Zum Inhalt springen

Header

Video
Aufstand der Biobauern gegen den Vorstand von Bio Suisse
Aus Kassensturz vom 06.04.2021.
abspielen
Inhalt

Trinkwasser-Initiative Biobauern kritisieren Vorstand von Bio Suisse

Viele Bio-Bauern finden, die Trinkwasserinitiative wäre gut für die Landwirtschaft. Nicht so der Bio-Suisse-Vorstand.

Karl Schefer ist ein Pionier des biologischen Weinbaus. Der Gründer und Inhaber des Weinversandhändlers Delinat hat schon in den 80er-Jahren strenge Anforderungen für seine Lieferanten in ganz Europa formuliert. Schefer kommt zu Ohren, der Vorstand von Bio Suisse sei gegen die Trinkwasserinitiative, er fragt er nach, ob das ein Scherz sei. Als er den Antwortbrief des Vorstandes in Händen hält, traut er seinen Augen nicht. Der Vorstand sagt Nein zur Trinkwasserinitiative, er befürchtet bei Annahme der Initiative eine massive Zunahme von Biobauern.

Ich finde diese Aussage einen Skandal. Das ist ein Verrat an der Bio-Idee von Bio.
Autor: Karl ScheferDelinat

Eine Zunahme von Biobetrieben soll eine Gefahr sein? Der Delinat-Chef: «Ich finde diese Aussage einen Skandal. Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Und es ist ein Verrat an der Bio-Idee von Bio. Und dies ausgerechnet vom Vorstand des Bio-Verbandes.» Dieser müsse vor allen andern zum Ziel haben, dass Bio zunimmt und nicht in einer Nische stecken bleibt mit einem Wachstum von ein, zwei Prozent pro Jahr.

Offenbar will der Vorstand nicht, dass Bio zum Standard wird.
Autor: Markus BucherBio-Bauer

Das Nein des Vorstandes von Bio Suisse zur Trinkwasserinitiative gibt auch andernorts zu denken. Etwa bei Biobauer Markus Bucher, der die Initiative unterstützt. Bucher sagt, der Brief der Bio-Suisse-Verantwortlichen sei eine Bankrotterklärung. «Offenbar will der Vorstand nicht, dass Bio zum Standard wird. In meinen Augen muss er das aber. Wir sehen ja, wohin uns die konventionelle Landwirtschaft geführt hat.» Biobauer Bucher, der auf seinem Betrieb in Grossaffoltern 30 Personen beschäftigt und unter dem Label Bio-Knospe unter anderem jährlich über 35 Tonnen Knoblauch produziert, wirft dem Vorstand vor, mit seinen Aussagen den Zielen zu widersprechen, die man im Biolandbau seit Jahren verfolge.

Begründung zur Nein-Parole: Viele Bio-Betriebve würden das Preisgefüge gefährden.

«Kassensturz» liegt ein weiteres, brisantes Dokument vor: das Schreiben des Vorstandes an die Delegierten von Bio Suisse zur Parolenfassung in Bezug auf die Trinkwasserinitiative. Darin nennt der Vorstand «drängende Probleme» – Umweltprobleme – unserer Zeit: Artensterben, Überdüngung, Pestizide, Klima. Die Landwirtschaft spiele dabei mit dem «ausgedehnten Einsatz von synthetischen Pestiziden und Kunstdüngern … eine wichtige Rolle». Der Vorstand führt aus, dass er die «politische Reaktion» auf diese Probleme als «ungenügend» erachtet. Trotzdem schlägt er zum Schluss die Nein-Parole vor. Begründung: Viele Grünlandbetrieb würden auf Bio umstellen und so das heutige «faire» Preisgefüge gefährden.

Edith Marbot, eine weitere Bio Bäuerin, die «Kassensturz» mit der Haltung der Bio-Suisse-Oberen konfrontiert, teilt die Bedenken des Vorstandes betreffend mehr Konkurrenz nicht. Es käme letztlich auf den Nettoertrag an, den die Bauern realisieren können. Sie betrachtet die Trinkwasserinitiative als Sprungbrett: «Wir werden alle ins kalte Wasser geworfen. Es kann uns durchschütteln. Die Preise können sinken. Aber wenn ich mir vorstelle, dass wir das Wasser aus der Quelle nicht mehr trinken können, dann schüttelt es uns alle richtig durch.»

Im Studio hat Bio-Suisse Präsident Urs Brändli Stellung genommen:

Video
Studiogespräch mit Urs Brändli, Präsident Bio Suisse
Aus Kassensturz vom 06.04.2021.
abspielen

Nachtrag zur Sendung:

Box aufklappenBox zuklappen

Die im Studioteil gezeigte Grafik ist missverständlich. Zum Punkt: «kein Import-Futter» gab es zahlreiche Rückmeldungen und Fragen. Tatsächlich entspricht die Aussage nicht dem Initiativtext, sondern der Intention der Initiantinnen und Initianten für die spätere Umsetzung der Initiative.

Im Initiativtext hingegen steht: Direktzahlungen gibt es für Bauern nur, wenn sie einen Tierbestand haben «der mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann.»

Kassensturz, 06.04.2021, 21:05 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

77 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Was geht wohl vor im Hirn von Bio Suisse-Präsidenten und Co betreffend Aussage: "gegen" lebensnotwendige Trinkwasser-Initiative zu stimmen??

    Ohne Wasser - KEIN Leben!
    Wasser fliesst überall hin! Vergiftetes Wasser fliesst logischerweise auch zu den Feldern der "Demeter und Bio-Bauern"...!
    NUR die ANNAHME der "Trinkwasser-Initiative", ist Lebensgrundlagen- und damit Leben erhaltend!!
    Unsinniger Egoismus ist daher fehlpplaziert!
    Die LW der CH, muss unbedingt nachhaltig öko-logisch werden!
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Ruedi Basler  (runner100)
    Wird Bio-Suisse am Nein festhalten werden sie für immer unglaubwürdig. Ebenso würden sie die unsägliche Päcklipolitik der rechtsbürgerlichen Mehrheit legimitieren.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Samuel Otti  (Samuel Otti)
    Leider gibt es bei SRF nur noch wenige, gute Journalisten. Die meisten Sendungen werden von eingebildeten Selbstdarstellern moderiert. In diesem System kann ein ehrlicher und seriöser Mann wie Brändli nur verlieren, denn seine Argumente will der Moderator gar nicht hören. Und all die Empörten und Besserwisser sind auf Junk-News geil. Wenn alle Befürworter der TWI ehrliche Menschen wären, wäre der Biokonsum nicht erst bei rund 10% der umgesetzten Lebensmittel.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten