Das Optik- und Akustik-Unternehmen Misenso ist am Ende. Es hat Konkurs angemeldet. Die 18 Filialen in der Schweiz sind geschlossen. Erst im Sommer 2024 hatte die Migros das Unternehmen im Rahmen ihrer Restrukturierung an die österreichische Hörgerätekette Neuroth verkauft.
Diese begründete den Entscheid nun damit, dass Misenso nie rentabel gewesen sei. Von der Schliessung sind 140 Mitarbeitende betroffen.
«Springt vielleicht sogar die Migros ein – aus Goodwill?»
Beim SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» melden sich Kundinnen und Kunden von Misenso. Es geht dabei etwa um spezielle Kontaktlinsen, die bereits bezahlt, aber noch nicht geliefert wurden. Oder um laufende Serviceverträge. So möchte eine Hörgeräte-Kundin wissen: «Wo erhalte ich nun diese Serviceleistungen?»
Sie habe ihre Hörgeräte 2023 gekauft, als Misenso noch zur Migros gehörte: «Springt allenfalls sogar die Migros aus Goodwill ein?» Der Servicevertrag laufe noch bis 2028 und habe sie damals 600 Franken gekostet. Allerdings: Dass die Migros einspringt, ist unwahrscheinlich.
Sie schreibt auf Anfrage, seit dem Verkauf habe sie «keinen Einfluss mehr auf strategische Entscheidungen, die Geschäftsentwicklung oder das operative Geschäft der Misenso AG». Allfällige Ansprüche aus Serviceverträgen würden im Rahmen des Konkursverfahrens geklärt.
Besitzerin Neuroth verweist an Konkursamt
SRF wollte von Misenso-Besitzerin Neuroth wissen, ob sie in ihren Schweizer Filialen allenfalls gewisse Serviceleistungen übernimmt, beispielsweise aus laufenden Serviceverträgen. Neuroth schreibt dazu, die Misenso AG sei ein eigenständiges Unternehmen und der Konkurs «eine bedauerliche Entwicklung».
Für konkrete Kundenansprüche zu Waren und Bestellungen [...] müssen sich die Kundinnen und Kunden an das zuständige Konkursamt in Zürich wenden.
Man verstehe die Verunsicherung der Kundinnen und Kunden, schreibt Neuroth weiter. Allerdings: «Für konkrete Kundenansprüche zu Waren und Bestellungen und für sämtliche rechtliche und organisatorische Fragen müssen sich die Kundinnen und Kunden an das zuständige Konkursamt in Zürich wenden.»
Misenso AG – zuständiges Konkursamt
Im Zusammenhang mit Hörakustik könnten sich Misenso-Kundinnen und -Kunden an ein Neuroth-Hörcenter wenden für «wohlwollende, unkomplizierte, individuelle Lösungen».
Kundinnen und Kunden haben schlechte Karten
Allenfalls erhalten betroffene Kundinnen und Kunden noch einen gewissen Betrag aus dem Konkursverfahren, wobei die Chancen nicht gut stehen. Das zuständige Konkursamt prüft zunächst einerseits die noch verfügbaren Vermögenswerte der Firma (etwa Geld auf Firmenkonten oder Inventar in den Geschäftsräumen).
Zudem werden sämtliche Forderungen gegenüber der Firma zusammengetragen – dazu gehören auch Forderungen von Kundinnen und Kunden. Auch geprüft wird, ob das Konkursverfahren mit den finanziellen Mitteln aus der Konkursmasse bezahlt werden kann.
Sämtliche Geldforderungen werden anschliessend in sogenannte Rangklassen eingeteilt: Prioritär behandelt werden die Löhne der Angestellten sowie Beiträge an Sozialversicherungen. Forderungen von Kundinnen und Kunden fallen in die dritte Klasse. Die Chancen, dass für sie am Schluss noch etwas übrig bleibt, stehen in der Regel schlecht.
Zum Konkurs von Misenso kann sich die zuständige Mobile Equipe Konkurs des Zürcher Notariatsinspektorats noch nicht verbindlich äussern. Auf Anfrage von SRF heisst es, man prüfe «sinnvolle und realistische Lösungen». Zeitnah soll auf den Webseiten der Mobilen Equipe sowie von Misenso informiert werden.