Zum Inhalt springen

Umwelt und Verkehr Gestrandete Flug-Passagiere: Behörden lassen Reisende sitzen

Stranden Passagiere an Flughäfen, müssten sich die Fluggesellschaften um diese kümmern, wie es das Reisegesetz vorschreibt. Viele Airlines halten sich aber nicht daran. Nun wird Kritik an der Aufsicht laut: Der Bund gehe zu wenig hart gegen Airlines vor, die Passagierrechte missachten.

Legende: Video Gestrandete Flug-Passagiere: Behörden lassen Kunden sitzen abspielen. Laufzeit 9:06 Minuten.
Aus Kassensturz vom 14.02.2017.

«Die Rechte der Flugpassagiere bestehen nur auf dem Papier.» Der St.Galler Rechtsprofessor Vito Roberto wird deutlich, wenn es um die Fluggastrechte geht.

Vor zehn Jahren hat die Schweiz die Fluggastrechte von der EU übernommen. Demnach haben Passagiere bei einer kurzfristigen Annullierung eines Fluges mehrere Ansprüche:

  • Die Wahl zwischen der Erstattung des Ticketpreises oder einer anderweitigen Beförderung
  • Verpflegung vor Ort
  • Falls nötig: Hotelübernachtung inkl. Transport
  • Ausgleichszahlung, je nach Flugdistanz zwischen 250 und 600 Euro pro Passagier

Dieses Gesetz bestehe seit über zehn Jahren, es greife aber nicht, sagt Vito Roberto: «Die Airlines halten sich nicht an das Gesetz und die Aufsichtsbehörde macht nichts.»

Konkret sieht er das Problem beim Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL. Dieses ist für die Durchsetzung der Fluggastrechte zuständig. «Das BAZL müsste für wirksame und abschreckende Sanktionen sorgen. Das tut es aber nicht.»

Das belegen die über 3600 Anzeigen, die allein im letzten Jahr eingegangen sind. Daraus resultierten 15 Bussen an Airlines. Zu wenig, sagt Vito Roberto: «Das Verhalten des BAZL läuft schlussendlich auf eine Ermunterung der Airlines hinaus, möglichst nichts zu unternehmen. Falls es dann doch ein Verfahren gibt, kann man am Schluss immer noch den paar Passagieren etwas zahlen und dann wird das komplette Verfahren wieder eingestellt.»

Dies sieht Urs Holderegger vom Bundesamt für Zivilluftfahrt anders: «Wir brauchen einen klaren Grund, um eine Busse auszusprechen. Es ist nicht unsere Aufgabe, möglichst viele Airlines zu büssen. Unsere Hauptaufgabe ist es, den Flugpassagieren zu ihrem Recht zu verhelfen. Und bei über 90 Prozent der berechtigten Anzeigen gelingt uns dies auch.»

Ist man als Flugpassagier selbst von einer Annullation betroffen, bei welcher die Fluggesellschaft sich nicht an die Passagierrechte hält, hat man die Möglichkeit beim BAZL eine Anzeige zu machen. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt wendet sich in einem berechtigten Fall an die betroffene Fluggesellschaft und eröffnet ein Verwaltungsstrafverfahren, um die Flugpassagierrechte durchzusetzen.

Tipp: Beweise sammeln

Fotografieren Sie Ihr Ticket, Ihre Bordkarte und die Ankunftszeit am Schalter. Nur so können Sie später belegen, dass Sie pünktlich eingecheckt haben. Die Airline müsste Sie detailliert auf Ihre Rechte bei Verspätung oder Überbuchung hinweisen. Bestehen Sie darauf, dass man Ihnen diese Informationen schriftlich gibt.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Lukas Witschi (Lukas Witschi)
    Leider gängige Praxis vieler Airlines: Hinhalten, Zuwarten (Mails nicht beantworten) und Kunden zermürben bis es ihnen "ablöscht". AirBerlin ist da ein Parade-Beispiel. Und das BAZL unternimmt wenig bis nichts dagegen (Interview mit diesem Sprecher ist fast schon ein Hohn).... Busse für eine Airline von 20'000.-- ist lächerlich, deshalb lassen es einige Airlines es darauf abkommen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Willi Fetzer (wi)
      Ich warte selber schon über 2 Jahre auf Entschädigung die mir zustehen! Jedoch EasyJet weigert sich und gibt nicht mal Antwort! Habe jedoch Internetdienstleister der dran ist! Jedoch als eine der wenigen Airlines sperrt sich EasyJet und setzt den Anspruch nicht um den Sie muss! Und wenn man KS-Beitrag hier gesehen hat, so ist es leider so, dem BAZL ist es peinlich, etwas gegen verweigernde Gesellschaften zu unternehmen! Warum wohl? Saudeckeli .....Sauhäfeli....?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Claudia De Riva Gerig (TG)
    Im Juni 2016 sind wir mit easyJet in London Gatwick gestrandet. Wir standen 5 Std. in der Schlange bis wir erfuhren was los ist. Wir suchten uns nachts um 22.00 einen Flug für den nächsten Tag. Ein Hotelzimmer fanden wir nicht mehr. Nach X Mails und Telefonaten bei easyJet haben wir nach einem 1/2 Jahr nur einen Teil der Kosten aber keine Ausgleichszahlung erhalten. Wir haben aufgegeben, weiter zu kämpfen, es zermürbt. Es müsste deshalb eine Anlaufstelle geben, die in der Schweiz weiterhilft!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Willi Fetzer (wi)
    Sorry, für was braucht es das BAZEL? Wenn es neutral sein soll für beide Seiten, Fluggast und Airline, wie der Sprcher sagt! Gibt es so viele Fluggäste, die sich nicht richtig verhalten und dann die Airline Hilfe sucht beim BAZL? Wohl keinen! Also liebes BAZEL, für wen setzt ihr Euch schlussendlich ein? Doch eher für die AIRLINES! Dann seid ihr absolut unnötig und BUND kann sich das Geld mit Euch sparen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten