Falsch deklarierte Fische: Test zeigt Schlamperei

Goldbutt, Rotzunge oder Loup de mer: Oft bekommen die Kunden an der Fischtheke nicht den Fisch, den sie verlangen. Ein Test von «Kassensturz» mittels einer DNA-Analyse zeigt, dass Händler und Detaillisten bei der Deklaration schlampen. Fast ein Drittel der Meerfische war nicht korrekt bezeichnet.

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Falsch deklarierte Fische: Test zeigt Schlamperei

8:02 min, aus Kassensturz vom 27.4.2010

Fisch ist im Trend: Kein anderes Lebensmittel hat in den letzten 20 Jahren derart zugelegt wie der Fisch. Laut neusten Zahlen isst im Schnitt pro Jahr jeder Schweizer 8,5 Kilogramm Fisch und Krustentiere. Importanteil: 95 Prozent. «Kassensturz» kaufte in der ganzen Schweiz weisse Fischfilets. Bei diesen ist die Verwechslungsgefahr aufgrund von Aussehen oder Name gross. Von Auge lassen sich die Filets oft nicht unterscheiden. Doch ihr genetischer Code, die DNA, identifiziert klar jede Fischart.

Ernüchterndes Resultat

Für «Kassensturz» testete das kantonale Labor in Neuchâtel. Laborantin Francoise Fridez entnahm den Filets eine kleine Probe und analysierte die DNA. Damit prüfte das Labor, ob es sich um den deklarierten Fisch handelte. Das Resultat ist ernüchternd. Fast ein Drittel der untersuchten Fische entsprechen nicht der Deklaration. Schon bei früheren Kontrollen war die Beanstandungsquote des Labors hoch. Francoise Fridez: «Ich denke, dass die Geschäfte nicht genug acht geben bei der Deklaration, weil die Kunden die Fische auch nicht genau kennen.»

Besonders oft werden die normale Rotzunge und die echte Rotzunge verwechselt. Manor in Baden, Eurospar in Zürich, Jelmoli in Zürich und auch Migros M-Park in Basel haben die echte Rotzunge falsch deklariert. Migros-Pressesprecherin Monika Weibel: «Vermutlich ist eine Verwechslung passiert, weil diese Fische sich verblüffend ähnlich sehen.» Sonst würden die Fische korrekt deklariert. Die echte Rotzunge sei schliesslich bedeutend teurer als die normale Rotzunge, ergänzt Monika Weibel. Auch Manor, Eurospar und Jelmoli sagen: Normalerweise seien die Fische korrekt deklariert.

Die Flunder von Inter-Fisch in Dozwil ist in Tat und Wahrheit ein Goldbutt. Interfisch sagt, die Leute würden den Namen Goldbutt nicht so kennen. Deshalb verkauften sie den Goldbutt als Flunder. Geschmacklich seien sie ähnlich. Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied: Der Bestand der Flunder ist nicht akut gefährdet, den Goldbutt hingegen sollten Konsumenten meiden, ausser er ist MSC-zertifiziert.

Fischführer beachten

Darum kritisiert WWF-Fischexpertin Mariann Breu den schlampigen Umgang mit Fischnamen: «Wenn die Deklaration nicht immer stimmt, kann der Konsument nie ganz sicher sein, dass das, was er will auch das ist, was er kauft.» Nur die wenigsten Fische empfiehlt der WWF in seinem Fischführer zum Kauf. Zum Beispiel ist die Rotzunge nicht empfehlenswert. Der Kauf der echten Rotzunge gilt hingegen als akzeptabel. Dennoch werden diese zwei Fische häufig falsch angeschrieben.

Auch beim edlen Saint-Pierre, lateinisch Zeus Faber, waren drei von vier Proben nicht konform. Nur Coop verkaufte den echten Zeus Faber. Dörig Frisch Fisch, Jelmoli und Globus verkauften einen Zeus-Faber-ähnlichen Fisch. Die Geschäfte klären mit ihren Lieferanten jetzt die genaue Fischart ab.

Im Test falsch deklariert waren auch die Loup-de-Mer-Filets von Globus. Globus schreibt, umgangssprachlich nenne man auch den Wolfsbarsch Loup de Mer. Globus werde aber künftig den richtigen Namen verwenden.