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DOK «Jeder Tag ist ein Geschenk, aber...»

Rolf Lyssy macht Kinofilme, spielt in einer Jazzband und fährt Rennvelo. Während sich die meisten in seinem Alter im Schaukelstuhl ausruhen, plant er bereits den nächsten Film.

Legende: Video «Wenn die Lebensflamme erlischt, soll man gehen dürfen.» abspielen. Laufzeit 00:36 Minuten.
Aus DOK vom 19.02.2017.

«Wie ist das, wenn man über 80 Jahre alt ist und nicht mehr alle Zeit dieser Welt hat?» fragte ich Rolf Lyssy im Interview. Darf man dies überhaupt fragen? Man darf, war mir nach seiner Antwort klar. Denn die Endlichkeit ist für den Filmemacher weder ein Tabu noch macht sie ihm Angst. «Was soll ich hadern? Ich kann dem Tod nicht ausweichen. Ich mache einfach das Beste aus meinem Leben, Tag für Tag.» Denn ab einem gewissen Alter sei jeder Tag ein Geschenk. Trotzdem, der Tod an sich ist für Lyssy ein Skandal. Er hält sich an Woody Allen, der einmal gesagt hat: «Ich habe keine Angst vor dem Sterben, aber ich möchte nicht dabei sein, wenn es passiert.»

Das Ende selbst bestimmen

Die Begleitung in den Freitod ist für Rolf Lyssy eine Option. Er ist vom Selbstbestimmungsrecht überzeugt und setzt sich für die Möglichkeit ein, friedlich und schmerzfrei einschlafen zu können, wenn es soweit sei. Der Filmer ist seit über 20 Jahren Mitglied bei Exit und im Patronatskomitee der Sterbehilfe-Organisation. Die Begleitung in den Freitod sei ein Ausweg, wenn das Leben nicht mehr lebenswert sei. Ob man dies möchte, muss jeder für sich vereinbaren, ist Lyssys Meinung dazu.

Wiedergeburt als Ameise

Auf die Frage, ob er an ein Leben nach dem Tod glaubt, reagiert Lyssy heftig: «Sicher nicht! Wenn das Leben fertig ist, ist es fertig. Wir kommen weder als Ameise noch als Krokodil nochmals auf die Welt. Wir sind einfach nicht mehr da. Durch unsere Kinder oder durch unsere Kunst, die uns überlebt, haben wir etwas weitergegeben. Aber wir sind verschwunden.»

Still crazy...

Rolf Lyssys neue Komödie «Die letzte Pointe», in der der es übrigens um Sterbehilfe geht, kommt im Herbst 2017 ins Kino. Und der Regisseur ist bereits an seinem nächsten Filmprojekt, mit 81 Jahren! Schliesslich heisst sein Liebslingssong von Paul Simon: «Still crazy after all these years.»

Anne Rüffer über ihren guten Freund Rolf Lyssy:

Legende: Video «Rolf kümmert sich um andere Menschen.» abspielen. Laufzeit 00:55 Minuten.
Aus DOK vom 19.02.2017.

Zur Autorin

Zur Autorin

Fernsehjournalistin Samira Matta arbeitet seit über 25 Jahren für verschiedene SRF-Redaktionen, unter anderem beim Nachrichtenmagazin «10vor10». Besonders liebt sie an ihrem Beruf, dass sie professionell neugierig sein darf.

«Reporter»

«Rolf Lyssy – Der Filmemacher», Sonntag, 19. Februar, 21.40 Uhr, SRF 1

2 Kommentare

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  • Kommentar von S D (Sally)
    Wenn “ab einem gewissen Alter jeder Tag ein Geschenk ist“, sollte man sich einmal ernsthaft überlegen, wer einem dieses Geschenk gibt. Rolf Lyssy sagt selber, er könne dem Tod nicht ausweichen. Und niemand kann es. Sollten wir uns dann nicht besser auf den Tod vorbereiten, so dass wir in Frieden sterben können, weil wir Friede gemacht haben mit Gott durch seinen Sohn? Es ist wunderbar und wert dabei zu sein, wenn einer getrost sterben kann! Dann möchte man dabei sein, wenn es passiert...
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  • Kommentar von S D (Sally)
    Wenn "ab einem gewissen Alter jeder Tag ein Geschenk ist“, muss man sich doch fragen, wer einem dieses Geschenk, die Zeit hier auf Erden, schenkt. Und dann sollte man sich doch wirklich einmal ernsthaft überlegen, ob nach dem Tod wirklich alles aus ist und man “verschwunden ist“ oder ob dann vielleicht nicht erst recht alles anfängt.
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