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Das Geschäft mit dem Kirchenaustritt
Aus Espresso vom 29.04.2016.
abspielen. Laufzeit 06:03 Minuten.
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Familie und Freizeit Das Geschäft mit dem Kirchenaustritt

Jedes Jahr treten einige Tausend Menschen aus der Kirche aus. Verschiedene Internetportale haben dies als Geschäft entdeckt: Gegen eine Gebühr regeln sie den Kirchenaustritt. Allerdings kann man auch ohne Hilfe kostenlos aus der Kirche austreten.

Eine Hörerin des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1 regt sich auf, dass sie beim Internetportal austreten.ch 49 Franken für den Kirchenaustritt bezahlt hat. Nachträglich stellte sie fest, dass ein eingeschriebener Brief gereicht hätte. Sie findet es unredlich, dass solche Portale die Unwissenheit der Bevölkerung ausnützen würden.

«Eine Dienstleistung wie die Wohnungsreinigung»

Stefan Job, Betreiber der Seite austreten.ch, wehrt sich gegen diesen Vorwurf. Der Preis richte sich nach dem Aufwand der Dienstleistung. Seine Firma helfe den Leuten auch weiter, wenn eine Kirchengemeinde den Austritt verschleppe.

Zudem weise er in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf die kostenlose Möglichkeit des Kirchenaustritts hin: «Kirchenmitglieder können jedoch auch direkt ohne Kosten bei der Kirche selbständig vorstellig werden», stehe dort. Seit einigen Monaten betreibe er zudem auch ein kostenloses Hilfsportal für den Kirchenaustritt.

Auch der Betreiber des Portals kirchen-austritt.ch, Stefan Amrein, wehrt sich mit ähnlichen Argumenten gegen den Vorwurf der Abzockerei.

Er vergleicht sein Angebot mit anderen Dienstleistungen, die nicht zwingend seien: «Man kann seine Wohnung rein theoretisch auch selber putzen. Oder man kann eine Reinigungskraft anstellen. Das ist bei uns genau das Gleiche.» Aber eben: Es geht relativ einfach auch kostenlos.

Das ist wichtig für ein korrektes Kirchenaustritts-Schreiben:

  • Eingeschrieben versenden und Quittung aufbewahren.
  • Handschriftlich unterschreiben.
  • An die Kirchenpflege/-behörde adressieren, am besten an den Präsidenten, die Präsidentin.
  • Vollständiger Name, Geburtsdatum und Heimatort angeben.
  • Wenn bekannt, auch Taufdatum und Taufort angeben.
  • Bestätigungsschreiben und Information an die Einwohnerkontrolle verlangen.
  • Falls man kein Gespräch zum Austritt wünscht, dies auch so schreiben.
  • Eine Begründung ist nicht notwendig.

Besondere Regelungen:

  • SG: Die Unterschrift auf dem Austritts-Schreiben muss amtlich beglaubigt sein.
  • AI/AR: Je nach Kirchgemeinde ist diese Beglaubigung ebenfalls notwendig.
  • FR: Man erhält ein Formular, welches unterschrieben zurückgeschickt werden muss.
  • VS: Austritts-Schreiben an die Gemeinde richten, in der man getauft wurde.

Hat man nach circa zwei Monaten noch keine schriftliche Bestätigung des Kirchenaustritts erhalten, sollte man nachhaken. Je nachdem muss man die Einwohnerkontrolle mit dem Bestätigungsschreiben selber informieren. Das ist wichtig für die Kirchensteuer.

Es kann sich also lohnen, sich vor dem Austritt über alle Formalitäten zu informieren. Ebenso empfiehlt es sich, sich zu erkundigen, welche Rechte und Ansprüche man durch den Kirchenaustritt verliert. Antworten auf ein paar grunsätzliche Fragen finden Sie hier.

Service:

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Wer aus der Kirche austreten will, stellt sich die eine oder andere Frage. «Espresso» hat die Antworten für Sie zusammengestellt. Weiter

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Ignaz Kurtz , St. Gallen
    Espresso verschweigt in diesem Beitrag das wahre Problem. Dieses liegt bei den Kirchgemeinden, die sich oftmals sehr wenig kooperativ verhalten, wenn es um Kirchenaustritte geht. Teilweise wird mit fast allen Mitteln versucht den Austritt zu verhindern. Auch informieren Kirchgemeinden in den seltensten Fällen transparent über das Vorgehen bei einem Kirchenaustritt. Dieses Fehlverhalten der Kirchgemeinden ist der Hauptgrund weshalb sich Austrittswillige überhaupt an solche Dienstleister wenden.
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  • Kommentar von Mario Imholz , Bürglen UR
    In die Zeiten welche sich Europa begibt werdet ihr froh sein dass es noch gläubige Christen gibt. Ich werde der Kirche in keinem Fall den Rücken kehren und mich für die traditionelle und friedliche Kirche einsetzen. Ich bete für unser Land und die ganze Welt und ihr solltet dies besser auch tun.
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    1. Antwort von M.Schmid , Bern
      Sie können auch ohne Kirche beten. Nagut, hier spricht eben der Protestant - aber ich denke, als aufgeklärter Mensch sollte man einfach bei der Kirche bleiben, wenn man denn insgesamt damit einverstanden ist, wie diese im Moment die von einen bezahlten Gelder nutzt - falls das überhaupt auch nur annähernd klar ist. Ansonsten, wieso zahlen Sie denn die Kirche statt direkt diejenigen, welche die Bibel nennt? Z.B. Arme und Bedürftige?
    2. Antwort von Jonas Müller , Köniz
      Ich glaube an keinen Gott, weil ich keinen Grund sehe, warum ich das tun sollte. Also finde ich es legitim, wenn der Kirchenaustritt für viele Leute eine Option ist.
  • Kommentar von Markus von Arx , Zürich
    Tretet doch nur in Massen aus den Landeskirchen aus! Somit werden langfristig endlich die Freikirchen an die Stelle der Landeskirchen treten und ihre sozialen Aufgaben übernehmen! Freikirchen finanzieren sich heute schon selbst durch ihre aktiven Mitgliedern und brauchen keine passiven Mitgliedern, die treu Kirchensteuern bezahlen!
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    1. Antwort von Dieter Lohmann , Bern
      Am besten gar keine Kirchen. Es braucht keine Kirchen für die sozialen Aufgaben. Was die Finanzierung betrifft gebe ich Ihnen aber recht.