Was ist passiert? Eine Reihe von Konkursen beschert der Solarbranche in letzter Zeit negative Schlagzeilen. Es betrifft Firmen wie Mons Solar, Viva Solar, Clean Energy, Prime Energie oder ganz aktuell Gama Photovoltaik. Leidtragende sind Kunden, die hohe Anzahlungen verlieren und mit einem unvollendeten Solarprojekt dastehen.
Ein aktuelles Beispiel: Ein Mann aus dem Kanton Schwyz erteilte im Herbst der Gama AG Photovoltaik einen Auftrag für eine Solaranlage. Ende Oktober leistete er eine Anzahlung von 21'000 Franken – die Hälfte des Gesamtpreises. Dieses Geld ist mit grosser Wahrscheinlichkeit verloren. Die Firma musste keine drei Monate nach der Zahlung Konkurs anmelden. Der Mann vermutet, dass die Verantwortlichen der Gama dies im Oktober bereits absehen konnten.
Wie reagiert die Firma? Der letzte Verwaltungsratspräsident der Gama weist den Vorwurf des Kunden in einer Stellungnahme gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» zurück: «Ende Oktober war für uns die Situation nicht aussichtslos.» Man sei nach einer Kapitalbeschaffung davon ausgegangen, «dass wir den Turnaround schaffen würden». Erst nach dem provisorischen Jahresabschluss habe man entschieden, die Bilanz zu deponieren.
Wie viele Kunden sind betroffen? Das Newsportal Rheintal 24 berichtet von 140 offenen Aufträgen bei der Gama Photovoltaik. Ob diese Zahl stimmt und wie viel Geld alle Betroffenen schon angezahlt haben, wollte der Verwaltungsratspräsident nicht sagen. «Über planerische und finanzielle Details der Firma geben wir keine Auskünfte.»
Wie schlimm steht es um die Solarbranche? David Stickelberger vom Branchenverband Swissolar sagt: Bei den Firmen im Konkurs nur von «schwarzen Schafen» zu sprechen, sei zu einfach. «Natürlich gibt es Einzelfälle, wo die Firmen problematisch aufgetreten sind, fragwürdige Geschäftspraktiken hatten.» Stickelberger spricht aber von einer «Marktbereinigung». Nach einem extremen Solarboom zwischen 2019 und 2024 normalisiere sich der Markt wieder. «Unternehmen, die schnell gewachsen sind, vielleicht auch zu aggressiv kalkuliert haben und operativ noch nicht perfekt aufgestellt sind, stehen nun eher unter Druck.»
Was fordert der Kunde? Der geschädigte Kunde verlangt, dass die Solarbranche künftig auf hohe Anzahlungen verzichtet. Ansonsten sollen die Solarfirmen die Kundengelder durch eine Bankbürgschaft absichern müssen. Für Swissolar ist ein Verzicht auf Anzahlungen der falsche Weg. Anzahlungen seien in vielen Handwerksbranchen üblich. «Gerade, wenn grössere Mengen Material bestellt werden müssen», sagt Stickelberger. Eine Bankgarantie könne punktuell eine Lösung sein. Eine generelle Pflicht würde aber kleinere und neuere Betriebe zu stark belasten.