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Mordfall Viviane Obenauf Strafvollzug am Limit: Wenn Verurteilte Schuld nicht anerkennen

Beharren Inhaftierte auf ihrer Unschuld, stösst der Strafvollzug an seine Grenzen – wie im Fall Viviane Obenauf.

Im Oktober 2020 ist in Interlaken ein 61-Jähriger Gastronom in seiner Wohnung oberhalb seines Restaurants brutal erschlagen worden – mit einem Baseballschläger. Beim Angriff wurde sein Schädel zertrümmert, er erlitt 19 Kopfverletzungen.

Als verurteilte Mörderin sitzt seit über fünf Jahren seine Ehefrau im Gefängnis: die Profiboxerin Viviane Obenauf.

Viviane Obenauf macht nach dem Boxkampf eine Siegerpose.
Legende: Viviane Obenauf 2014 nach einem Sieg in der Leichtgewichtsklasse. Keystone Peter Klaunzer

Bis heute beteuert Obenauf ihre Unschuld. Sie habe ihren Mann nicht getötet, sagte sie vor Gericht. Sie zog das Urteil weiter bis vors Bundesgericht. Dieses bestätigte 2025: 18 Jahre Freiheitsstrafe und danach 14 Jahre Landesverweis.

Auch aus dem Gefängnis versucht sie, ihre Version der Vorfälle in die Welt zu tragen. Sie will, dass ihr Fall neu beurteilt wird. Im August 2025 sagte sie: «Ich bin nicht schuldig. Ich habe Frieden.» Obenauf redet von einem Justizirrtum.

Urteil ohne direkte Beweise

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Für die Justiz ist klar: Obenauf hat im Oktober 2020 ihren Ehemann erschlagen. Direkte Zeugen oder Beweise fehlen jedoch. Es kommt zum Indizienprozess. Eine Auswahl der Indizien, die im Urteil eine Rolle spielten:

  • Viviane Obenauf will zur Tatzeit zuhause einen Film geschaut haben. Auf ihrem Tablet lief zur fraglichen Zeit tatsächlich ein Film. Jedoch hatte sie in dieser Zeit kein einziges Mal ihr Handy benützt – eingehende Nachrichten blieben unbeantwortet. An den Inhalt des Films konnte sie sich in einer ersten Befragung nur oberflächlich erinnern.
  • Während der Tatzeit will ein Zeuge das Auto – ein auffälliger Cadillac – von Obenauf gesehen haben. Der Zeuge arbeitete in Obenaufs Autogarage als Mechaniker und sagte aus, er habe das Auto mitunter am Geräusch erkannt. Obenauf beteuerte aber, dass sie zu dieser Zeit zuhause gewesen sei, der Zeuge sei aus ihrer Sicht unglaubwürdig.
  • Am Tatort wurden keine Einbruchsspuren gefunden. Die Spurenauswertung ergab, dass der oder die Täterin im Inneren der Wohnung auf das spätere Opfer gewartet haben muss und sofort zugeschlagen hat. Viviane Obenauf hatte einen Schlüssel zur Wohnung.

Eine Kette von 14 Indizien beweist laut Justiz: Viviane Obenauf ist die Täterin.

Trotz ihrer Verurteilung hat Viviane Obenauf mehrere Unterstützer, die an ihre Unschuld glauben, einige unterstützen sie finanziell. Obenauf hat auch eine eigene Homepage eingerichtet, es sei «der Kampf meines Lebens», schreibt sie dort.

Ohne Deliktarbeit keine Haftlockerung

Dass Viviane Obenauf weiterhin auf ihre Unschuld pocht und sich nicht mit ihrer Tat auseinandersetzen will, stellt den Strafvollzug vor Schwierigkeiten. Denn eigentlich wäre Deliktarbeit Voraussetzung, um die inhaftierte Person auf die Zeit nach dem Gefängnis vorzubereiten.

Viviane Obenauf sitzt im Frauengefängnis Hindelbank ihre Strafe ab. Direktorin Andrea Wechlin nimmt nicht direkt zum Fall Obenauf Stellung, sagt jedoch: «Unabhängig davon, wie eine Eingewiesene zu ihrem Urteil steht, sind unsere Ziele die Rückfallverminderung und die Wiedereingliederung.» Dazu gehöre, sich mit dem eigenen Delikt auseinanderzusetzen. Über die Tat sprechen, Einsicht zeigen.

So kann es sein, dass Vollzugsöffnungen nicht bewilligt werden.
Autor: Andrea Wechlin Direktorin JVA Hindelbank

Fehlt dieser Schritt komplett, weil die Person beispielsweise auf ihrer Unschuld beharrt, werde es schwierig, schrittweise an der Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu arbeiten, so JVA-Direktorin Wechlin: «So kann es sein, dass Vollzugsöffnungen wie ein begleiteter Ausgang oder ein unbegleiteter Beziehungsausflug nicht bewilligt werden.»

Damit wird auch eine vorzeitige Entlassung unwahrscheinlich, die frühestens nach Zweidrittel der verbüssten Strafe mögliche wäre.

Obenauf wehrt sich gegen angeordnete Therapie

Um sich mit ihrer Tat auseinander zu setzen, verlangen die Justizbehörden nun, dass Viviane Obenauf in Therapie geht. Gegen diese Anordnung geht sie jetzt juristisch vor. In ihrem Urteil werde keine Therapie angeordnet, so eines der Argumente ihrer Beschwerde, die SRF vorliegt. Zudem werde sie ungerechtfertigt als gefährlich eingestuft.

Frau mit lockigem Haar sitzt in Küche neben Wasserkocher.
Legende: «Ich bin nicht schuldig. Ich kann schlafen», sagte Obenauf im Interview mit der «Rundschau» im August 2025. SRF Rundschau

Für die heute 39-Jährige steht viel auf dem Spiel. Bei ihrer Freilassung nach 18 Jahren Gefängnis wäre sie 52 Jahre alt. Danach müsste sie das Land verlassen und dürfte erst nach weiteren 14 Jahren – als 66-Jährige – zurückkehren. In die Schweiz, wo aktuell ihr Sohn aus erster Ehe lebt.

Ich kämpfe weiter für meine Freiheit.
Autor: Viviane Obenauf Ehemahlige Profiboxerin und verurteilte Mörderin

Ihre Strafe akzeptieren und die Tat gestehen ist darum für Viviane Obenauf keine Option: «Ich kämpfe weiter für meine Freiheit mit all meiner Kraft», sagte sie gegenüber SRF im Sommer 2025.

Obenauf strebt einen Revisionsprozess an, damit ihr Fall erneut vor Gericht verhandelt wird. Das wäre trotz Bundesgerichtsurteil theoretisch möglich. Dafür bräuchte es jedoch neue Beweise. Laut den Anwälten von Obenauf liegen diese derzeit nicht vor.

SRF 1, True Crime Schweiz, 4.5.2026, 23:05 Uhr

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