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Umwelt und Verkehr Ausland-Bussen: Zahlen oder sich drücken?

Zu schnell gefahren oder die Parkzeit überschritten: In einem fremden Land erwischt es manchmal sogar ganz gewissenhafte Autofahrer. Muss man die Busse bezahlen? Selbstverständlich. Doch aufgepasst: Wenn die Rechnung von einem Inkassobüro kommt, dann muss man genau hinschauen.

Polizist
Legende: Ein Polizist in Grossbritannien beim Bussen-Schreiben. Keystone

Ein Polizist steht am Strassenrand und winkt das Fahrzeug zur Seite. Er bedeutet dem Fahrer auszusteigen. Der türkische Polizist kritzelt Zahlen auf ein Papier. «110» schreibt er, sagt dazu die einzigen beiden englischen Wörter, die er kennt: «No Problem!». Das ist wohl die Höchstgeschwindigkeit. Nun schreibt die Hand «126», dazu sagt der Mann bedeutungsschwer «Problem!». Zu schnell gefahren.

Bar zahlen oft günstiger

Das ist eine Situation, die vielen Ferienreisenden Herzklopfen verursacht. Besonders dann, wenn sie der Landessprache nicht mächtig sind. Im Fall des türkischen Polizisten bekommt der Täter eine Busse. Als er gleich bezahlen will, stellt sich heraus, dass die Busse bei Barzahlung deutlich tiefer ausfällt. Es sind nun 110 statt 150 Türkische Lira.

Je nach Land muss die Busse für einen Regelverstoss im Strassenverkehr auf der Stelle bezahlt werden. Wenn man gleich bezahlt, kann es wie im (wahren) Beispiel billiger kommen. Wer sich vor der Busse drücken will, bezahlt in dieser Situation nicht. Die Chance, ganz ungeschoren davonzukommen, ist gross. Das Gleiche gilt, wenn man im Nachhinein einen Bussenbescheid per Post bekommt.

Wer nicht zahlt, riskiert höhere Busse

Schweizer Behörden wie das Amt für Strassen (Astra) oder das Bundesamt für Polizei (Fedpol) raten, Bussen aus dem Ausland zu bezahlen. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil sie als Behörden nur die offiziellen Regeln vertreten können.

Das einzige Risiko besteht darin, auf einer Fahndungsliste zu landen. Roger Lerf, Experte für Strassenverkehrsrecht und Anwalt in Belp, gibt gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF1 denselben Tipp: «Bei einem späteren Aufenthalt im gleichen Land ist es möglich, dass man in einer Polizeikontrolle hängenbleibt.» Man gehe das Risiko ein, deutlich mehr zu bezahlen als nur die eigentliche Busse.

Aufgepasst bei dubiosen Rechnungen

Nicht bezahlen solle man aber per Post zugestellte Bussenbescheide, wenn kein offizielles, abgestempeltes Dokument beigelegt sei. «Bekommt man einfach eine Rechnung, sollte man sich schriftlich wehren und die fehlenden Unterlagen einfordern.» Das macht vor allem dann Sinn, wenn man nichts vom behaupteten Verstoss gegen die Verkehrsregeln weiss.

Einige europäische Gemeinden übertragen das Eintreiben von Bussen an Inkassobüros. Die Einforderung einer Busse durch ein ausländisches Inkassobüro ist aber gar nicht erlaubt.

Diese Rechnung braucht man zwar nicht zu bezahlen. Nur ist man bei einem späteren Besuch am «Ort der Tat» nicht davor gefeit, dass man zur Rechenschaft gezogen wird. Bei einer unbestrittenen Busse gibt Rechtsexperte Roger Lerf deshalb den Rat: «Nur den Bussenbetrag zahlen, nicht aber die Inkassogebühr.»

Haben Sie Erfahrungen mit Verkehrsbussen im Ausland gemacht? Schreiben Sie uns an die E-Mail-Adresse espresso@srf.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Ausnahme: Frankreich

Die Schweiz hat mit einigen Ländern ein Abkommen, das die Durchsetzung von Bussen regelt. Allerdings funktioniert das nur mit Frankreich. Die französischen Behörden erhalten von der Schweiz die Halterdaten und stellen die Bussen direkt zu. Wird sie nicht bezahlt, kann Frankreich von der Kantonspolizei verlangen, die Busse einzutreiben.

20 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Stalder, Deitingen
    Ende September 2014 habe ich zwei Schreiben zur Aufforderung Mountgebühren nachzuzahlen erhalten. Die Schreiben kommen von der Firma NiviCredit, Florenz. 1. Maut EUR 4,71 zu zahlender Gesamtbetrag EUR 9,21, Datum 05.10.13 2. Maut EUR 5,38 zu zahlender Gesamtbetrag EUR 14,18, Datum 05.10.13 Müssen die Gesamtbeträge Maut und Feststellungskosten bezahlt werden? Wir können nach einem Jahr rückwirkend nicht mehr sagen ob die geforderten Beträge eff ok sind!
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    1. Antwort von Isabella Pfenninger, Deitingen
      Hallo Jürg Haben Sie die Rechnung dann bezahlt? Habe auch eine komische Rechnung betreffend Parkieren ohne Ticket vom September 2014 jetzt im Juli 2015 bekommen (mit Feststellungsdatum April 2015!). Wir waren im September tatsächlich dort. Tönt für mich eher als Betrug. Grüsse Isabella
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  • Kommentar von Marc Heim, Lugano
    Wegen einem Sackmesser dass im Handgepaeck vergessen wurde, wurde ich an der Sicherheitskontrolle des Flughafen Los Angeles gestoppt. Diese kontrollierten dann auch wegen eventuelle nicht-bezahlte Bussen! Haette ich solche gehabt, waere die Situation sicher schlimmer geworden. Wenn jemand nochmals ins gleiche Land zurueck will in dem er eine Busse bekommen hat, ist ihm zu empfehlen diese zu bezahlen. Es sind ja meistens kleine Betraege, und das Risiko einer Verhaftung lohnt sich nicht.
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  • Kommentar von S. Zulauf, Chur
    Nach meiner Ferienreise nach Neuseeland habe ich von der dortigen Polizei eine Geschwindigkeitsbusse von 80 NZD erhalten.Im Brief wurden mir meine rechtlichen Möglichkeiten und allfällige Konsequenzen aufgezeigt.Ich konnte per Formular das Beweisfoto des Radars verlangen;als es gekommen war habe ich anstandslos bezahlt,da 1.ich auch möchte,dass Ausländer ihre Busse bei uns auch bezahlen und da 2.ansonsten ein internationaler Haftbefehl gedroht hätte.Ich wäre somit nicht mehr aus der CH gekommen.
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