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Hochpreisinsel Schweiz «Grossverteiler verhandeln zu wenig hart»

Seit 2015 sind die Preise in der Schweiz um sieben Prozent gesunken, der Preisunterschied zum Ausland ist aber weiter gestiegen. Das «Konsumentenforum» fordert Grossverteiler auf, bei Preisverhandlungen mit Lieferanten mehr Druck aufzusetzen und überteuerte Produkte aus dem Sortiment zu streichen.

Legende: Audio «Grossverteiler verhandeln zu wenig hart» abspielen. Laufzeit 5:45 Minuten.
5:45 min, aus Espresso vom 13.02.2017.

Eine Auslistung von zu teuren Produkten sei das richtige Druckmittel, um Lieferanten welche zu hohe Preise verlangen, zur Vernunft zu bringen. Das sagt der Pressesprecher des Schweizerischen Konsumentenforums, Dominique Roten.

Dieses Druckmittel werde bei den Preisverhandlungen aber noch viel zu wenig eingesetzt. Roten kritisiert, dass die Schweiz auch zwei Jahre nach dem Euro-Sturz eine Hochpreisinsel sei.

Coop: «Auslistung ist ein zweischneidiges Schwert»

Der Grossverteiler Coop bestätigt zwar auf Anfrage der SRF-Konsumentensendung «Espresso», dass regelmässig mit den Lieferanten über die Einkaufspreise verhandelt werde. Dabei wird gemäss Pressesprecher Urs Meier «hart, aber fair» verhandelt.

Coop habe 2011 und 2015 als Reaktion auf gescheiterte Verhandlungen auch schon Markenprodukte aus den Regalen verbannt. Einen Teil davon habe man später wieder billiger ins Sortiment aufnehmen können. Die Androhung einer Auslistung sei aber das «letzte Mittel», denn dieser Schritt belaste die Geschäftsbeziehung nicht unwesentlich.

Auch Migros-Sprecherin Monika Weibel bläst ins gleiche Horn: «Wir haben bei Verhandlungen mit Lieferanten auch schon mit einer Auslistung gedroht, in Ausnahmefällen sogar Produkte aus dem Gestell genommen», sagt die Medienverantwortliche der Migros.

Man wolle den Konsumenten die beliebtesten Markenprodukte aber möglichst dauernd anbieten können. Es sei aber trotzdem nicht ausgeschlossen, dass man diesen «letzten Trumpf» im Ausnahmefall wieder einmal spiele werde.

Lidl hat Drohung wahr gemacht

Umgesetzt hat die Androhung einer Auslistung auch der Discounter «Lidl». Dessen Unternehmenskommunikation bestätigt gegenüber «Espresso», Ende 2015 sämtliche Nivea-Produkte aus den Gestellen verbannt zu haben. «Die Geschäftsbeziehungen zur Beiersdorf Schweiz AG ruhen seit über einem Jahr», schreibt Lidl auf Anfrage von «Espresso».

Zugeknöpft gibt sich die Nivea-Produzentin: «Die Geschäftsbeziehungen basieren auf einem Vertrauensverhältnis». Deshalb mache man gegenüber der Öffentlichkeit keine Aussagen.

Wenig auskunftsfreudig zeigt sich auch der Discounter «Aldi», der über die Preisverhandlungen keine Angaben machen will. Sicher ist und bleibt, dass Grossverteiler auch weiterhin vorsichtig mit einer Auslistung umgehen, weil gerade verkaufsstarke Produkte trotz überhöhten Preisen Kunden an den eigenen Laden binden.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Roediger (Roepa)
    Ein äusserst Interessanter Beitrag. In der Automobilbranche sieht das jedoch alles nochmal anderst und viel schlimmer aus. Eine original Ventieldeckeldichtung für einen Peugeot 206- 1999 kostet Netto beim Peugeot Händler CHF 40.50. Die gleiche Dichtung original (Marke vom offiziellen Zulieferant) € 4.50. (inkl. MwSt) Weiteres Beispiel: VW Käfer 1960, AT Radzylinder Preis hier Netto CHF 68.00, Aus Deutschland ebenfalls AT, € 12.50 (Inklusive MwSt) Grosses Preisgefälle auch hier.
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  • Kommentar von P. Bürgisser (P. Bürgisser)
    Dieses ewige Gejammer von den Geiz-Schweizern, dass sie abgezockt werden! Wer leidet wohl unter der Preisdrückerei? Die einfachen Angestellten und sicher nicht die Chefetage. Warum verschwinden die kleinen Läden? Weil sie mit dieser wirtschaftsschädigenden Gier der Konsumenten nicht mehr mithalten können. Gerade die Lebensmittel kosten in der Schweiz viel zu wenig. Lösung: Hohe Importzölle und Abschaffung der Subventionen für die Bauern, denn der Steuerzahler subventioniert ja die Tiefpreise.
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  • Kommentar von Adriano Granello (Adriano Granello)
    An den Einkaufspreisen krankt das System am allerwenigsten, das ist nicht mehr als ein cleverer Marketing-Schachzug der den Schweizer Markt dominierenden Detailhändler Coop und Migros. Das Thema müssten endlich die gewaltigen Handelsmargen sein und die Frage, ob es in der Schweiz an jeder Ecke eine teure, auf Luxus getrimmte Coop- und Migros-Filiale braucht, die über die hohen Endkundenpreise finanziert werden müssen. Eigenartigerweise sind die Konsumentenschützer bzgl. dieses Themas blind...
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