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Abschied der SRF-Direktorin «Es war ein Privileg, diesen Job machen zu dürfen»

Nach 18 Jahren bei SRF, davon sieben als Direktorin, verlässt Nathalie Wappler Ende April 2026 das Medienunternehmen. Im Interview mit «Hallo SRF!» blickt sie auf die schönsten, aber auch die schwierigsten Momente zurück und verrät, was ihr an ihrer Arbeit nicht fehlen wird.

Nathalie Wappler blickt lächelnd ins Publikum.
Legende: Schlägt ab Mai 2026 neue Wege ein: Nathalie Wappler SRF/Gian Vaitl

Nathalie, deine Zeit als SRF-Direktorin war ereignisreich. Welche Situation ist dir als besonders herausfordernd in Erinnerung geblieben?

Nathalie Wappler: Wie wir während Corona in den Lockdown gegangen sind, als ich erst ein Dreivierteljahr im Amt war. Nur schon ein Interview für eine unserer Sendungen zu organisieren war eine Herausforderung. Ausserdem habe ich mir grosse Sorgen gemacht: Was ist, wenn Kolleginnen und Kollegen krank werden? Der Spagat war schwierig: Wir hatten eine sehr wichtige Aufgabe. Alle sind zu Hause, alle schauen und hören SRF – und gleichzeitig mussten wir auch die eigenen Leute schützen.

Ein Unternehmen ist ein Organismus und keine Maschine.

Du hast SRF durch eine Phase intensiver Transformation geführt. Wie haben die sieben Jahre in dieser Position dich selbst verändert?

Man verändert sich mit jeder Transformation. Und manche Sachen lernt man auf die härtere Art. Zum Beispiel, dass Transformation nicht schneller geht, nur weil man es an einem anderen Ort schon einmal gemacht hat. Als ich Programmdirektorin beim Mitteldeutschen Rundfunk war, konnte ich beispielsweise meine Erfahrung aus dem Jahr 2011, als wir Radio DRS und Fernsehen SF zu SRF zusammenbrachten, nur bedingt einsetzen, auch weil die kulturellen Bedingungen einfach anders waren.

Du bist also geduldiger geworden?

Ja, und demütiger. Als Direktorin kann ich noch so euphorisch sagen: «Das machen wir.» Die Mitarbeitenden müssen die Veränderung verstehen und mehrheitlich mittragen. Das braucht Zeit, ist aber unglaublich wichtig. Nur so kann Wandel nachhaltig gelingen. Das ist auch das Schöne: Man hat es immer mit Menschen zu tun. Ein Unternehmen ist ein Organismus und keine Maschine. Ich habe gelernt, besser zuzuhören und zu verstehen. Und manchmal kommt man so zu anderen, nicht weniger tragfähigen Lösungen.

Nathalie Wappler bei SRF: Eine Reise durch die Jahre

Wann hat dir dein Beruf am meisten Freude gemacht?

Wenn alles zusammenspielte. Ich war zum Beispiel richtig stolz, was für ein starkes Programm wir zum Fall der Credit Suisse gemacht haben. Auch wie wir Themenschwerpunkte auf die Beine gestellt, nationale und internationale Krisensituationen und grosse Sportevents in bestem journalistischem Handwerk bewältigt haben. Wie unsere Unterhaltungssendungen das Publikum bewegen. Wie wir mit einigen Dokumentationen Debatten angestossen haben. Unsere investigativen Recherchen. Natürlich gefällt das nicht immer allen, aber in solchen Momenten sieht man: Wir haben so viel Power! Ich bin unglaublich dankbar, dass so herausragende Leute bei uns arbeiten. Egal, welche Abteilung, welcher Bereich: Alle bei SRF stehen für die gleiche Sache ein. Es war ein Privileg, diesen Job machen zu dürfen.

Service public ist für mich eine Lebensentscheidung.

Aber Hand aufs Herz: Es gibt sicher auch etwas, das dir nicht fehlen wird?

So exponiert zu sein. Es ist ein 24/7-Job und überall, wo ich hingehe, sprechen mich Menschen an. Das ist bereichernd, kann über eine so lange Zeit aber auch anstrengend sein. Und ich fand auch nicht immer alle Schlagzeilen über SRF und mich geglückt. Man lernt, damit umzugehen, aber es geht natürlich nicht spurlos an einem vorbei. Auch als Frau in einer Führungsposition ist man immer noch etwas exponierter und wird schärfer beobachtet.

Wie zeigt sich das?

Da heisst es etwa: Sie ist kalt und setzt das knallhart durch. Bei Männern sagt man, sie seien durchsetzungsstark oder entscheidungsfreudig. Auf meine Locken wurde ich auch wahnsinnig oft angesprochen. Jede Änderung wird kommentiert. Ich glaube, was das Äussere angeht, haben es Männer mit blauen Anzügen und weissen Hemden etwas einfacher. (lacht)

Du bleibst auch nach deinem Abschied von SRF dem Service public treu und präsidierst künftig den deutschen Medienrat. Inwieweit hat dich der Gedanke, mit deiner Arbeit etwas für die Gesellschaft zu tun, durch die Jahre getragen?

Service public ist für mich eine Lebensentscheidung. Hier habe ich mein ganzes berufliches Leben verbracht. Wenn man einer Sache verpflichtet ist, dann lassen sich auch negative Schlagzeilen etwas besser tragen. (zwinkert)

Nathalie Wappler und Roger Elsener stehen nebeneinander in einem Fernsehstudio und lächeln in die Kamera.
Legende: Nathalie Wappler mit ihrem Nachfolger Roger Elsener SRF/Gian Vaitl

Roger Elsener tritt per Mai 2026 deine Nachfolge an. Die Halbierungsinitiative ist abgelehnt – trotzdem muss gespart und transformiert werden: keine einfache Aufgabe. Welchen Tipp hast du für ihn?

Er hat viel Erfahrung und weiss, was so eine Aufgabe bedeutet. Ich würde ihm nur mitgeben, dass man sich auch Zeit für sich selbst nehmen sollte. Egal ob Sport oder Musik: Wichtig ist der Ausgleich, weil es niemandem dient, wenn man auf den Felgen ist. Es ist ein Zehn-Kilometer-Schwumm und man muss die Kraft und das Tempo gut einteilen.

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