Abofalle «Hotelcard»: Halbtax-Abo mit falschen Versprechen

Ihr Slogan lautet «Das Halbtax für Hotels». Bei «Kassensturz» häufen sich die Klagen von enttäuschten Kunden: Die von Hotelcard versprochenen 50 Prozent würden nicht eingehalten und kosteten ungewollt Geld und Nerven.

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Abofalle «Hotelcard»: Halbtax-Abo mit falschen Versprechen

5:14 min, aus Kassensturz vom 24.5.2016

Für einen Besuch bei Verwandten suchte Richard Brüllhardt ein Hotel in Davos. Auf der Homepage von Hotelcard wurde er fündig: Für die Übernachtung im 4-Sternehotel Meierhof offerierte ihm Hotelcard den halben Preis. Das angeblich 376 Franken teure Zimmer kostete mit 50 Prozent noch 188 Franken.

Als Richard Brüllhardt zum Vergleich eine Offerte direkt beim Hotel einholte, staunte er nicht schlecht: Das gleiche Zimmer wurde dort nicht für 376, sondern für 181 Franken angeboten. Statt 50%-Prozent günstiger war die Buchung mit Hotelcard also teurer!

«Ich bin mir veräppelt vorgekommen. Bei der SBB erhält man mit dem Halbtax 50 Prozent auf den Originalpreis. Das habe ich hier auch erwartet. So ist der Vergleich mit der SBB nicht gerechtfertigt», ärgert sich Brüllhardt.

Hotels macht besseres Angebot als Hotelcard

«Kassensturz» studiert die Angaben von Hotelcard und vergleicht sie mit den Angaben der Hotels. Eine Stichprobe mit 15 Anfragen bei Hotelcard und den Hotels direkt zeigt: Die Hälfte der angeblichen 50%-Angebote sind keine. Die Vergünstigungen liegen in Wirklichkeit zwischen 23 und 40 Prozent.

Nachgefragt bei Hotelcard sieht Firmeninhaber Ivan Schmid den Davoser Hotelier in der Pflicht: «In diesem Fall hat bestimmt das Hotel vergessen, den Preis zu aktualisieren. Wir überprüfen die Angaben der Hotels jeden Monat und melden uns bei den Hoteliers, wenn wir solche Unstimmigkeiten finden.» Zudem hätten die Mitarbeiter von Hotelcard in den letzten Tagen mehrere Hotels von ihrer Plattform gelöscht, die wiederholt ihre Angaben nicht aufdatiert hätten.

Ein Geschenk, das 100 Franken kostet

Auch Lisa Rohrer ist mit dem Angebot von Hotelcard unzufrieden. Vor gut einem Jahr hatte sie die Karte geschenkt bekommen. Für sie hat das Angebot aber nie gepasst. Kein Wunder: Häufig sind die Zimmer am Wochenende nicht verfügbar.

Lisa Rohrer Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Lisa Rohrer. SRF

Obwohl sie das Angebot nie nutzte, erhält Lisa Rohrer ein Jahr später eine Rechnung für ein weiteres Jahr Hotelcard. Tatsächlich hatte Lisa Rohrer ein Abo geschenkt bekommen: «In meiner Freude über den Gutschein habe ich das Kleingedruckte auf der Rückseite nicht angeschaut. Das war ein Fehler. Aber ich finde, es sollte klarer kommuniziert werden, dass die Hotelcard ein Abo ist. So beschleicht mich das Gefühl, die Hotelcard setze gezielt darauf, dass die Leute nicht wissen, worauf sie sich einlassen.»

Hotelcard sieht Verbesserungspotential

Die meisten Kunden von Hotelcard wünschten sich ein Abo, ist Ivan Schmid überzeugt. Er räumt aber ein, dass man bei der Beschriftung der Homepage Handlungsbedarf sehe: «Wir haben nach den Hinweisen von 'Kassensturz' unsere Homepage angepasst, auf der Titelseite wie auch beim Bestellprozess steht jetzt ‚Hotelcard-Abo‘.»

Richard Brüllhardt bleibt skeptisch: «Die 50%-Aussage ist von mir aus gesehen falsch.» Und für Lisa Rohrer ist klar: Die Hotelcard verspricht zwar erholsame Nächte, kostet aber viele Nerven.

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