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DOK Keine Angst vorm Bärenhunger

Jedes Jahr werden weltweit tausende von Bären getötet. Einer der Hauptgründe sei ein verfälschtes Bild, das die Menschen von diesem «Allesfresser» haben, sagt Bärenforscher Reno Sommerhalder. Die Angst vorm Bärenhunger sei unberechtigt. Ein Plädoyer des Kanada-Schweizers für Bär und Mensch.

Legende: Video «Der Bärenmann» abspielen. Laufzeit 93:00 Minuten.
Aus DOK vom 05.05.2016.

Allein an der Westküste Kanadas werden jährlich rund 5’000 Schwarz- und Grizzlybären abgeschossen. Sie kommen zu nah an unsere Behausungen, weil wir unseren Abfall nicht von ihnen fernhalten. Und weil wir der falschen Angst erliegen, dass sich diese Tiere mit ihrem «Bärenhunger» bald auch auf uns stürzen könnten, müssen sie sterben.

Reno Sommerhalder mit Bären in Alaska
Legende: Bärenschule In Kamtschatka wirkte Reno Sommerhalder als Ersatzbärenmutter für verwaiste Jungbären. SRF

Abfall, Klimawandel, Besiedlung

Um ihr blutiges und skrupelloses Hobby zu rechtfertigen, zeichnen Trophäenjäger den Bären gerne als aggressiv und gefährlich. In der Schweiz und in Deutschland töten wir die ersten Bären, die nach mehr als hundert Jahren Ausrottung heimkehren, mit der Behauptung, Menschenleben seien in Gefahr. Obwohl kein einziger dieser Bären die geringste Spur von aggressivem Verhalten an den Tag legte.

Weltweit ist in den meisten Fällen fehlerhaftes menschliches Verhalten für Konfliktsituationen verantwortlich. Verlust von Lebensraum durch unbeschränkte Besiedlung, mangelhaftes Management von Abfall und anderen potentiellen Lockmitteln, bedenkliches Menschenverhalten während der Huftierjagd und der Klimawandel sind Gründe, die zu Problemen zwischen Mensch und Bär führen.

Gewiss, Bären können potentiell gefährlich sein. Und doch demonstrieren sie uns gegenüber seit Jahrzehnten ein Verhalten der Friedfertigkeit. Ihre Toleranz unserer oftmals arroganten Lebensweise gegenüber ist beinahe grenzenlos. Sie gehen uns, wann immer möglich, aus dem Weg. Wohl auch deshalb haben sich viele europäische Braunbären zu nachtaktiven Tieren gewandelt – obschon sie von Natur aus eigentlich tagaktiv wären.

Reno Sommerhalder mit einem Jungbären
Legende: Alaska Viele Bären in Alaska kennt Reno Sommerhalder seit Jahren. SRF

Bären empfinden Trauer und Freude

Nach über 30 Jahren unter Bären bin ich davon überzeugt, dass auch Bären Emotionen, die den unseren ähnlich sind, ausdrücken und empfinden können.

Bären leiden und trauern, wenn ein Nahestehender stirbt. Auch wenn sie sich emotional vielleicht schneller erholen als wir, sind sie doch nicht ohne Liebe oder Altruismus. Der Unterschied liegt in den anderen Prioritäten: Wenn eine Bärin eines ihrer Jungen verliert, kann sie es sich nicht leisten, lange zu trauern, sondern sie muss schauen, dass sie selbst und der übrige Nachwuchs überleben.

Emotionen wie Wut, Frustration oder Freude beobachte ich unter Bären regelmässig. Sobald die Menschen akzeptieren, dass sich Bären und andere Grosssäuger von uns Menschen im Gefühlsleben nicht gross unterscheiden, werden wir sie vielleicht mit demselben Respekt behandeln wie unseresgleichen.

Mahatma Gandhi brachte es auf den Punkt als er sagte:

Die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.

Leben im Bärenland

Der Kanada-Schweizer Reno Sommerhalder ist Bärenkenner und forscht in Alaska, Kanada und Kamtschatka, im Osten Russlands.

21 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Limacher, Luzern
    Danke für diesen eindrücklichen DOK. Ich habe bis jetzt allle Filme auf SRF über und von Reno Sommerhalder gesehen. Es beeindruckt mich immer wieder sehr, wie Reno Sommerhalder den Bären als Lebewesen in seiner natürlichen Umgebung dokumentiert und porträtiert. Schade das wir Menschen immer noch so kompromisslos Leben und der Natur dadurch solch grossen Schaden zufügen. Herzlichen Dank an Reno Sommerhalder für sein Engagement, es ist jetzt wohl wichtiger denn je!
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    1. Antwort von Reno Sommerhalder, Banff
      herzlichen dank lieber michael für deine unterstützende worte...es gibt viel dass wir alle zum wohl der natur (und schlussendlich für uns selber) beitragen können...bewusst einkaufen kann einen riesen einfluss auf das wohl der erde haben...lieben gruss
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  • Kommentar von Thomas Bühlmann, Bremgarten
    Wie Reno Sommerhalder seinen Traum verwirklicht und auch Entbehrungen in Kauf nimmt ist beeindruckend. Es ist mir in der Sendung nicht klar geworden, was ihn antreibt. Ist es Abenteuerlust, Freiheitsdrang, der besondere Nervenkitzel, eine Botschaft als Tierschützer oder das Leben in der Wildnis als Sammler und Jäger auf einer primitiven Stufe unseres Wesens. Forscher - Jäger - Tierschützer. Wie geht das zusammen? Welche Variante des Wesens ist echt? Ich hoffe, dass er glaubwürdig bleibt.
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    1. Antwort von Reno Sommerhalder, Banff
      danke dir für dein interessantes feedback lieber thomas...natürlich ist bei meinem tun auch ego involviert..doch den schmerz den ich spüre den "anderen" gegenüber ist gross und der lässt mich die zerstörung der lebensräume nicht einfach dasitzend akezeptieren..zudem fühle ich mich nie so im jetzt als wenn ich unter bären oder generell in der natur bin...und das ist das geilste gefühl...liebgruss
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    2. Antwort von Melk Renggli, Entlebuch
      Allein der Fakt, den Lebensalltag von RS als "Entbehrung" darzustellen, zeigt doch, das sie mit ihrer Scheindifferenzierung zu viele unnötige Fragen stellen. RS versucht eine sehr wichtige Brücke zu bauen, die das ganze Wesen des "Bärenvolkes" in all seinen Facetten dem Menschen zu verstehen versucht! Wir sind noch zu sehr den Schreckensbilder falscher Prägung verfangen, Bären, Wölfe, Luchs.... als konstante, unmittelbare Bedrohung darzustellen. Es ist genau umgekehrt, wir rotten sie aus!!!
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  • Kommentar von Lilo Röthlisberger, Rebatein SG
    Super Film Mit dem Bären Man unterwegs. Weiter so. So Filme wollen die Leute sehen und nicht immer Krimis. mfg. L. Röthlisberger
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    1. Antwort von Reno Sommerhalder, Banff
      herzlichen dank für die unterstüztung liebe Lilo!
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