Alkoholmessgeräte im Test: Ernüchternde Resultate

Passend zur apéroreichen Weihnachtszeit hat der Touring Club Schweiz TCS Alkoholmessgeräte getestet. Das ernüchternde Resultat: Vier von acht Geräten, die der «Kassensturz» ins Rennen schickte, weichen vom wahren Alkoholpegel zu stark ab.

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Alkohol-Messgeräte im Test: Ernüchternde Resultate

8:09 min, aus Kassensturz vom 13.12.2016
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Testtabelle

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«Wer trinkt, fährt nicht, wer fährt trinkt nicht.» So lautet die Fausregel. Wer sich nach einem Gläschen trotzdem hinters Steuer setzen will, der kann den Alkoholgehalt in seinem Blut mit einem Gerät für den Privatgebrauch testen. «Für jemanden, der sich entscheidet, trotz Alkoholkonsum zu fahren, aber unsicher ist, ob der gesetzliche Grenzwert von 0,5 Promille ausgereizt ist, kann ein solches Gerät sinnvoll sein», sagt TCS-Testleiter Olivier Caspar. Doch es ist Vorsicht geboten, denn vier von acht Geräten wiesen im Test grosse Abweichungen zum Referenzwert aus der Blutprobe auf.

Von den acht Testkandidaten sind zwei Einwegprodukte. Sie funktionieren mittels Pulver oder Flüssigkeit und reagieren chemisch mit der Atemluft. Kostenpunkt: knapp 5 Franken. Sechs Geräte funktionieren elektronisch und bewegen sich preislich zwischen 40 Franken und 400 Franken.

Einwegprodukte unzuverlässig

Wenig verlässlich waren die chemischen Wegwerf-Messgeräte: Das ACE-System mit dem Prüfröhrchen versagte in ¾ aller Proben und erhielt ein «Ungenügend». Der Hersteller schreibt «Kassensturz», diese Teströhrchen würden nur der groben Orientierung dienen und seien nicht so präzise wie andere Messgeräte.

Der Blas-Sack von Thiémard lieferte nur bei rund der Hälfte der Proben richtige Resultate. Das günstigste Produkt im Test zeigte meist zu viel Alkohol an, was für die Verkehrssicherheit weniger Risiko bedeutet. Deshalb immerhin ein «Genügend».

Ungenau und teuer

Der Renkforce TFT ist mit knapp 230 Franken das zweit-teuerste Gerät im Test. Es versagte bei jeder Messung, ein «Ungenügend» ist die Folge. Die Firma Conrad, die dieses Gerät als Eigenmarke anbot, hat es mittlerweile aus dem Sortiment genommen.

Der Alkoholtester BACTrack Vio zeigte sehr grosse Abweichungen und erhielt ebenfalls eine ungenügende Schlussbewertung. Der Hersteller schreibt «Kassensturz», da das Gerät jeweils höhere Werte anzeige, bestehe kein Risiko.

Probleme machte der AL2600 von ACE: Er hat kein Blasröhrchen. Die Messungen versagten in ¾ aller Fälle. Deshalb auch für diesen Kandidaten ein «Ungenügend». Hier teilt der Hersteller mit, dass dieses Produkt nicht weiter produziert werde, da seine Messmethodik zu ungenau sei.

Zweit gute Resultate

Der Alkoholtester II+ von ACE gehört mit 189 Franken preislich ins Mittelfeld. Seine Messgenauigkeit ist gut. Das beste Preis-Leistungsverhältnis bot aber das Modell AFM-5, ebenfalls von ACE. Dieses Gerät misst genau. Beide Kandidaten erhielten die Schlussbewertung «Gut».

Rascher, schmerzloser, günstiger

Seit zwei Monaten misst die Polizei die allfällige Alkoholkonzentration von Autofahrern in der Atemluft, nicht mehr im Blut. Die Messeinheit ändert von Promille in Milligramm pro Liter Atemluft. 0,5 Promille entsprechen neu 0,25 mg/l. Die neuen Zahlen haben keinen Einfluss auf die Regeln im Umgang mit Alkohol am Steuer. Auch die Konsequenzen bleiben dieselben.

Allerdings liegt das Resultat einer Messung schneller vor als bei einer Blutprobe. Im Normalfall ist auch keine Blutprobe mehr nötig – das Ansetzen einer Nadel entfällt. Und zu guter Letzt: Die Atem-Alkohol-Probe ist günstiger – teure Laboruntersuchungen entfallen.

So wurde getestet:

Neun Probanden tranken kontrolliert Alkohol. Dabei wurde die Menge dem Körpergewicht angepasst.
Zwei Messungen fanden statt: die erste Runde mit einem angestrebten Alkoholwert von 0,4 Promille. In der zweiten Runde wurde Alkohol für 0,8 Promille abgegeben.
Jeder Proband testete 20 Minuten nach dem jeweiligen Alkoholkonsum alle Geräte.
Sofort nach dem Gerätetest erfolgte eine Blutprobe. Der Alkoholgehalt im Blut diente als Referenz- und Vergleichswert.

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