Steigen die Temperaturen auf über 30 Grad und kühlt es in der Nacht nicht ab, wird es in unseren Wohnräumen schnell stickig und heiss. Kein Wunder, dass Klimageräte seit der Hitzewelle im Juni Mangelware sind. Was also tun gegen die Hitze in den eigenen vier Wänden?
Auch ein Hausbesitzer aus dem Kanton Thurgau möchte es gerne kühler daheim. Nächstens muss bei ihm die Gasheizung ersetzt werden. Die Wahl fällt höchst wahrscheinlich auf eine Wärmepumpe.
Da der Mann weiss, dass solche Geräte auch kühlen können, fragt er das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso», ob es nicht möglich sei, diese Kühlleistung auch für eine Klimaanlage zu nutzen: «Wir haben einen Klimatechniker gefragt, aber der meinte, es gäbe keine entsprechende Möglichkeit.»
Kühlen ist nicht gleich Klimatisieren
Grundsätzlich seien Wärmepumpen zum Heizen da, sagt Aldo Buntschu. Er ist beim Branchenverband Gebäudeklima Schweiz (GKS) Vorsitzender der Fachgruppe Wärmepumpen. Mit sogenannt reversiblen Geräten könne man aber auch kühlen. Das Heizwasser werde dann mit Temperaturen um die 20 Grad durch die Bodenheizung gepumpt und der Boden so gekühlt. Die Raumtemperatur lasse sich so um drei bis vier Grad reduzieren.
Heiz- und Kühlsysteme im Überblick
Das Problem beim Klimatisieren sei nun aber: «Die Temperaturen sind viel tiefer. Das gesamte System muss darauf ausgelegt sein, sonst gibt’s Kondenswasser. Und das ist der Tod jeder Anlage.» Er warnt vor grossen Schäden entlang der sehr kalten Leitungen.
Wer tatsächlich mit einer Wärmepumpe klimatisieren wolle, müsse den Wärme- und Kältekreislauf komplett voneinander trennen: «Nötig ist beispielsweise ein neues Verteilsystem.» Schliesslich muss die Kälte in die Zimmer kommen. «Insbesondere in bestehenden Gebäuden ist das mit sehr hohen Kosten verbunden – aber es ist machbar.»
Theoretisch machbar, aber kaum sinnvoll
Nur weil etwas technisch grundsätzlich möglich ist, muss es nicht zwingend schlau sein: Separate Klimaanlagen – also unabhängig von der Wärmepumpe – seien wohl effizienter, so Fachmann Aldo Buntschu. Kommt hinzu: Läuft die Wärmepumpe auch im Sommer auf Hochtouren, um die tiefen Temperaturen der Klimaanlage zu erreichen, dürfte das ihre Laufzeit deutlich reduzieren.
Klimaanlagen sind zudem an strenge Auflagen gekoppelt. Teilweise wird vorausgesetzt, dass sie mit erneuerbarer Energie betrieben werden und das Gebäude sehr gut isoliert ist. Es sind also allenfalls zusätzliche Investitionen nötig. Aus all diesen Gründen würde Aldo Buntschu eine solche Installation nicht empfehlen.
So geht Kühlen mit der Wärmepumpe
Wie erwähnt, lässt sich mit einer Wärmepumpe etwas gegen die Sommerhitze ausrichten. Besonders eignen sich dazu Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdsonde): Hier spricht man vom sogenannten Geo-Cooling. Dabei wird die konstante Kühle im Erdreich genutzt. Es muss lediglich die Umwälzpumpe laufen, die das gekühlte Heizwasser durch die Bodenheizung strömen lässt.
Kalte Füsse im Sommer
Aber auch reversible Luft-Wasser-Wärmepumpen können kühlen. Allerdings mit deutlich höherem Stromverbrauch. Und auch hier kann sich die Lebensdauer des Geräts reduzieren.