Eindrücklich und sensibel: Frank Martins «Cornet»

Abermillionen von Menschen kamen im Zweiten Weltkrieg ums Leben. Doch hier geht es um das Schicksal, den Tod eines einzelnen Menschen. Frank Martin reagiert auf das Grauen in den Jahren 1942–1943 mit seinem «Cornet», komponiert nach einem Text von Rainer Maria Rilke.

Frank Martin: «Dieses kurze epische Gedicht besteht aus rund zwanzig Gesängen, von denen jeder seine eigene Farbe, seinen besonderen Rhythmus hat. Es bewahrt sogar in der Schilderung der brutalen Rohheiten des Krieges eine unglaubliche Sensibilität.»

«Diese Sensibilität ist so überfeinert, dass ich mich oft fragte, ob die Musik überhaupt fähig sei, allen Schwingungen der Rilke‘schen Gedanken und den zarten Linien seines Ausdrucks zu folgen. Ich habe mich nach Kräften bemüht, mich an die Dichtung anzulehnen, und beständig versucht, eine musikalische Form zu erreichen, die das Porträt der literarischen Form sein würde.»

Gefördert und ermutigt vom Mäzen und Dirigenten Paul Sacher, komponierte Frank Martin «Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke» für Gesangsstimme und Kammerorchester. Bei der Uraufführung am 14. Mai 1945 in Basel wurde die Altistin Elsa Cavelti vom Basler Kammerorchester unter Paul Sacher begleitet.

In Zürich war dafür am 18. Dezember 2016 erstmals die Sängerin Okka von der Damerau zu Gast am Opernhaus. Fabio Luisi und das Orchester Philharmonia Zürich stellen diesem heute selten aufgeführten Werk die «Unvollendete» von Franz Schubert gegenüber.

Franz Schubert: Sinfonie Nr. 8 h-Moll D 759 «Unvollendete»
Frank Martin: Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke

Philharmonia Zürich
Fabio Luisi, Leitung
Okka von der Damerau, Alt

Konzert vom 18. Dezember 2016, Opernhaus Zürich

Redaktion: Andreas Müller-Crepon