Wir, die Lebensmittelverschwender

Ein Drittel aller Lebensmittel wird verschwendet. In der Schweiz landen zwei Millionen einwandfreie Lebensmittel im Abfall. An der Spitze der Lebensmittelverschwender stehen nicht die Produzenten oder Detailhändler, sondern wir, die Endkonsumenten, sagt Claudio Beretta, Präsident von foodwaste.ch.

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Abfall auf dem Teller

49 min, aus DOK vom 25.2.2015

Vor allem wenn Festtage anstehen, wird zu viel eingekauft und zahlreiche Lebensmittel landen im Abfall. «Wenn viel eingekauft wird, dann bedeutet dies auch viel Verschwendung», sagt Corina Gyssler vom WWF Schweiz. Sie weiss, wovon sie spricht. Der WWF hat im Dezember 2014 eine Petition gegen Lebensmittelverluste eingereicht. Bis 2025 sollen diese in der Schweiz um die Hälfte zurückgehen.

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Lebensmittelverschwendung ist vor allem bei uns, in den wirtschaftlich entwickelten Ländern ein grosses Problem. In weniger entwickelten Ländern ist die Wertschätzung gegenüber Nahrungsmitteln grösser. Dort wird weniger weggeworfen, denn die Definition von «essbar» und «minderwertig» ist eindeutig anders.

In der Schweiz sind es die Konsumenten, die am meisten Lebensmittel wegwerfen: «Das Bewusstsein für das Problem steigt zwar. Doch die meisten sehen das Problem nicht bei sich selbst, sondern bei den anderen.» Corina Gyssler erklärt, was zur Lebensmittelverschwendung gehört, aber oft nicht als solche wahrgenommen wird: «Alles, was essbar ist und im Eimer landet, ist verschwendete Nahrung. Dazu gehört auch allzu grosszügiges Rüsten. Da landen Teile von Gemüse im Eimer, die durchaus essbar wären. Die äusseren Salatblätter, Apfelschalen. Auch wer viel Convenience Food isst, trägt zur Verschwendung bei, denn die Rüebli-Stäbchen im Fertiggericht bedeuten viel Abfall. Abfall, der eigentlich keiner gewesen wäre.»

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foodwaste.ch ist eine Schweizer Informations- und Dialogplattform zum Thema Lebensmittelverschwendung. Die Betreiber wollen den gesellschaftlichen Dialog über die Verschwendung von Nahrungsmitteln fördern und Lösungsansätze zur Debatte stellen.

Billige Lebensmittel bedeuten mehr Abfall

Die Expertin vom WWF stellt einen besonders lieblosen Umgang mit Kartoffeln fest: «Zwei von drei Kartoffeln, die angebaut wurden, landen nicht in unseren Magen.» Zum einen liege dies an der Normierung der Kartoffel. Viele unförmige Knollen kommen gar nicht erst in den Verkauf. Und der Konsument schaufle überflüssige Kartoffeln nur zu gern in den Eimer, statt sie zum Beispiel zu einer Restesuppe zu verarbeiten. «Das liegt bestimmt auch daran, dass generell zu grosse Portionen gekocht werden.»

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Den Detailhändlern in der Schweiz stellt der WWF Schweiz ein gutes Zeugnis aus: «Der Detailhandel gibt viele Esswaren an karitative Einrichtungen weiter. Die Verluste in den Privathaushalten sind jedoch massiv!» Dies mag auch daran liegen, dass Nahrung so viel billiger geworden ist. Gab ein Haushalt vor rund 100 Jahren noch 60 bis 70 Prozent des Budgets für Essen aus, so sind es heute noch zehn Prozent. Die grossen Ausgaben sind heute Wohnen, Mobilität, Versicherungen. Billiges Essen bedeute weniger Wertschätzung, ist Corina Gyssler überzeugt.

Was kann der Konsument gegen Lebensmittelverschwendung tun? «Einkaufslisten schreiben», rät Corina Gyssler. Sich vorher überlegen, was man kochen will und gezielt einkaufen. Konsequent nur das kaufen, was benötigt wird. Nicht zu grosse Portionen kochen. Und wenn es Reste gibt, diese verwenden. Zur Not einfrieren.