Produkte-Sicherheit Gefährlich: Viele Kinderkostüme brennen zu leicht

In einer schweizweiten Aktion prüfen die kantonalen Laboratorien, wie schnell Fasnachtskostüme für Kinder Feuer fangen. Erste Ergebnisse der Stichprobe liegen «Espresso» vor. Sie sind erschreckend. Fast jedes fünfte Kostüm war zu leicht entflammbar. Für Kinder besteht Verbrennungsgefahr.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die kantonalen Behörden überprüfen in einer konzertierten Aktion 150 Kinderkostüme auf ihre Feuerfestigkeit.
  • Bisher wurden rund 100 Kostüme im Labor angezündet. 18 gerieten zu leicht in Brand. Das Problem sind die Kopfbedeckungen der beanstandeten Kostüme.
  • Die Kantonschemiker gehen den beanstandeten Stichproben nach. Hat ein Händler ein Produkt zu wenig gut kontrolliert, wird er allenfalls angezeigt.
  • Für vier Verkleidungen wurden bisher Rückrufe veröffentlicht. Zwei von Manor und zwei von Lidl.

Die Kantonschemiker gehen gemeinsam gegen zu leicht entflammbare Kinder-Verkleidungen vor. Deshalb haben sie in der Vorfasnachtszeit schweizweit 150 Kostüme gekauft. Diese werden nun vom darauf spezialisierten Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen Baselland im Labor auf ihre Entflammbarkeit getestet.

Heikel sind die Kopfbedeckungen

«Bisher haben wir rund 100 Kostüme verbrannt. 18 davon waren zu beanstanden», sagte der Baselbieter Kantonschemiker Peter Wenk auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1.

Das sei ein ähnliches Resultat wie vor einem Jahr, als im kleineren Rahmen bereits die Nordwestschweizer Kantone Kinderkostüme überprüften, stellt Wenk fest: «Wir haben letztes Jahr gemerkt, dass wir ein grösseres Problem haben mit diesen Fasnachtskostümen.» Daher hätten sich die Kantonschemiker in diesem Jahr für eine nationale Aktion entschieden.

Zu wenig feuerfest sind die Kopfbedeckungen der beanstandeten Kostüme. Da Verbrennungen am Kopf besonders heikel sind, gelten für Masken, Hüte und Perücken strengere Vorschriften als für den Rest der Kostüme. Dies wird von den Herstellern aber zu wenig beachtet.

Strafanzeigen möglich

Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz, SKS, findet das Ergebnis des Kostümtests bedenklich. Bei verschiedenen Fasnachts-Ritualen sei Feuer im Spiel: «Daher ist es zentral, dass sichere Waren auf dem Markt sind.» Davon würden die Konsumenten auch ausgehen.

«Espresso» hat die beiden bisher bekannten Verkäufer von beanstandeten Kinderkostümen um eine Stellungnahme gebeten. Manor schreibt, dass die Verkehrsfähigkeit der Produkte bescheinigt worden sei. Man prüfe nun Massnahmen: «Wir evaluieren unter anderem Lieferantensperrungen und eine Erhöhung der eigenen Stichprobenhäufigkeit.»

Und Lidl teilt mit: «Aktuell wird gemeinsam mit Lieferanten und Instituten überprüft, wie es trotz aufwändigen Produkttests im Vorfeld zum Produktrückruf kommen konnte.»

Auch die Kantonschemiker gehen jedem einzelnen beanstandeten Kostüm nach. Primär sollen mit der Aktion gefährliche Kinderkostüme vom Markt gezogen werden. Es werde auch kontrolliert, ob Händler und Importeure die Sicherheit der Produkte genug überprüft hätten, sagt der Baselbieter Kantonschemiker Peter Wenk: «Und dann wird genau angeschaut, ob wir eine Strafanzeige machen.»

Bisher zurückgerufene Kinderkostüme:

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