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DOK Warum Veganer Allesesser provozieren

«Du machst einen Film über Veganer?» – «Ja.» – «Also die Vegetarier kann ich ja noch verstehen, das finde ich gut. Aber Veganer? Die sind ja wirklich extrem.» Autorin Helen Arnet und ihre Erfahrungen beim Drehen ihres Film über Veganismus.

Legende: Video Daniel Pfisters Familie lebt vegan abspielen. Laufzeit 01:38 Minuten.
Aus DOK vom 18.12.2014.

Veganer gelten als missionarisch und dogmatisch, weil sie auf jegliche Produkte tierischer Herkunft verzichten – kein Fleisch, kein Fisch, keine Milch, keine Butter, kein Käse, kein Rahmtupfer auf dem Dessert, keine Rahmglace, kein Honig, keine Milchschokolade, keine Crèmeschnitte.

Dafür trinken sie Hafer-, Dinkel-, Reis- oder Mandelmilch, streichen Margarine auf ihre Frühstücksbrötchen, verfeinern die Kürbissuppe mit Soja- oder Haferrahm, essen Tofu, Seitan, Linsen, Nüsse und viele Früchte und Gemüse. Und nicht nur das – Veganer tragen keine Lederschuhe und keine Wollpullover. Sie schlafen nicht in Daunenduvets, hüllen sich nicht in Seide und verzichten auf Kosmetika und Reinigungsmittel mit tierischen Bestandteilen. Ist das extrem?

Huhn ist nicht gleich Huhn

Ich habe in den letzten Monaten viele Menschen kennengelernt, die vegan leben. Diese Veganer erzählten mir, warum es ihnen nicht mehr genügt, sich «nur» vegetarisch zu ernähren. Eier, zum Beispiel. «Dafür werden doch keine Tiere getötet?», fragte ich. Leider doch: Alleine in der Schweiz werden jedes Jahr über 2,5 Millionen männliche Küken am Tag des Schlüpfens umgebracht. Denn Huhn ist heutzutage nicht mehr gleich Huhn.

Es gibt Fleischrassen zur Pouletfleischproduktion, und es gibt Legerassen. Die Brüder der Legehennen-Küken sind die grossen Verlierer der heutigen Eierproduktion. Sie setzen zu wenig Fleisch an, um als Masttiere genutzt zu werden und sie können bekanntlich keine Eier legen. Sie sind nutzlos für die Eierproduktion – lebendiger Abfall. In speziellen Schränken werden die Küken mit CO2 vergast. Ob bio oder konventionell – dieser «Produktionsschritt» geht jedem gelegten Ei voraus.

Nicht extrem – aber extrem konsequent

Sind für die Produktion wertlos und werden getötet: männliche Kücken
Legende: Sind für die Produktion wertlos und werden getötet: männliche Küken. SRF

«Wir betrachten Leben nicht als Abfall», sagen Corinna und Daniel Pfister, nachdem sie mich über das Schicksal der männlichen Legehühner aufgeklärt haben. Ist es extrem, wenn Veganer das millionenfache Töten von Küken nicht mehr unterstützen wollen? Ist es extrem, wenn sie mit ihrem täglichen Einkauf lieber eine Industrie unterstützen, die pflanzliche Lebensmittel produziert und kein Tierleid verursacht?

Nach den Recherchen zu diesem Film und vielen Gesprächen mit Veganerinnen und Veganern bin ich persönlich zum Schluss gekommen: Veganer sind nicht extrem. Sie sind höchstens extrem konsequent. Sie machen auf die Missstände im Umgang mit unseren Nutztieren aufmerksam. Sie regen zum Denken an. Sie provozieren mit einer klaren Haltung. Sie sind der Stachel in unserem Fleisch – und der soll ruhig ein bisschen weh tun.

