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DOK Muss man das Schicksal der Kinderlosigkeit einfach akzeptieren?

Im Mai dieses Jahres sorgte eine 65-jährige Deutsche mit einer Vierlingsgeburt für Schlagzeilen. Entstanden sind die Babys mithilfe von Eizellen- und Samenspende in der Ukraine. Die moderne Reproduktionsmedizin scheint keine Grenzen mehr zu respektieren.

Legende: Video «Ein Arsenal an Medikamenten» abspielen. Laufzeit 1:04 Minuten.
Vom 20.12.2015.

Auch Sabina Rhyner aus Glarus will mithilfe einer Eizellenspende schwanger werden. Im Gegensatz zur ältesten Vierlingsmutter der Welt war sie aber erst 24 Jahre alt, als sie und ihr Mann Roger sich für Kinder entschieden haben. Doch es klappte nicht mit dem Schwangerwerden. Fünf Jahre lang quälten sie die Fragen von Aussenstehenden nach eigenen Kindern, fünf Jahre lang musste sich das Paar Sprüche über Roger Rhyners Zeugungsunfähigkeit anhören. Mit mehreren schmerzhaften und aufwändigen In-vitro-Fertilisationen versuchten Sabina und Roger Rhyner, sich den Traum vom eigenen Kind doch noch zu erfüllen. Erst als all diese Versuche scheiterten, entschieden sich die beiden für eine Behandlung mit Spendereizellen im Ausland und reisten in eine Fruchtbarkeitsklinik an der spanischen Costa Blanca.

Das Schicksal akzeptieren?

Muss man das Schicksal «Kinderlosigkeit» nicht einfach akzeptieren? Sabina Rhyner, auf einem Bauernhof in Glarus aufgewachsen, hat ihre eigene Antwort auf diese Frage gefunden: Sie will die Errungenschaften der modernen Medizin nutzen, wie es auch ihre nierenkranke Mutter getan hat: Jahrelang prägte die Dialyse deren Alltag. Im Januar 2014 setzte man Marianne Schmid – nach sechs Jahren auf der Organspende-Warteliste – eine neue Niere ein. «Mein Mami hat eine Spenderniere erhalten, warum sollte ich da nicht auf eine gespendete Eizelle zurückgreifen?»

Anfänglich hatte ich gewisse Bedenken gegenüber Sabina Rhyners Vorhaben, mit Spendereizellen zum Wunschkind zu kommen. Geschichten wie jene der ältesten Vierlingsmutter hatten mich skeptisch gemacht gegenüber den Errungenschaften der modernen Reproduktionsmedizin. In den eineinhalb Jahren, in denen ich Sabina und Roger Rhyner mit der Kamera begleitete und sah, was für schmerzhafte und belastende Behandlungen beide über sich ergehen lassen mussten, sind diese Bedenken geschwunden.

Legende: Video «Die ständigen Fragen nach dem Kinderwunsch...» abspielen. Laufzeit 0:44 Minuten.
Vom 20.12.2015.

Fruchtbarkeitstourismus

Jedes Jahr reisen schätzungweise 1'000 Schweizerinnen ins Ausland, um sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung mit gespendeten Eizellen zu unterziehen. Das Verfahren ist in der Schweiz verboten – im Gegensatz zur Samenspende. Die meisten der betroffenen Frauen schweigen über ihre ungewollte Kinderlosigkeit und die daraus resultierenden Fruchtbarkeitsbehandlungen. Sabina und Roger Rhyner brechen das Schweigen – mit ihrem Auftritt in der zweiteiligen Reportage «Wunschkind» wollen sie anderen Betroffenen Mut machen.

Zur Autorin

Zur Autorin

Helen Arnet kam 1998 zum Schweizer Radio und Fernsehen und arbeitete als Redaktorin und Inputerin bei «Schweiz aktuell», sowie als Videojournalistin für «Fernweh». Seit 2009 realisiert sie Filme für «Reporter» und «DOK».

3 Kommentare

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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Kinderlosigkeit akzeptieren - aber sicher! Wir leben in einer Welt der Überbevölkerung, so hat alles seinen Nutzen und Sinn. Wir müssen wieder lernen die Natur zu respektieren und gewisse Ereignisse mit angemässener Demut zu respektieren.
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    1. Antwort von Ivo Balliana, Zürich
      Als Direktbetroffener kann ich Ihnen nur folgendes sagen: Wenn Sie den Mut haben, mir und meiner Frau das direkt ins Gesicht zu sagen, dass Sie finden, wir dürften unsere Chancen nicht wahrnehmen wollen, selber Kinder zu haben, dann nur zu. Es ist immer einfach aus der Distanz über so ein Thema zu urteilen und Menschen tun das leider immer wieder.
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  • Kommentar von B.Meier, Bern
    Solche Fragen lassen sie nur schwer beantworten. Die "Gretchenfrage" die dem Allen zugrunde liegt ist wohl die Frage, zitiert aus dem Englischen: "Are you justified, Justified in taking Life to save life". Ich für mich beantworte die Frage mit "nein".
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