Vielen sei das Abfallproblem mit Katzenstreu aus Ton nicht bewusst, sagt Matthias Muff. «Das ist nachvollziehbar: Es ist ein Alltagsgegenstand, man setzt sich wenig damit auseinander.» Im Laden nehme man oft das günstigste Produkt. Wenn es funktioniere, habe man keinen Grund, etwas zu ändern.
Entsorgung ist das Hauptproblem
Der 42-jährige Student hat mit zwei Studienkolleginnen der Berner Fachhochschule die Wertschöpfungskette von mineralischem Katzenstreu genauer angeschaut: Zuerst wird Bentonit in Minen gewonnen, etwa in Kanada, China oder in der Türkei. Dann wird der Ton getrocknet und zerkleinert. Beides verursacht hohe CO₂-Emissionen.
Anschliessend wird das Material über weite Strecken importiert, zum Beispiel in die Schweiz. Das Hauptproblem ist aber die Entsorgung: Bentonit ist nicht brennbar. Wird Katzenstreu aus Ton also über den Hausmüll entsorgt, bleibt es als Schlacke in den Kehrrichtverwertungsanlagen zurück und muss in Deponien gelagert werden.
Pro Jahr 100 Einfamilienhäuser voll mit Katzenstreu
Das Abfallproblem mag auf den ersten Blick lächerlich wirken, doch die Zahlen sprechen für sich: Rund 55'000 Tonnen mineralisches Katzenstreu pro Jahr werden laut der Vereinigung der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen in den KVA entsorgt.
«Das entspricht etwa 100 vollen Einfamilienhäusern», vergleicht Bettina Blatter die Menge. Zusammen mit Matthias Muff und Silke Roth studiert sie Umwelt- und Ressourcenmanagement an der Fachhochschule Bern. «Ein anderes Bild für die Menge sind 25 Olympia-Schwimmbecken oder 850 Güterwagen, die jedes Jahr voll werden und entsorgt werden müssen.»
Diese Menge Katzenstreu erzeugt gemäss Bundesamt für Umwelt Bafu etwa sieben Prozent der Abfallschlacke, die von den KVA in die Deponien gebracht wird. Das Problem: Diese sind in der Schweiz ziemlich voll. Besonders in der Romandie sind gemäss Bafu die Kapazitäten knapp. Es rechnet mit noch etwa zehn Jahren Laufzeit, je nach Standort auch mit weniger. Es braucht also neue Deponien.
Doch einfach sei das nicht, weiss Roger Müller. Er ist beim Bafu für Deponien zuständig. Häufig kämen solche Vorhaben vor Gericht: «Die Bevölkerung hat nicht gerne eine Deponie in der Nähe.» Darum sei es wichtig, weniger Material in die Deponien zu bringen.
Die Lösung: Pflanzliches Streu
Schon seit Jahren kann man mineralisches Katzenstreu leicht ersetzen: Pflanzliches Streu etwa aus Holzfasern oder Getreideresten verbrennt in der Kehrrichtverwertungsanlage und kann somit auch energetisch genutzt werden, etwa als Fernwärme.
Doch vielen ist dies nicht bewusst – oder sie wollen nicht umsteigen aus Angst, die Katze könne etwa aufs Sofa pinkeln. Verhaltenstierärztin Marianne Furler meint aber: «Katzen sind gar nicht so kompliziert beim Einstreu. Wichtiger ist das Drum und Dran.»
Bedenken haben manche vielleicht auch wegen der Handhabung: Herkömmliches Katzenstreu aus Ton saugt in der Regel gut auf oder bleibt nicht im Katzenfell hängen. Beim Pflanzlichen kann das anders sein. Aber mit etwas Geduld lässt sich ein passendes Produkt finden.
Preislich gesehen ist mineralisches Katzenstreu auf den ersten Blick häufig günstiger. Doch Matthias Muff von der Berner Fachhochschule relativiert: «Der Preis ist oft pro Kilo angegeben. Entscheidend ist aber das Volumen, also wie viel Einstreu man braucht. Da ist das pflanzliche unterm Strich günstiger.»