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Billigfliegerei Fliegen zum Spottpreis – Brauchts ein Flugverbot für Europaflüge?

Fliegen ist klimaschädlich. Fliegen kostet fast nichts. Ein deutscher Soziologe fordert: «Keine Flüge mehr unter 500 Kilometer.»

Legende: Audio Fliegen zum Spottpreis – Brauchts ein Flugverbot für Europaflüge? abspielen. Laufzeit 05:36 Minuten.
05:36 min, aus Espresso vom 25.09.2018.

«Es geht uns zu gut», sagt der deutsche Soziologe und Bestsellerautor Stephan Lessenich in seinem Buch «Neben uns die Sintflut». Lessenich schreibt über die Brutalität der westlichen Konsumgesellschaft und prangert Auswüchse an. Und er macht Denkanstösse, die Utopien gleichkommen, Konsumenten aber zum Nachdenken anregen sollen. So sollen Flüge auf bestimmten Routen verboten werden – mindestens alle Flüge unter 500 km Entfernung!

SRF: Wie erklären Sie sich, dass trotz immenser Klimaschädlichkeit geflogen wird wie noch nie?

Stephan Lessenich: Bei Verbrechen fragt der Kommissar klassischerweise nach «means, motives and opportunity». Nun: Die Gelegenheitsstruktur ist günstig – Fliegen ist aufgrund zahlreicher Subventionierungen sehr preiswert, die Reiselogistik hat sich mit der Vervielfältigung der Flughafenstandorte und der Digitalisierung radikal vereinfacht, zudem ist Fliegen praktisch klassenübergreifend zu einer ganz normalen Alltagserfahrung geworden.

Damit haben große Bevölkerungsmehrheiten also auch die Mittel an der Hand: Ausreichend Einkommen für wenigstens einen Billigflug und den sozialen Vergleich, dass es ja scheinbar jeder tut. Und die Motivation ist die soziale Teilhabe an der kulturell wie medial geradezu zum Bürgerrecht erklärten Errungenschaft des Fernreisens. Gegen all diese Faktoren steht dann das Wissen um die Klimaschädlichkeit des Fliegens – das aber durch eine Kombination von Verdrängen, Schönreden («Dafür fahre ich ja kaum Auto!») und Kleinreden («Fleischkonsum ist viel schlimmer fürs Klima!») ohne weiteres überdeckt werden kann.

Welche Handlungsmöglichkeiten sehen Sie? Was muss passieren?

Stephan Lessenich: Angesichts der skizzierten Lage hilft meines Erachtens nur eines: Etwas an der Gelegenheitsstruktur ändern. Fliegen muss massiv verteuert werden – im Sinne der wahren Kosten. Damit dann nicht nur die Reichen fliegen können, muss es ein nicht übertragbares und nicht handelbares Jahreskontingent an Flugmeilen geben – das ebenfalls für Geschäftsreisende gilt, für die das Fliegen nochmals besonders teuer werden muss. Und schließlich müssen Flüge auf bestimmten Routen verboten werden – mindestens alle Flüge unter 500 Kilometern Entfernung. Von Zürich nach Frankfurt gilt es dann die Bahn zu nehmen, deren Angebote parallel massiv ausgeweitet und verbilligt werden müssten.

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