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DOK «Ohne Humor geht nichts!»

Autorin Samira Matta empfand sofort Sympathie für Stephanie von Orelli. Gleichzeitig war sie ihr aber auch etwas unheimlich. «Woher bloss», so fragte sich die Reporterin, «nimmt diese Frau die Energie her, alles unter einen Hut zu bringen – Familie und Karriere? Und bleibt dabei noch gut gelaunt?»

Stephanie von Orelli sagte sofort zu, als ich sie für ein Porträt für die Sendung «Reporter» anfragte. «Wenn ich Frauen ermutigen kann, auch mit Familie Karriere zu machen, bin ich gerne dabei», antwortete sie. Wir trafen uns für ein Vorgespräch abends um 21 Uhr in einem Restaurant, denn so lange arbeitet sie jeweils im Spital. Die Frauenärztin kam mit der Vespa angedüst, ein freundliches Lachen auf dem Gesicht, die Lippen knallrot geschminkt – und das nach einem 12-Stunden-Tag. Für die Vorbereitung des Films hatten wir viel zu besprechen und es wurde spät. Ich ging müde nach Hause, sie fuhr hellwach heim. Schliesslich wollte sie noch für sich und ihren Mann kochen.

Unkomplizierte Filmaufnahmen

So spontan Chefärztin Stephanie von Orelli für den Film zugesagt hatte, so unkompliziert waren die Filmaufnahmen. Sie hat uns vieles ermöglicht im Triemlispital, was nicht selbstverständlich ist. Der Schutz von Privatsphäre ist in einem Spital besonders wichtig, das Personal muss informiert sein, Einwilligungen von Patientinnen sind einzuholen. Aber auch bei ihr Zuhause standen uns alle Türe offen.

Spitalpersonal sitzt am Tisch beim Rapport. In der Frauenklinik Triemli arbeiten 193 Frauen und zwei Männer
Legende: Beim Rapport In der Frauenklinik Triemli arbeiten 193 Frauen und zwei Männer SRF

Lange Tage

Stephanie von Orellis Spitaltag beginnt um sieben Uhr in der Früh, vor 21 Uhr ist sie jeweils nicht daheim. Dann kocht sie für sich und ihren Mann. Gemeinsam haben sie drei Kinder, um die sich an drei Tagen pro Woche eine Nanny kümmert. Immer wieder haben sich Kameramann Marco Krobath und ich gefragt: Woher nimmt diese Frau ihre schier unendliche Energie? «Ich brauche nur sechs Stunden Schlaf», erklärt Stephanie von Orelli. «Sie hat einfach mehr Energie als andere Menschen», sagt ihr Mann Xavier Temme. Und Stephanie von Orellis Mutter, selber ein Energiebündel, weiss: «Es liegt in der Familie.»

Die Ärztin mit Gesichtsmaske im Operationssaal. Operieren ist für Stephanie von Orelli wie ein Kunsthandwerk
Legende: Im Operationssaal Operieren ist für Stephanie von Orelli wie ein Kunsthandwerk SRF

Helfen ist Pflicht

Doch es gibt noch eine andere Begründung, warum die Chefärztin so viel und so engagiert arbeitet. Stephanie von Orelli ist auf die Behandlung von Krebspatientinnen spezialisiert. «Ich sehe so viel Leid, da verstehe ich es als meine Pflicht zu helfen.» Sie sei aber auch beeindruckt, mit welcher Grösse und Würde die Krebspatientinnen ihrem Schicksal begegnen. «Meine protestantische Erziehung hat mich gelehrt, dass man der Gemeinschaft etwas zurückgeben müsse.» Darum hat sie sich unter anderem für den Beruf als Medizinerin entschieden.

Kochen als Ausgleich

Der Ausgleich zu ihrem strengen Berufsleben ist ihre Familie – und das Kochen. «Ich bin eine leidenschaftliche Köchin», sagt Stephanie von Orelli. So ist die Küche vollgestopft mit Kochutensilien, unzähligen Gewürzen und Geschirr. Es stapeln sich die Kochbücher, sie sehen nicht ungenutzt aus. Und so, wie sie die Forelle Müllerinnenart zubereitete, stand Stephanie von Orelli nicht zum ersten Mal am Kochherd.

Stehpanie von Orelli mit Kind auf dem Spielplatz
Legende: Zeit für die Kinder Immer mittwochs hat die Chefärztin frei, das ist der Kindertag SRF

Frauenförderung

Dass Frauen, die Kinder bekommen, im Beruf bleiben und nicht hinter dem Kochherd verschwinden, ist Stephanie von Orelli ein Anliegen. Selber schaffte sie es mit 46 Jahren und drei Kindern an die Spitze der Frauenklinik im Zürcher Triemlispital. Es brauche dazu Mut, eine gute Organisation und einen Mann, der mitzieht. Und: «Wichtig ist, dass man über sich selber lachen kann», ergänzt sie – und strahlt.

