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DOK Imam von Bern: Die Grenzen der Toleranz

Mustafa Memeti steht für den Kampf gegen Extremismus. Im Haus der Religionen am Berner Europaplatz leitet er als Imam die Moschee und predigt damit Tür an Tür mit Vertretern der anderen Weltreligionen. Seine Offenheit kennt Grenzen, wie Reporter Simon Christen erfährt.

Legende: Video Der Imam von Bern abspielen. Laufzeit 22:49 Minuten.
Aus Reporter vom 31.05.2015.

Memeti ist bei Politik und Medien gleichermassen beliebt. Die «Sonntagszeitung» kürte ihn jüngst gar zum Schweizer des Jahres 2014.

«Alle Beteiligten am Projekt 'Haus der Religionen – Dialog der Kulturen‘ wissen sich der unverletzlichen Würde des Menschen, dem Gedanken der Toleranz und des gegenseitigen Respekts verpflichtet», heisst auf der Website des Hauses der Religionen.

Dialog, Offenheit, Austausch – alles nur schöne Worte?

Natürlich, Inklusion ist wichtig – gerade im interreligiösen Dialog. Sie fördert unter anderem auch die Bereitschaft, eigene Positionen zu überdenken, mit denen bisher Differenz definiert wurde. Institutionen wie das «Haus der Religionen» tragen hierzu bei und erfüllen mithin eine zentrale Aufgabe.

Legende: Video Franziska Teuscher: «Haus der Religionen als Symbol der Offenheit.» abspielen. Laufzeit 00:27 Minuten.
Aus DOK vom 31.05.2015.

Franziska Teuscher, grüne Vorsteherin der Direktion Bildung, Soziales und Sport in der Berner Stadtregierung, sprach anlässlich der Eröffnung von Memetis Moschee am Europaplatz Ende April 2015 davon, dass das Haus der Religionen ein «Symbol für die Offenheit» sei, «ein Ort, wo alle hingehen und sich austauschen können».

All das tönt wunderbar – und ist es natürlich auch. Keiner ist dagegen. Alle finden es gut, ja dringend nötig. Womit man hier schliessen könnte – wenn denn klar wäre, was damit genau gemeint ist. Was heisst zum Beispiel Toleranz konkret? Wo fängt sie an? Und wo endet sie? Wer nachfragt, bekommt erstaunliche Antworten.

Legende: Video Imam Memeti: «Homosexuelle sollten nicht in die Moschee kommen.» abspielen. Laufzeit 01:04 Minuten.
Aus DOK vom 31.05.2015.

Unbequeme Fragen offen diskutieren

Wie hält es Mustafa Memeti zum Beispiel mit den Homosexuellen? Die sollten «nicht mehr in die Moschee kommen», sagt Memeti offen. Und weiter: Ein Homosexueller bekomme «keine Legitimität» vom Islam, also auch «keine Segnung».

Wir erinnern uns: Wendelin Bucheli, der katholische Pfarrer der Urner Gemeinde Bürglen, löste Anfang Jahr mit der Segnung eines homosexuellen Paares einen Eklat aus. Die Reaktion des Bistums Chur auf das Bekanntwerden dieser Segnung führte zu einer Welle der Empörung. Die Öffentlichkeit diskutierte die katholische Haltung zur Homosexualität einmal mehr intensiv – zu Recht. Nur: Solch intensive Diskussionen würde man sich auch in Zusammenhang mit anderen Religionen und ihren Vertretern wünschen.

Dialog ist wichtig – aber ein Dialog, der auch unbequeme Fragen stellt und diese nicht aus Bequemlichkeit oder «political correctness» bagatellisiert oder tabuisiert.

Zum Autor

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Simon Christen ist seit 2011 Redaktor bei «DOK» und «Reporter». Seine Filme widmen sich gesellschaftlichen und politischen Themen.

26 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Lauper, Bern
    Laut Kulturplatz sei der Islam so vielfältig wie das Christentum. Ein beschönigender, Bezug, ist der Islam doch leider weit vielfältiger als das Christenum: Wo gibt es Christen, die mordend, vergewaltigend und brandschatzend durchs Land ziehen? Vor Jahrhunderten gab christliche Verbrechen im Namen Gottes, heute hat das Christentum seine aggressive Phase überwunden, der Islam leider noch lange nicht. Deshalb sehe ich im Christentum das kleinere Übel. Religion dient oft als Vehikel der Intoleranz.
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  • Kommentar von Phil Greene, Burgdorf
    Eine klarere Trennung zwischen Homosexualität und einem Homosexuellen wäre hier wünschenswert. Das erstere ist eine Einstellung, Vorliebe, Tat, Religion oder Krankheit (je nachdem wer es beurteilt), das zweite ist der Mensch, der das erstere auslebt. Daher sollte man erwarten können, dass Religionen jeden Menschen unabhängig seiner Taten akzeptieren, wobei aber nicht zwingend die Tat selber. Das scheint beim Islam nicht der Fall zu sein. Somit sehe ich für den Islam kein Platz in der Schweiz.
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  • Kommentar von Besim Hadzic, Uster
    Selam Alejkum und Grüezi Für mich als Gläubigen Moslem bedeutet Akzeptanz und Toleranz das ich zb. In Indien kein Rindfleisch esse. PS: Ja Homosexualität ist verboten im Islam. Aber wieso sollte das einen Schwulen/Lesbe kümmern?
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Hadzic - wieso sollte es einen Schwulen/Lesbe kümmern, dass Homosexualität im Islam verboten ist? - Na, weil es für Schwule extrem ungemütlich bis lebensgefährlich werden kann, wenn der Islam regiert und die Scharia umgesetzt wird. Soll ich hier die URLs zu Videos einstellen, die zeigen wie Schwule im Iran am Baukran baumeln und von ISIS-Schergen von Hochhäusern gestürzt werden? - Mohammeds Schwiegersohn Ali, der vierte Kalif, liess Schwule zur Strafe von Minarettürmen stossen. Tolerant, was?
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