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Kassensturz-Tests Ameisenköder im Test: Einige Produkte taugen wenig

Legende: Video Gegen das grosse Krabbeln: Ameisenfallen im Test abspielen. Laufzeit 9:26 Minuten.
Aus Kassensturz vom 22.05.2018.

Das wichtigste in Kürze

  • «Kassensturz» lässt im Labor die neun meistverkauften Ameisenköder testen.
  • Vier Produkte sind ungenügend: Auch nach 28 Tagen krabbeln noch immer Ameisen herum.
  • Vier Produkte schneiden sehr gut ab: Sie befreien Haus und Garten binnen einer Woche.
  • Im Test auch Backpulver: Das Hausmittelchen fällt durch.

Das Labor Biogenius in Bergisch-Gladbach bei Köln ist auf die Prüfung von Produkten zur Insektenbekämpfung spezialisiert. Im Auftrag von «Kassensturz» und «K-Tipp» hat es neun der meistverkauften Ameisenköder aus Drogerie- und Detailhandel getestet.

Die geprüften Köderprodukte arbeiten alle nach demselben Prinzip, erklärt Ressortleiter Biologie Karl-Heinz Lüpkes: «Ameisen nehmen das Produkt auf, tragen es in das Nest und füttern es dort an die anderen Ameisen. Dadurch wird das Nest abgetötet.»

Ameisen sind sehr wählerisch.
Autor: Karl-Heinz LüpkesBiologe im Labor Biogenius

1500 Ameisen im Einsatz

Aus der laboreigenen Ameisenzucht zählt Karl-Heinz Lüpkes für jedes Produkt 50 Arbeiterinnen heraus und entlässt sie in eine Versuchsbox. Ein wenig Erde unter einem Kartonbecher dient den Tieren darin als Unterschlupf. Die Box ist zudem mit wassergetränktem Stoff und Zuckerwürfeln zur Nahrung ausgestattet.

Dann kommt ein Ameisenköderhinzu. Jedes Produkt wird exakt nach Anleitung der Hersteller angewendet. Das Labor testet jedes Insektizid im Dreifachverfahren. Das heisst: jedes Produkt wird parallel in drei verschiedenen Ameisenboxen geprüft. Total stehen damit 30 Boxen mit 1500 Ameisen im Einsatz.

Lockstoff sehr wichtig

«Die neun geprüften Köderprodukte enthalten insgesamt fünf verschiedene Wirkstoffe», hält Karl-Heinz Lüpkes fest. «Es fällt auf, dass vier Produkte den Wirkstoff Spinosad enthalten. Spinosad ist bekannt als gut wirksam gegen Ameisen», so der Insektizid-Experte.

Neben dem Wirkstoff sei aber auch die Wahl des richtigen Lockstoffes wichtig, denn die fleissigen Arbeiterinnen müssen erst dazu gebracht werden, das Gift aufzunehmen. Das ist gar nicht so einfach, denn: «Ameisen sind sehr wählerisch», so Lüpkes.

Testtabelle

Testtabelle

Hier geht's zu den detaillierten Testresultaten.

Der Versuch dauerte 28 Tage. Einmal pro Woche kontrollierte der Fachmann die Boxen. Lüpkes jeweils im Versuchsprotokoll, wie viele Ameisen der Wirkung der Insektizide erlegen sind.

Zum Teil die falschen Wirkstoffe

«Ungenügend» im Test sind die Ameisenköder von «Gesal» mit dem Wirkstoff Spinosad und «Neocid Expert» mit dem Wirkstoff Phenothrin: Nach den 28 Tagen waren in zwei von drei Versuchsboxen nicht alle Ameisen tot. Note 3. Ebenfalls ungenügend sind der Ameisenköder «Finito» und das Migros-Produkt «Optimum».

Die Hersteller der vier «ungenügenden» Produkte schreiben «Kassensturz», eigene Tests würden bessere Werte ergeben,die schlechten Resultate seien nicht nachvollziehbar. Insektizid-Experte Karl-Heinz Lüpkes kontert: «Einige Anbieter nutzen Wirkstoffe, die besonders gut gegen Ameisen wirken, andere eventuell Wirkstoffe, die gegen Ameisen nicht ganz so gut wirken, dafür aber gegen andere Insekten besser wirken könnten, zum Beispiel fliegende Insekten.»

Wie schonend sind «Bio»-Köder?

Zwei Produkte im Test loben sich mit «Bio» oder «Oeco» aus. Der Wirkstoff ist deswegen aber nicht etwa schonend zu den Ameisen: Migros und Coop begründen den grünen Anstrich gegenüber «Kassensturz» mit dem Wirkstoff Spinosad, der als Insektizid im Bio-Landbau zugelassen ist.

Gut mit Note 5 schneidet im Test der Ameisenköder «Capito» aus der Landi ab, mit dem Wirkstoff Acetamiprid: Nach 21 Tagen sind alle Ameisen tot. Noch besser und damit die Bewertung «sehr gut» für die Köder «Matil» von Maag und «Bio-Control» von Migros: Sie benötigen nur 14 Tage für ein 100-prozentiges Ergebnis. Note 5,5.

Die Sieger: «Oecoplan» und «Loxiran»

Am schnellsten wirken «Oecoplan» von Coop und «Loxiran» von Neudorff: Sie befreien Haus und Garten schon nach 7 Tagen von allen Ameisen: Note 6.

Für «Kassensturz» testet das Labor neben den Insektiziden erstmals auch ein Hausmittelchen: Backpulver gemischt mit Zucker. «Backpulver hört sich nett an, aber letztendlich sterben auch daran die Tiere», stellt Fachmann Karl-Heinz Lüpkes klar: «Sie blähen auf und gehen dadurch ein.» Die Ameisen zeigen im Test aber kein grosses Interesse am Backpulver-Zucker-Gemisch: Auch nach 28 Tagen krabbeln 60 Prozent der Ameisen fröhlich in den Versuchsboxen herum. Note 2.

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