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Kassensturz-Tests Bewährte Technik überzeugt – Fiebermesser im Praxistest

«Kassensturz» hat neun Fieberthermometer getestet. Beim Messen in der Praxis kann es zu grossen Abweichungen kommen. Am zuverlässigsten messen die altbewährten digitalen und günstigen Stabthermometer im Mund. Aber auch bei den Infrarot-Thermometern findet man gute Produkte.

Legende: Video Fiebermesser im Test: Auf einige ist kein Verlass abspielen. Laufzeit 08:31 Minuten.
Aus Kassensturz vom 30.01.2018.

Fiebermesser sind Medizinalprodukte und müssen gemäss Normen präzise messen. Erwartungsgemäss ergeben die «Kassensturz»-Tests im Labor kaum Abweichungen. Nur: Was nützt das, wenn die tatsächlichen Werte beim Messen weit danebenliegen?

Aus Erfahrung wissen viele Anwender, dass es besonders bei Infrarot-Fiebermessern zu groben Ausreissern kommen kann. Ob das am Gerät oder an der falschen Anwendung liegt, ist für die Anwender schwer zu eruieren – und letztlich auch gleichgültig.

Präzise Stabthermometer

Die Aussage von Prüfexperte Thomas Rosemann, Professor und Direktor des Instituts für Hausarztmedizin am Universitätsspital Zürich, bestätigt sich im «Kassensturz»-Praxistest: Am präzisesten schneiden die vier digitalen Stabthermometer bei der Mundmessung ab.

Die Abweichungen der Messungen an der gleichen Person sind sehr gering und im Labor komplett ohne Abweichung. Sie erreichen alle sehr gute Noten von 5,3 bis 5,6. Anders sieht es beim Messen unter dem Arm aus. Die Messresultate bei den gleichen Personen sind gross.

Die Hersteller weisen in ihren Gebrauchsanleitungen denn auch ausdrücklich darauf hin, dass unter dem Arm keine verlässlichen Messungen möglich sind. Zu sehr beeinflussen die Lage des Fiebermessers und weitere Faktoren wie Schweiss das Messresultat.

Ohrthermometer mit grossen Abweichungen

Bei der Ohrmessung stellten die Prüfenden mehr Abweichungen fest trotz aufeinanderfolgenden Messungen bei derselben Testperson: So zum Beispiel beim Duo Scan Thermoval von Hartmann: Im Praxistest ergaben die Messungen an der gleichen Person Unterschiede bis zu 2,6 Grad.

Auch im Labor erhielt das Gerät Abzüge wegen Messabweichungen – als einziges Produkt im Test. Der Duo Scan Thermoval von Hartmann erhält deshalb unter dem Strich nur Note 3,2. Hartmann schreibt «Kassensturz», dass die eigenen klinischen Studien sowohl bei der Anwendbarkeit als auch bei der Messgenauigkeit keine Probleme ergaben und die Einhaltung der Normen bestätigt wurden.

Viele Knöpfe irritieren

Ein besseres Resultat erzielt das Modell FT 70 von Beurer beim Messen am Ohr: Note 4,8. Die Genauigkeit war insgesamt überzeugender. Die vielen Knöpfe fanden die Probanden kompliziert und die Audio-Messangabe unnötig. Sie lässt sie sich immerhin abstellen. Laut Beurer ist diese Funktion für Patienten mit einer Sehbehinderung gedacht.

Am besten bei der Ohrmessung schneidet Thermoscan IRT 6020 von Braun mit Note 5,4 ab. Das Produkt überzeugte mit seiner Genauigkeit, bei der Handhabung und mit einer blitzschnellen Messung. Es handelt sich dabei um den einzigen reinen Ohrthermometer im «Kassensturz»-Praxistest. Die anderen beiden Ohrthermometer können die Temperatur auch an der Stirn messen.

Kontaktlos bei Kindern beliebt

Aus Patientensicht, vor allem bei den jüngsten «Patienten», kommen die kontaktlosen Stirnthermometer, die bei der Messung nicht mal die Haut berühren, am besten an. Sie bevorzugen Fiebermesser ohne Berührung. Doch die Stirnmessung ist äusseren Einflüssen ausgesetzt.

Fieberskala
Legende: Ab wann spricht man von Fieber? SRF/Puls

Stirn: Von «ungenügend» bis «gut»

Im «Kassensturz»-Praxistest hat sich vor allem bei einem Modell gezeigt, dass es grössere Abweichungen geben kann. Beim Beurer FT 70 ergaben aufeinanderfolgenden Messungen an derselben Person Abweichungen bis zu 1,4 Grad.

