Filigranes und Anschmiegsames mit Heinz Holliger

Zum 90. Todestag von Rainer Maria Rilke am 29. Januar 2016 hat Heinz Holliger ein Programm rund um drei Gedichte konzipiert, die Rilke selbst dem Komponisten Ernst Krenek zuschickte, als Vorlage für drei Lieder.

Krenek hatte den Dichter wenige Jahre zuvor auf dem Château de Muzot besucht, das Rilke vom Winterthurer Mäzen Werner Reinhardt zur Verfügung gestellt war. Reinhardt hatte auch den Kontakt zwischen den künstlern vermittelt. Die Uraufführung der Lieder «Ô Lacrimosa», mit dem Untertitel «zu einer künftigen Musik von Ernst Krenek» hat Rilke nicht mehr erlebt. Die Gedichte feiern einen Abschied vom Leben, im Bewusstsein grösserer Zeiträume und kosmischer Dimensionen:

Nichts als ein Atemzug ist das Leere,
und jenes
grüne Gefülltsein der schönen
Bäume: ein Atemzug!
Wir, die Angeatmeten nah,
heute noch Angeatmeten, fühlen
diese, der Erde, langsame Atmung,
deren Eile wir sind.

Der Komposition von Ernst Krenek stellt Holliger den eigenen, frühen Zyklus der sechs Morgenstern-Lieder von 1956/57 gegenüber, die er 2003 orchestriert hat. und er begleitet die prominente finnische Sopranistin Anu Komsi zudem in den Liedern aus der Rosamunde-Schauspielmusik von Franz Schubert. Passend zur «Zauberharfe» schliesst das Konzert mit der Märchenmusik zu den Geschichten von Mutter Gans, einem der Meisterweke von Maurice Ravel.

Franz Schubert: Ouvertüre D-Dur «Die Zauberharfe» D 644
Franz Schubert Musik zum Schauspiel «Rosamunde» D 797
Ernst Krenek: Ô Lacrimosa... Drei Gesänge für hohe Stimme und sieben Instrumente auf Gedichte von Rainer Maria Rilke op. 48a
Heinz Holliger: Sechs Lieder nach Gedichten von Christian Morgenstern
Maurice Ravel: Ma Mère, lOye. Ballettmusik

Musikkollegium Winterthur
Heinz Holliger, Leitung
Anu Komsi, Sopran

Konzert vom 14. Dezember 2016, Stadthaus Winterthur

Redaktion: Andreas Müller-Crepon