Rendez-vous mit Elfen, Geistern und Feen

Es wäre einfach sich über Charles Rüttiman lustig zu machen. Er nennt sich Schamane, versteckt Käse und Brot für Zwerge im Wald und spricht mit Feen. Aber es lohnt sich, diesem sympathischen Kauz mit Neugier zu begegnen.

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«Eine Schamane ist eine Brücke zwischen Geister- und Alltagswelt»

1:15 min, vom 16.4.2017
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Zum Autor

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Patrick Schellenberg arbeitet seit 2006 für «Reporter» und «DOK-Serien». Er absolvierte eine Lehre als Fotograf und studierte anschliessend Journalismus an der Schule für angewandte Linguistik SAL in Zürich.

Nein, nein und nochmal nein! Es gibt keine Feen, Elfen und Zwerge! Das sind Wesen aus der Märchenwelt.

Der Schamane Charles Rüttimann sieht das anders. Für ihn gehören Geisterwesen zum Alltag. Die Fee auf dem Felsvorsprung etwa hilft ihm bei schwierigen Lebensfragen. Für die Zwerge im Wald deponiert er Brot und Käse in kleinen Verstecken.

Die Dokumentarfilme von «Reporter» erzählen Geschichten mit recherchierten und überprüfbaren Fakten. Wir sind der Abbildung der Realität verpflichtet. Das unterscheidet uns von der Fiktion, von erfundenen Geschichten, wie wir sie aus Hollywood kennen.

Es wäre einfach, sich über Charles Rüttimann lustig zu machen. Er ist eine kuriose Erscheinung, ein sympathischer Kauz, der in seiner ganz eigenen Welt lebt. Und selbstverständlich bleibt er den Beweis für die Existenz von Geisterwesen schuldig.

Ritual mit Pinsel und Räucherstäbchen: Schamane Charles Rüttimann Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ritual mit Pinsel und Räucherstäbchen: Schamane Charles Rüttimann SRF

Neugier statt Argwohn

Kritische Nachfragen erschöpfen sich rasch. So wenig wie der Schamane beweisen kann, dass es Feen, Elfen und Zwerge gibt, kann ich das Gegenteil beweisen. Er sieht die Fee. Ich sehe sie nicht. Punkt. Hätte ich auf diesen unvereinbaren Standpunkten beharrt, wäre dieser Film nie entstanden.

Aber ich wollte ein Experiment wagen. Was passiert, wenn ich mich auf die Welt des Schamanen einlasse? Neugier statt Argwohn. Mich interessierte, was Charles Rüttimann dazu bringt, Geisterwesen zur Realität zu erklären. Wie kommt ein gebildeter und reflektierter Mensch dazu, mit Feen zu reden?

Tai-Chi in der Natur: Schamane Charles Rüttimann Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tai-Chi in der Natur: Schamane Charles Rüttimann SRF

Keine Show für die Kamera

Anfangs stand ich mit der Kamera eher peinlich berührt daneben, wenn mein Protagonist ein schamanisches Ritual feierte, wenn er die vier Himmelsrichtungen grüsste, getrocknete Holunderblüten verstreute oder mit Tannenzapfen und Federn ein Mandala legte. Jedoch merkte ich schnell, mit welcher Selbstverständlichkeit er dies tat. Da war kein Hokuspokus, keine Show für die Kamera. Er liess mich einfach an seiner wundersamen und eigenwilligen Welt teilhaben.

Nach und nach rückte die Frage, ob es Feen und Zwerge tatsächlich gibt, in den Hintergrund. Mir wurde klar, wie schwammig der Begriff der Realität ist. Wer definiert sie? Der sogenannt gesunde Menschenverstand? Und gehört wirklich alles, was wir nicht sehen und nicht beweisen können, ins Reich der Phantasie?