Bei der Stirnmessung erhielt das Gerät eine ungenügende Gesamtnote von 3,6. Bei der Ohrmessung erreicht der gleiche Fiebermesser aber ein «gutes» Gesamturteil. Beurer schreibt in einer Stellungnahme, dass man mit «Kassensturz»-Referenzwert nicht einverstanden sei.

Was ist Fieber?

Fieber ist ein natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers. Wenn das Fieber den Patienten sehr belastet, empfiehlt Thomas Rosemann, Direktor des Instituts für Hausarztmedizin am Universitätsspital Zürich ab einer Körpertemperatur von 39,5 Grad zu senken, zum Beispiel mit Wadenwickeln oder Medikamenten. Wichtig ist: viel trinken.

Genügend abgeschnitten hat mit Note 4,1 der reine Stirnthermometer Gentle Temp 720 von Omron, mit 65 Franken das teuerste Produkt im Test. Deutlich besser bei der Stirn der Ohr- und Stirnthermometer DuoScan von Thermoval Note 4,8. Am besten bei der Stirnmessung: der Stirnthermometer «No Touch NTF 3000» von Braun mit Note 5. Überzeugt haben die relativ konstante Messung und das schnelle Resultat.

Tipps bei der Anwendung

Anwendungshinweise immer beachten

Nicht jeder Messort ist gleich präzise. Sehr störanfällig sind die Temperaturen unter der Achsel und an der Stirn. Am genausten wäre die rektale und die orale Messung unter der Zunge bei geschlossenem Mund.
Rektale Messung Gilt als die präziseste Messung. Tipp: Spitze mit Vaseline bestreichen.
Messung im Ohr Im Ohr muss man – im Vergleich zur rektalen Messung – ein halbes Grad dazuzählen. Zudem muss man aufpassen, dass man das Trommelfell trifft. Nur da gibt es eine genaue Messung. Da das Ohr schief ist, muss man es nach hinten oben ziehen, sonst misst man den Gehörgang. Dort ist dann die gemessene Temperatur zu niedrig.
MundmessungBei geschlossenem Mund am Zungengrund, unter der Zunge. Diese Messung kommt der Körperkerntemperatur, um die es eigentlich geht, relativ nah. Der Patient soll kurz vor der Messung nichts trinken oder essen.
Messung unter der AchselIst wegen Schweiss und der Gefahr des Verrutschens sehr störanfällig. Die Spitze muss korrekt in der Achselhöhle platziert werden. Hier kann es dazu kommen, dass der Wert relativ weit vom tatsächlichen Körperwert liegt. Bei der Achselmessung sollte man im Vergleich zur rektalen Messung ein Grad dazuzählen.
Messung an der Stirn Unterliegt Einflüssen wie zum Beispiel der Raumtemperatur. Deshalb muss man sich mindestens 30 Minuten in einem Raum aufhalten, bevor die Messung erfolgt und die Gebrauchsanweisung beachten.


Quelle: Institut für Hausarztmedizin, Universitätsspital Zürich

So wurde getestet

Prüfende im Praxistest: Es testeten der Experte Professor Thomas Rosemann, Direktor des Instituts für Hausarztmedizin am Universitätsspital Zürich, und zwei Erwachsene. In der Rolle der Patienten waren zwei Kinder und die beiden Erwachsenen.
Produkte und Messorte im Praxistest: Vier digitale Stabthermometer im Mund und unter der Achsel. Fünf Infrarot-Thermometer an der Stirn oder im Ohr, zwei davon messen beides, Stirn und Ohr. Jedes Gerät mass an jeder Person sechs Mal nacheinander die Temperatur. Bewertet wurden die Abweichungen der Messungen an derselben Person sowie die Differenz zum ermittelten Medianwert im Praxistest.
Weitere Punkte im Praxistest: Die Prüfpersonen bewerten die Handhabung der Geräte, die Patientensicht und die Verständlichkeit der Bedienungsanleitungen.
Im Prüflabor Qualitech, Winterthur: werden die Abweichungen von fünf aufeinanderfolgenden Messungen im Labor zusätzlich geprüft. Im Wasserbad die Stabthermometer und die Infrarotthermometer am Schwarzstrahler, einem spezialisierten Gerät.
Alle Kriterien wurden mit Schulnoten von 1 bis 6 bewertet.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Thomas Bamberger (Bambi-Grenchen)
    Ich gratuliere zu diesem Fiebermessertest . Es bestätigt, dass die klassische Messung im Mund oder rectal die genauesten Ergebnisse liefert. Es fehlt leider die Prüfung der Messgenauigkeit bei erhöhter Temperatur und bei hohem Fieber, wo die Hauttemperatur oft immer weniger mit der Kerntemperatur des Körpers korreliert, was auch bei anderen Krankheitszuständen, z.B. Flüssigkeitsverlust auftreten kann. Dr. med. Thomas Bamberger, Kinderarzt FMH
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