Antimücken-Sprays im Test: Nur 3 von 10 schützen gut

Mücken können den schönsten Sommerabend verderben und schlaflose Nächte bereiten. Im Tropeninstitut lassen sich Versuchspersonen für «Kassensturz» mehrere hundert Mal stechen: Welcher Antimücken-Spray schützt am besten? So viel sei schon verraten: Einige Mittel sind völlig wirkungslos.

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Antimücken-Sprays im Test: Nur 3 von 10 schützen gut

8:42 min, aus Kassensturz vom 24.5.2016

«Kassensturz» und Saldo haben die Wirkung von 10 Anti-Mücken-Sprays getestet, im international renommierten Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institute (Swiss TPH) in Basel. Die Preisspanne von 4.95 bis 21.75 Franken ist gross. Die Unterschiede in der Wirksamkeit sind es auch.

1. Die besten Anti-Mückensprays

Zwei Sprays schneiden im Test mit «sehr gut» ab. Der Testsieger Anti-Brumm Forte und der Zweitplatzierte Anti-Insect Forte von Migros. Beide enthalten 30 Prozent des aggressiven, aber wirkungsvollen Wirkstoffs DEET und hielten die Mücken unter den strengen Testbedingungen während fünf Stunden fern.

Der deutlich günstigere Zweitplatzierte enthält zusätzlich 10 Prozent des pflanzenbasierten Wirkstoffs PMD. Punkteabzug erhält er, weil der Hersteller auf der Packung einen deutlich längeren Schutz vor Mücken auslobt. Mit der Gesamtbewertung «gut» schneidet der «Kik Activ Mückenschutz» ab, der die Mücken im Test während dreieinhalb Stunden fern hielt.

2. Die schlechtesten Sprays

Keine Wirkung im Test zeigte der «Colibri Anti-Mücken Body-Spray» mit 0,45 Prozent Lavendelöl-Extrakt, das in Indien hergestellt wird. Die Mücken stachen von Anfang an munter zu, als die Probanden den eingesprayten Arm in den Testkäfig hielten.

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Alles gegen Mücken

Alles gegen Mücken

Mückenexperte Pie Müller bewertet verschiedene weitere Massnahmen gegen Mücken

Der Hersteller schreibt «Kassensturz», die Zeit des Schutzes von ca. 2 Stunden werde «in der Praxis im Alltag, in Asien sowie Europa» von vielen ihm bekannten Benutzern, unter anderem Kleinkinder, weitgehend bestätigt. Er wolle den Wirkstoff für eine nächste Produktion erhöhen.

Ungenügend schnitten auch Anti-Brumm Naturel mit dem natürlichen Citriodiol und Autan Protection Plus mit dem Wirkstoff Icaridin ab; sowie der Noskito Mückenschutzspray Vapo mit 10 Prozent des pflanzenbasierten Wirkstoffs PMD (siehe Resultate-Tabelle). Der Hersteller empfiehlt auf der Packung, pro 250cm2 Körper-Oberfläche rund 1 ml Schutzmittel aufzutragen. Das ist mehr als die doppelte Menge, die in Tests nach WHO-Standards zum Einsatz kommt.

3. Unterschiedliche Wirkstoffe

DEET ist der am besten erforschte und wirkungsvollste Wirkstoff zur Mückenabwehr. Sein Nachteil: Er ist sehr aggressiv, greift beispielsweise Kunststoff an und kann zu Hautreizungen führen. Er wird synthetisch hergestellt.

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Icaridin ist ebenfalls ein synthetisches Repellent, das als etwas besser verträglich gilt und Kunststoffe nicht angreift.

PMD stammt ursprünglich aus der Zitroneneucalyptus Pflanze und gilt unter den pflanzlichen Repellents als das Wirkungsvollste. Inzwischen wird das p-Menthane-3,8-diol auch häufig chemisch synthetisiert.

Citriodiol ist ein natürlicher Wirkstoff, der aus einem Extrakt des Zitroneneucalyptus hergestellt wird. Ein Inhaltsstoff ist PMD

Lavendelölextrakt stammt aus dem ätherischen Öl der Lavendelpflanze, dem unter vielen anderen Eigenschaften auch eine Insekten vertreibende Wirkung zugeschrieben wird.

Laut Testleiter Pie Müller vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut ist nicht bei allen Wirkstoffen nachgewiesen, wie sie wirken. Bei DEET wisse man, dass es den Geruchssinn blockiere, sodass die Stechmücken den Menschen nicht mehr riechen. Je nach Konzentration würden sie abgeschreckt.

4. Schutz individuell anpassen

Testleiter Pie Müller vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut empfiehlt, den Mückenschutz individuell anzupassen. Für einen Aufenthalt im Freien in der Schweiz reiche ein leichterer Schutz durchaus. «Wenn man jedoch in die Tropen geht, wo man wirklich an Malaria, Zika oder anderen Krankheiten erkranken könnte, dann sollte man zu einem stärkeren Schutz greifen.»

5. So wurde getestet

mücken am arm Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Testkriterium war: Wie lange blieben die Mücken dem eingespraytem Arm fern. SRF

Im Schweizerischen Tropen- und Public-Health Institut Swiss TPH in Basel liessen «Kassensturz» und Saldo die 10 Anti-Mücken-Sprays nach WHO Standard testen. In den Testkäfigen befanden sich jeweils 200 weibliche Stechmücken der Gelbfiebermücke Aedes aegypti, 5 - 10 Tage alt, im Swiss TPH gezüchtet.

Fünf Probanden testeten jeweils alle 10 Produkte.

Testablauf: Durch Ausmessen des Unterarms berechnete der Testleiter die anzuwendende Menge Anti-Mücken-Mittel nach WHO-Standard (1ml/600cm2). Während maximal 8 Stunden hielten die Probanden alle 30 Minuten drei Minuten lang den behandelten Unterarm in den Testkäfig. Die Zeit bis zum ersten und zweiten Stich notierte der Testleiter. Aufgrund der aufgezeichneten Daten berechnete er für jedes Produkt die absolute sowie die 95 Prozent Schutzdauer.

Stellungnahmen

Colibri: «...von vielen uns bekannten Benutzern, unter anderem Kleinkinder, wurde die Zeit des Schutzes von ca. 2 Stunden weitgehend bestätigt – und dies aus der Praxis im Alltag, in Südost Asien sowie in Europa…».

Autan Protection Plus: «Tests durch eine Drittpartei in Europa bestätigten, dass Autan Protecion Plus bei einer Anwendung gemäss Anweisung, für die auf dem Etikett angegebenen Dauer wirksamen Schutz bei der Abwehr von Mücken bietet.»

Noskito: «Noskito sei wirksam und sicher bei der auf der Packung empfohlenen Aufbringungsmenge von 6 - 7 Sprühstössen für 250cm2 pro 1ml.»

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