Manoush, du vertrittst die Schweiz am diesjährigen «Eurovision Young Musicians» (EYM) in Eriwan, Armenien. Was war deine Reaktion, als die Wahl der Jury auf dich fiel?
Wenn man das Ergebnis eines Wettbewerbs erhält, realisiert man oft erst einige Tage später, was es tatsächlich bedeutet. Bei mir hat es sogar mehrere Wochen gedauert, denn der EYM ist anders als alle Wettbewerbe, die ich zuvor kannte. Erst nach einiger Zeit wurde mir wirklich bewusst, was es bedeutet, für die Schweiz an den «Eurovision Young Musicians» zu fahren – mit all den Dreharbeiten, Kameras und Interviews. In dem Moment, als die Jury mich ausgewählt hat, war ich einfach freudig überrascht.
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Bild 1 von 2. Seit ihrem dritten Lebensjahr spielt Manoush Geige und entdeckte mit acht Jahren ihr Hauptinstrument: das Klavier. Bildquelle: SRF/Gian Vaitl.
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Bild 2 von 2. Zurzeit absolviert Manoush ihren Master in Performance an der Hochschule für Musik Basel FHNW. Bildquelle: SRF/Gian Vaitl.
Wie bereitest du dich auf das Finale am 6. Juni 2026 in Eriwan vor?
An anderen Wettbewerben bereitet man oft bis zu sechs Stunden Repertoire vor. Für den Auftritt in Armenien hingegen sind es nur sechseinhalb Minuten. Entscheidend ist daher, ein Stück nicht zu «überüben». Clara Schumanns Klavierkonzert zählt zu den schwierigsten Werken, die ich je gespielt habe – insbesondere der dritte Satz mit seinen grossen Sprüngen. Deshalb übe ich gezielt in Abschnitten, fast schon auf eine «chirurgische» Art. Gleichzeitig behalte ich das ganze Stück im Blick und schaue mir dafür die Partitur und die anderen Instrumente an. Wichtig ist die Balance zwischen Detailarbeit und dem Erleben des gesamten musikalischen Bogens, um sich nicht einfach im Klang zu verlieren. In der Schlussphase hilft es dann sehr, das Stück immer wieder durchzuspielen.
Ich bin froh, wenn ich nervös bin.
Hast du Tipps gegen Lampenfieber, die du selbst anwendest?
Ich bin fast immer nervös vor einem Konzert. Wenn ich es einmal nicht bin, dann stimmt irgendetwas nicht – dann fehlt oft die Konzentration oder das Gefühl für den Moment und das Konzert wird nicht ganz so gut wie sonst. Ich bin deshalb froh, wenn ich nervös bin, aber natürlich nur bis zu einem gewissen Grad. Wenn die Nervosität kommt, hilft mir viel Bewegung. Ich muss meinen Körper spüren und meinen Kreislauf in Schwung bringen. Dann hüpfe ich ein bisschen herum, mache ein paar Hampelmänner oder auch mal einen Handstand an die Tür. (lacht) Danach geht es mir meistens schon viel besser.
Du hast dich für Clara Schumanns Klavierkonzert in a-Moll Op. 7 entschieden und wirst am Wettbewerb den dritten Satz spielen: Weshalb hast du genau dieses Werk ausgesucht?
Das Besondere am EYM ist, dass wir Teilnehmenden eine so grosse mediale Präsenz mit dem Wettbewerb bekommen. Clara Schumanns Klavierkonzert ist für mich eines der grössten und wichtigsten der romantischen Epoche. Es hat alles, was ein Klavierkonzert aus dieser Zeit haben kann: so einen Schatz an Melodien und eine sehr hohe Virtuosität – es ist unglaublich packend. Es wird zwar immer häufiger aufgeführt, aber dennoch deutlich seltener als andere Werke aus dieser Zeit. Genau deshalb freue ich mich, dass ich die Möglichkeit habe, dieses Konzert auf einer so wichtigen Bühne zu präsentieren. Vielleicht trägt mein Auftritt auch dazu bei, andere zu inspirieren, dieses unglaublich schöne Werk ebenfalls aufzuführen.
Wovon träumst du für deine musikalische Zukunft?
Ich träume davon, mit Menschen zusammen Musik zu machen – mit Orchestern, Dirigentinnen und Dirigenten und Kammermusikpartnern, die die gleiche Leidenschaft und Hingabe für die Musik teilen wie ich. Genauso wichtig ist mir, für ein Publikum spielen zu können, das der Musik offen und neugierig begegnet. Und ich hoffe, irgendwann an den Punkt zu kommen, an dem ich so viele Konzerte spielen kann, wie ich möchte.