Gläserne Versicherte: Für Daten gibt es Rabatt

Neuartige Bonusmodelle in der Zusatzversicherung: Kunden liefern elektronisch Gesundheits- und Bewegungsdaten. Im Gegenzug gibt es Gutschriften und Rabatte. Prämien werden so dem Lebensstil und Gesundheitszustand angepasst. Ein Experte erkennt an diesen Modellen kaum Vorteile für Versicherte.

Im Modell My Step der CSS tragen Zusatzversicherte einen Schrittzähler. Dieser übermittelt täglich die gemessene Schrittzahl an eine Internetplattform. An Tagen mit mehr als 7‘500 Schritten gibt es 20 Rappen Gutschrift, mit mehr als 10‘000 Schritten 40 Rappen.

Bei der Swica füllen die Teilnehmenden des Bonusprogramms Benevita online einen detaillierten Fragebogen aus. Sie geben beispielsweise ihren Bauchumfang an, ob sie rauchen, Alkohol trinken, sich massieren lassen oder manchmal Konzentrationsschwierigkeiten haben. Je nach Antwort gibt es Bonuspunkte und für diese wiederum einen Prämienrabatt auf bestimmte Zusatzversicherungen.

Prämie wird dem Gesundheitszustand angepasst

Versicherungsexperten sehen darin einen ersten Schritt zu Prämien, welche an den Lebensstil und den Gesundheitszustand angepasst sind. Der Gesunde oder Gesundheitsbewusste zahlt für dieselbe Zusatzversicherung weniger als der Sportmuffel, Übergewichtige oder Raucher.

Die Swica spricht von Eigenverantwortung der Kunden: Gesündere Kunden würden weniger Krankheitskosten verursachen, dadurch gebe es tiefere Prämien und diese würden der Versicherung neue Kunden bringen. Die Erwartung dahinter: Mehr sogenannte «gute Risiken», welche ebenfalls vom Bonusprogramm profitieren möchten.

Swica und CSS weisen die Vermutung zurück, dass sie mit diesen Daten ihre Kunden durchleuchten möchten. Die Swica betont, sie habe selber keinen Zugriff auf die Daten aus dem Gesundheitsfragebogen. Die Plattform sei so programmiert, dass sie den Prämienrabatt selber berechne. Die Swica mache lediglich Stichproben, um die Daten auf den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Die CSS sagt, sie benötige die Schrittzahlen nur, um die Gutschrift zu berechnen. Mehr passiere nicht damit.

Rabatt gegen Daten

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Gesundheitsplattformen steuern Versicherte

Beide Versicherungen betonen gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1, dass mit diesen Daten keine schlechten Risiken herausgefiltert würden. Es würden aufgrund der Daten keine Zusatzversicherungen gekündigt.

Auch würde nicht auf diese Daten zurückgegriffen, wenn ein Kunde eine neue Zusatzversicherung abschliessen möchte. «Dann müssen sie ja sowieso einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen», sagt Swica-Kommunikationschefin Silvia Schnidrig, «und dieser ist um einiges strenger als die Fragen im Benevita-Bonusprogramm.»

Versicherungsexperte Ruedi Ursenbacher von der Fairsicherungsberatung gibt dennoch zu Bedenken, dass man hier als Versicherter viel Persönlichkeit preisgebe: «Die Versicherungen können einen mit diesen Daten katalogisieren.» Sie könnten das Verhalten ihrer Kunden über die Gesundheitsplattformen gezielt steuern.

Je nach Antworten erhalte man Menu-Vorschläge oder Verhaltenstipps. Zudem würden die Versicherten durch solche Plattformen und Apps auf spielerische Art daran gewöhnt, dass sie ihren Versicherungen ständig persönliche Gesundheitsdaten ablieferten.

Für den Versicherungsexperten Ruedi Ursenbacher ist klar: Wenn man Aufwand und Ertrag vergleicht, lohnen sich diese Bonusprogramme nicht. Bei der CSS gebe es maximal knapp 150 Franken Gutschrift pro Jahr – nämlich bei täglich mehr als 10‘000 Schritten. Auch bei der Swica sei der Prämienrabatt für die meisten Versicherten klein. Ursenbacher spricht von rund 50 Franken im Jahr.

Die Swica ihrerseits sagt, für Privatversicherte seien einige Hundert Franken Prämienrabatt im Jahr möglich. Der Versicherungsexperte entgegnet, dies sei nur für Kunden mit einer voll ausgebauten Privat-Zusatzversicherung möglich, welche zudem im Gesundheitsfragebogen bei den meisten Kriterien optimal abschneiden würden. Und das seien ja die wenigstens.

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