Ist die Gebärdensprache international verständlich?

Bei der Trauerfeier für Nelson Mandela hat sich ein Schwindler als Gebärdendolmetscher ausgegeben und für Schlagzeilen gesorgt. In diesem Zusammenhang hat sich der eine oder andere die Frage gestellt, ob es internationale Standards für die Gebärdensprache gibt.

Es gibt nicht nur eine deutsche, englische oder französische Gebärdensprache – nein, es gibt sogar eine Deutschschweizer Gebärdensprache. Und da unterscheidet man wiederum zwischen fünf verschiedenen Gebärden-Dialekten: einem Zürcher, einem Berner, einem Basler, einem Luzerner und einem St. Galler Dialekt.

Dass das so ist, liegt daran, dass es in jeder dieser fünf Regionen eine Gehörlosenschule gibt, die die jeweiligen Eigenheiten prägt und weitergibt. Aber: Ganz eigenständig sind diese Nuancen natürlich nicht, genau wie die Deutschschweizer Gebärdensprache auch keine gänzlich eigenständige Sprache ist. Sie orientiert sich an der hochdeutschen und österreichischen Gebärdensprache – fast also wie bei der gesprochenen Sprache.

International aber zeigen sich Unterschiede: Die Deutschschweizer Gebärdensprache ist stark oral orientiert. Das heisst: Zu jedem Zeichen formt der Mund auch das entsprechende «normale» Wort. In den USA dagegen reden Gehörlose nur mit den Händen, der Mund steht still. Weil in jeder Sprache der Satzbau unterschiedlich ist und Wörter andere Wurzeln haben, ist eine einfache internationale Verständigung mit nur einer Gehörlosensprache nicht möglich.