Mirjam Hauser vom GDI Gottlieb Duttweiler Institut analysiert Veränderungen von Gesellschaft, Wirtschaft und Konsum mit den Schwerpunkten Werte, Einstellungen, Konsumentenverhalten und Ernährung:

Legende: Video «Warum fühlen sich Allesesser von Veganern provoziert?» abspielen. Laufzeit 01:21 Minuten.
Aus DOK vom 18.12.2014.

Bücher zum Thema

  • Karen Duve: Anständig essen – ein Selbstversuch. Goldmann-Verlag, 2012
  • Hilal Sezgin: Artgerecht ist nur die Freiheit: Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen. Verlag C.H. Beck, 2014
  • Melanie Joy: Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. Karnismus – eine Einführung. Compassion media, 2013

Zur Autorin

Zur Autorin

Helen Arnet (*1966) arbeitet seit 1998 fürs Schweizer Fernsehen. Seit 2010 ausschliesslich für «DOK» und «Reporter». Sie studierte Volkskunde und Germanistik an der Universität Zürich.

225 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Bogdanov, 3127 Mühlethurnen
    Finde die sendung grundsätzlich gut, mit einer einschränkung: im film ist nur über vegane ernährung die rede. Vegetarische ernährung, also grundsätzlich vegane ernährung mit wenigen von tier produzierten biologischen produkten wie käse und eier ist meiner meinung ethisch gleichwertig wie die reine vegane ernährung. Deshalb finde ich als vegetarier die veganer etwas dogmatisch, insbesondere hier in der Schweiz, wo die tierproduktion der wichtigste teil der landwirtschaft ist.
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    1. Antwort von Urs Buholzer-Hurni, Udligenswil
      @Stefan: Da muss ich dir als ehemaliger Milchproduzent leider widersprechen. Das Tierprodukt mit dem wenigsten Leid ist wohl Bio-Weide-Beef. Aber gerade Milch und Eier sind mit sehr viel Leid verbunden. Vegetarier essen also Tierprodukte, die sehr viel Leid verursachen. Nichtsdestotrotz ist der Schritt zum Vegetarier ein wichtiger Schritt, der später oft zum Veganismus führt. War bei mir genau so. Mehr Details zu den Gründen unter vegan.ch Stichwort "Hintergründe".
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    2. Antwort von G.Beretta, Bern
      Die Fleisch- Milch/Käse/Eier Lobby ist eins und das selbe !!!!
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  • Kommentar von Manuel Sutter, ägeri
    Vegan ist sicher NICHT gesund... zudem wurde der Mensch geboren um Fleisch zu essen, und das meiste Fleisch ist gesund, und Fisch sowieso! (Ich) Werde niemals Vegetarier! Interessante Artikel: http://www.stern.de/gesundheit/ernaehrung/aktuelles/fett-salz-zusatzstoffe-so-ungesund-sind-vegane-lebensmittel-2101073.html http://www.welt.de/gesundheit/article13472189/Veganer-bringen-ihr-Herz-in-Gefahr.html
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    1. Antwort von Urs Buholzer-Hurni, Udligenswil
      @Manuel: Deinen verlinkten Beitrag kenne ich und ist definitiv von der Tierindustrie gesponsert. Gehe mal in einen Bioladen, und vergleiche die Zutatenlisten mit der tierlichen Angeboten. Zu weit über 90% haben die veganen Fertigprodukte weniger Zusatzstoffe. Überdies kann man sich Fleischersatz auch sehr gut selber machen, z.B. mit roten Bohnen. Rezepte gibt es zu Hauf. Eine ausgewogene vegane Ernährung ist sogar die gesündeste überhaupt, auch wenn wenig Fleisch nicht schadet.
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  • Kommentar von Julio Shim, Badeb
    Ein Luxusproblem; Es gibt Menschen die haben keine Auswahl und Menschen die verhungern. Wenn Erwachsene vegan sind ist es ihre Entscheidung. Die Konditionierung auf vegan bedeutet, dass nach einigen Jahren nicht mehr einfach umgestellt werden kann. Für ein Kleinkind ist dies prägend für das ganze Leben. Ich war an Orten, da bestand keine Auswahl. Was bringt die Zukunft?
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