Schnappt sich Russland nach der Krim auch Teile Kasachstans?

  • Samstag, 20. Juni 2015, 9:08 Uhr
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    • Samstag, 20. Juni 2015, 9:08 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
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In Sowjetzeiten wurden in Kasachstan gezielt Russen angesiedelt und russisch war die wichtigste Sprache. Seither hat sich das stark geändert. Die Russen fühlen sich fremd im zentralasiatischen Land und zunehmend benachteiligt. Eine Entwicklung mit grossem Konflikt-Potential.

Kasachstan  Öl- und Gasreichtum auf der einen Seite – nomadische Traditionen auf der anderen.
Bildlegende: Kasachstan Öl- und Gasreichtum auf der einen Seite – nomadische Traditionen auf der anderen. zvg: Peter Gysling

Kasachstan sei Teil der russischen Welt. Das hat Russlands Präsident Putin vor ein paar Monaten an einem Jugendtreffen gesagt. Die Aussage löste in Kasachstan Ängste aus. Besteht die Gefahr, dass Russland - ähnlich wie in der Ukraine - Probleme der russischen Minderheit im Land zum Vorwand nimmt, um einen Teil des Landes zu annektieren?

Tatsächlich ist die Situation der russischen Minderheit, die vor allem im Norden Kasachstans lebt, nicht einfach. Früher gab es für die Russen kaum einen Grund Kasachisch zu lernen. Heute aber werden Kenntnisse der Sprache oftmals bei der Stellenbewerbung verlangt. Viele Russen sind nicht gewillt Kasachisch zu lernen und verlassen deswegen das Land. Wegen dieser Abwanderung und weil die Geburtenrate der Kasachen grösser ist, nimmt der russische Bevölkerungsanteil stetig ab. Zum Beispiel in der Stadt Semipalatinsk stellten die Russen vor der Unabhängigkeit mit 69% die Mehrheit. Heute ist ihr Bevölkerungsanteil auf 39% zurückgegangen.

Diese Entwicklung führt dazu, dass sich immer mehr Russen in ihrer kasachischen Heimat fremd fühlen. Falls sich das Verhältnis zur kasachischen Bevölkerungsmehrheit weiter verschlechtern sollte, besteht die Gefahr, dass die russische Minderheit nach dem Schutz Russlands rufen könnte.

Im Moment bemüht sich der kasachische Machthaber Nursultan Nasarbajew immer noch darum, dass es zu keinen Spannungen kommt. Aber Nasarbajew ist schon 75 Jahre alt er stand schon zu sowjetischen Zeiten an der Spitze Kasachstans. Wenn er einmal stirbt, könnten in seinem Umfeld Machkämpfe ausbrechen. Die Kontrahenten könnten dann nationalistische Emotionen schüren und damit einen offenen Konflikt zwischen Russen und Kasachen auslösen.

Autor/in: Peter Gysling, Redaktion: Christoph Wüthrich