Zur Autorin

Fernsehjournalistin Samira Matta (*1965) arbeitet seit 1992 für verschiedene SRF-Redaktionen, unter anderem 14 Jahre beim Nachrichtenmagazin «10vor10» und neu für die Diskussionssendung «Club». Dies ist ihr erster «Reporter».

«Reporter»

«Die Chefärztin», Sonntag, 3. April 2016, 21.40 Uhr, SRF 1

8 Kommentare

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  • Kommentar von enairam doremi, m
    Ich finde den Kommentar von Frau Frehner etwas annmassend - faule Frauen! Ich kenne welche, die finden keine Arbeit - oder die Arbeit ist schlecht bezahlt und der einzige "Profit" geht an den Staat in Form von Steuergeld. Nicht jede Frau hat einen Chefarztposten.
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    1. Antwort von Roland Burkhardt, Hadsund
      Es gibt auch andere Betrachtungsweisen. Meine Frau hatte ihre Arbeit in der Anästhesie nicht aufgegeben, weil sie erstens gebraucht wurde und sie zweitens eine grosse Befriedigung bei der Arbeit hatte. Der Verdienst ging je zu einem Drittel an die „Nanni“, die Steuern und das Sparbuch. Unsere beiden Söhne hatten nie den Eindruck, dass sie vernachlässigt wurden.
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    2. Antwort von Elisabeth Frehner-Isenring, Oberbüren
      Wie wär's, wenn Sie noch etwas lernen würden? Zuhause ist dies auch möglich. Nur die Faulen haben immer Ausreden! Ich habe als Alleinerziehende während mehr als 5 Jahren mit ganz kleinem Kind und einem grösseren auch gelernt, mich aus dem Sumpf zu retten, in den ich gefallen war. Hilf dir selbst, so hilft dir Gott. Wie wahr. Mit der zweiten,auch nicht immer einfachen Ehe habe ich mir das Glück wieder erarbeitet. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.
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    3. Antwort von varxj, Wallisellen
      Faul, oder fauler als Sie, Frau Frehner? Es gilt wohl zu unterscheiden. Ich sehe keinen Zwang für erziehende Mütter, noch erwerbstätig zu werden, wie auch bei jedem sonst, der es sich leisten kann. Das ist dem Individuum überlassen. Ihre Sicht scheint sich mir mehr um die Tatsache zu drehen, dass es sich schlecht auf die Erziehung auswirkt, wenn die Mutter zu viel Freizeit hat bzw. zu viel Zeit in die Erziehung investiert. Interessant, aber auch mehr Postulat als Deduktion.
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    4. Antwort von Elisabeth Frehner-Isenring, Oberbüren
      Da war ich in meiner Wortwahl gar hart und ich entschuldige mich dafür. Ich meine einfach, auch eine Frau hat eine Aufgabe für die Gesellschaft zu leisten und das braucht ein gewisses Engagement, nicht nur sich ins Privatleben zurückzuziehen. (Frau von Orelli erwähnt das ja auch). Und es gehört nun mal ein lebenlanges Lernen dazu, vor allem auch um ein selbständiges Leben führen zu können und der Gesellschaft nicht zur Last zu fallen, früher oder später.
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  • Kommentar von enairam doremi, m
    Frau von Orelli ist sicher bestens in der Lage ihren Haushalt und die Kinder so zu betreuen, dass niemand zu kurz kommt. Dazu braucht es aber 1. einen passenden Partner und eine sehr gute Ausbildung, 2. ein gewisses Einkommen um eine Nanny finanzieren zu können und 3. ein grosses Organisationstalent, wie das was Frau von Orelli hat, ausserdem Energie für 3. Es ist sehr begrüssenswert dass im Team der Klinik so viele Frauen tätig sind, die Patientinnen können froh sein.
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  • Kommentar von Elisabeth Frehner-Isenring, Oberbüren
    Eine Frau muss ja nicht 100 % arbeiten. Es gibt so viele Möglichkeiten, den Beruf teilzeit auszuüben ohne den Haushalt und die Kinder zu vernachlässigen. Wo ein Wille, ist auch ein Weg. Zu meiner aktiven Zeit hatte ich praktisch keine Hilfe für die Kindererziehung und den Haushalt. Fleiss war lange Zeit und ist auch noch heute zum Teil verpönt, aber das brauchts. Bei mir stand jeden Mittag etwas auf dem Tisch und die Familie konnte sich hinsetzen. Bei Abwesenheit habe ich vorgekocht.
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