und sogar verprügeln lassen. Sie hat keinen Anhaltspunkt, wo sich ihre Kinder in diesem Augenblick befinden und wie es ihnen geht.

Legende: Video Entfremdung – Die Kinder sprechen heute nur arabisch abspielen. Laufzeit 0:47 Minuten.
Aus DOK vom 05.06.2016.

Kein Einzelfall

An dieser Situation änderten auch Gerichtsbeschlüsse betreffend Sorgerecht und ein Gerichtsurteil gegen den Ex-Ehemann nichts. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) sah bisher keine Möglichkeiten, Karin Trachsel zu ihrem Recht zu verhelfen. Ihr Fall ist kein Einzelfall. Jahr für Jahr ereignen sich ähnliche Tragödien. Die Öffentlichkeit erfährt meist nichts davon. Denn nur selten lassen es beide Elternteile zu, dass die Medien über den Fall berichten.

Fast immer hat die eine Seite einen Grund, die Geschichte zu verbergen, während die andere einen Grund hat, die Vorkommnisse an die Öffentlichkeit zu tragen. Die Ausgewogenheit als eines der wichtigsten journalistischen Prinzipien ist daher bei der Berichterstattung nur schwer zu garantieren. Die Folge sind Geschichten, die nicht erzählt werden. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, Karins Trachsels Fall zu dokumentieren.

Karin Trachsel mit der älteren Tochter Nuran beim Backen
Legende: Karin Trachsel mit der älteren Tochter Nuran beim Backen SRF

Nicht auffindbar

Selbstverständlich hätten wir alles unternommen, auch die Seite des Ex-Mannes zu hören. Doch Hussein A. ist weder für Karin Trachsel, noch für das EDA oder die Medien auffindbar. Viele Fakten sprechen allerdings für sich. Unsere Überzeugung ist, dass das Verschweigen, Blockieren und Verweigern von Fakten nicht honoriert werden darf. Das gilt für Machenschaften in der Politik, in der Wirtschaft aber auch für den Machtmissbrauch von Menschen gegenüber ihren Mitmenschen. Deshalb erzählen wir diese Geschichte, der der letzte Funken Hoffnung langsam aber sicher abhanden zu kommen scheint.

Karin Trachsel mit beiden Töchtern Nuran und Sarah in Kairo
Legende: Karin Trachsel mit beiden Töchtern Nuran und Sarah in Kairo SRF

Entstanden ist der Film in Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Sendung «Falò» des Fernsehens RSI der italienischen Schweiz. Anna Bernasconi hat Karins Drama erstmals dokumentiert. Reporterin Vanessa Nikisch hat Karins Eltern in Interlaken besucht und die aktuellen Ereignisse aufgearbeitet.

«Reporter»

«Ein Funken Hoffnung», Sonntag, 5. Juni 2016, 21.40 Uhr, SRF1.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Petra Khemkhoum (Löwenmutter)
    Wäre und Täte, sowie prüfe wer sich ewig bindet. Das sind Leute die nicht in der Situation von Fr. Trachsler sind. Ich habe eine ähnliche Situation wie sie durchlebt . Eine Botschaft an Fr. T. : Bitte Karin geben Sie die Hoffnung nie auf ...auch wenn es 10 oder 15 Jahre geht. Die Kinder werden kommen. Mit 18 sind sie volljährig. Denn in der Islamischen Welt wird die Mutter hoch gestellt. Verzweifeln Sie nie und geben Sie auf keinen Fall auf. Viel Kraft und ich bin in Gedanken bei Ihnen.
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  • Kommentar von RIchard Keller, Zürich
    Natürlich sind es zuerst die Eltern, die hier versagt haben. Aber auffallend vor allem hier in der Schweiz ist die Tatsache, dass die unterstützenden Institutionen hier komplett versagen. Dies fängt beim näheren Umfeld an (Jugendämter, KESB, Gerichte( und geht bis zum EDA, dass immer wieder grosse Schwächen an den Tag legt) Ich will gar nicht an die armen Kinder denken, die hier enorm leiden müssen....
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  • Kommentar von W.Schmid, Schweiz
    Leid tun mir in diesem Fall nur die Kinder, obwohl ich glaube, dass es ihnen momentan beim Vater ebenfalls gut geht. Im weiteren Leben werden die beiden Mädchen wohl oder übel im muslimischen Land das zwei auf dem Rücken haben. Darum liebe Schweizer Frauen, überlegt es euch gut, wo eure Liebe hinfällt. Es kommen mit den zehntausenden Flüchtlingen auch gut aussehende Jungs in die Schweiz. Aber deren Gedankengut ist in Religionsfragen und Frauenrechte 300 Jahre zurückgeblieben.
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