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«Als Grufti id Stifti» Vom Metallbauschlosser zum Krankenpfleger

«Hätte ich doch schon damals diese Lehre gemacht», denkt sich der 51-jährige Renato Ugolini während seiner Lehre zum Fachmann Gesundheit immer wieder einmal. In diesem Sommer wird der frühere Metallbauschlosser seine Lehre beenden. Und er ist glücklich, endlich beruflich angekommen zu sein.

Steckbrief

Name:
Renato Ugolini
Alter:51
Ursprünglicher Beruf:
Metallbauschlosser
Lehre als:
Fachmann Gesundheit
Lehrbeginn:2014 (Verkürzte Lehre als Erwachsener, Einstieg im 3. von 6 Semestern.)
Lehrbetrieb:Alterszentrum Weierbach 8193 Eglisau
Grösste Herausforderung:Als Lehrling gesehen zu werden.
Fazit:
Ein schwerer Schritt, der mich jedoch unglaublich erfüllt hat.
Tipp: Es wirklich wollen.
Audio
«Als Grufti id Stifti»: Vom Metallbauschlosser zum Krankenpfleger
07:57 min, aus Espresso vom 05.02.2016.
abspielen. Laufzeit 07:57 Minuten.

Der dreifache Familienvater war vor rund vier Jahren in einer tiefen Lebenskrise. Seinen Job im Qualitätsmanagement und in der Arbeitsvorbereitung eines Industriebetriebs hatte er verloren. Diesen Beruf hatte er rund neun Jahre lang gemacht, zuvor war er Metallbauschlosser. Und nun, wie weiter? Das war die grosse Frage.

Erinnerungen an den Samariterkurs

Bei der Berufsberatung versuchte Renato Ugolini herauszufinden, was ihm denn eigentlich Spass machen würde und er erinnerte sich, wie er als ganz junger Mann einst den Samariterkurs absolviert und sogar in einem Spital geschnuppert hatte.

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«Espresso» porträtiert jeden Freitag über 40 Jahre alte Hörer, die beruflich nochmals ganz vorn begonnen haben – mit einer Lehre. Mehr

Also etwas in diese Richtung? Kurze Zeit später bekam er eine Chance: «Durch eine Bekannte im Alterszentrum Weierbach in Eglisau bekam ich die Möglichkeit, einen Schnuppertag zu machen. Und das gefiel mir so gut, dass ich mich entschied, den SRK-Pflegehelferkurs zu machen.»

Es folgte ein Job als Pflegehelfer in eben diesem Alterszentrum. Und schliesslich der Entscheid, die Lehre als Fachmann Gesundheit machen zu wollen.

«Wir sehen nur Vorteile im gereiften Alter»

Die Ausbildungsverantwortlichen im Alterszentrum Weierbach wollten den Pflegehelfer in seinen Plänen unterstützen und schufen extra eine dritte Lehrstelle, damit er die Ausbildung bei ihnen im 2014 beginnen konnte.

Auch die äusseren Umstände kamen ihm entgegen: Renato Ugolini darf die dreijährige Lehre aufgrund seiner langen Berufserfahrung in zwei Jahren absolvieren und seine Stelle als Pflegehelfer behalten. Auf diese Weise kann der Familienvater zusammen mit seiner berufstätigen Frau die Finanzen einigermassen stemmen.

«Wir schätzen Renato gerade wegen seines Alters sehr im Haus», sagt seine Lernbegleiterin, Barbara Fehlmann. «Gerade in Krisensituationen, wenn es einem Bewohner nicht gut geht, braucht es bei Renato sehr viel, bis er überfordert ist und er unsere Hilfe holen muss. Junge Lehrlinge, welche diese Lebenserfahrung nicht haben, stossen da viel schneller an ihre Grenzen.»

Finanzierungs-Tipps

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Finanzierungs-Tipps

«Espresso» hat mit Berufsberater Can Alaca gesprochen und gefragt, wie ü40-Lehrlinge ihren Traum finanzieren können. Mehr

Und sie beobachte, dass sich Bewohner dem 51-jährigen Lehrling viel mehr anvertrauten als den jungen Lehrlingen.

Start in der Schule ging in die Hose

Renato Ugolini berichtet aber auch von Schwierigkeiten in seiner Lehrzeit. Plötzlich stand er in einer Klasse mit vorwiegend Frauen, alle um die 17 Jahre alt, die alle seine Töchter hätten sein können.

Er kam in einen Klassenverband, der bereits seit einem Jahr bestanden hatte und wurde sehr misstrauisch empfangen: «Da kommt ein 50-Jähriger daher. Was will der Opa da?» Bis zur Akzeptanz habe es lange gebraucht. Unterdessen hätten sie sich aneinander gewöhnt. Trotzdem sei er froh, dass im April der erste Teil der Lehrabschlussprüfung ist.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von friedrich kästl , braunstraße 9 D 87700 memmingen
    Ich freue mich sehr darüber das es mutige Unternehmen gibt die den " Gruftis" eine Perspektive geben. Für den Senior ist es wichtig eine tagtägliche Erfüllung zu erfahren. Wichtig ist das seine ( Familie) Existenz gesichert ist.
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  • Kommentar von P. Sutter , Bern
    In der Pflege braucht es mehr Quereinsteiger, gratuliere Herr Ugolini. Zum Titel: Ein Fachmann Gesundheit ist noch kein Pflegefachmann.
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    1. Antwort von Renato Ugolini , Bülach
      Danke an alle Kommentare. Herr Sutter, sie haben natürlich recht, ich mache die Lehre als FaGe, nicht als HF. Das Radioteam hab ich informiert. vielleicht ein Omen für die Zukunft, denn eines weis ich, ich möchte weiterhin mehr Erfahrungen und Kompetenzen in diesem tollen Beruf gewinnen.
  • Kommentar von Philippe Müller , St. Gallen
    Ein sehr schöner Bericht, der aufzeigt das man auch im "Hohen" Alter noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Die IV und ähnliche Institutionen sollten vermehrt solche Wege einschlagen um Menschen in einer Lebenskrise zu Unterstützen und motivieren. So könnte ein Haufen Geld gespart werden. Man muss es einfach wollen. Hut ab vor Renato Ugolini, es braucht sehr viel Mut und die Unterstützung der Familie um mit 50ig nochmals eine Lehre zu Absolvieren. Bravo :-)
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