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Kassensturz-Tests Hörgeräteberatung im Test: Diese Gratisangebote sind teuer

Viele Hörgeräteverkäufer locken mit Gratis-Hörtests. «Kassensturz» prüft schweizweit tätige Hörcenter auf Qualität der Hörtests, dessen Beratung und Empfehlung. Fazit: Vier von sechs Hörcentern hören lieber das Geld in der Kasse klingeln als die Bedürfnisse der Kunden.

Legende: Video Hörgeräteberatung im Test: Diese Gratisangebote sind teuer abspielen. Laufzeit 08:42 Minuten.
Aus Kassensturz vom 09.10.2018.

Bloss zwei der insgesamt sechs getesteten Hörcenter haben bei der Stichprobe von «Kassensturz» den Mystery-Tester korrekt beraten. Mit Note 5,5 erhalten sie die Gesamtbeurteilung «sehr gut». Es sind dies die Hörcenter Audika und Amplifon. Die beiden Hörcenter überzeugten in sämtlichen getesteten Punkten: Schallgedämmter, ruhiger Raum, ausführlicher Hörtest, kompetente Beratung und eine korrekte Empfehlung.

Für «Kassensturz» besucht ein 71-jähriger Mystery-Tester sechs verschiedene Hörcenter. Alle Hörcenter sind schweizweit tätig und werben mit einer Gratis-Höranalyse. Unmittelbar nach jedem Besuch muss der Mystery-Tester jeweils 25 Fragen beantworten. Unter anderem: Welche Ton- und Hörtests wurden durchgeführt? War der Raum schallgedämmt? Wie wurde er beraten? Wollte der Akustiker dem Mystery-Tester ein Hörgerät aufschwatzen?

Zuvor lässt der Mystery-Tester in der Abteilung Audiologie des Universitätsspitals Basel seine Ohren untersuchen. Fazit des umfangreichen Hörtest im Spital: Der Mystery-Tester hört in tiefen Frequenzen noch recht gut. Jedoch in den hohen Frequenzen nimmt sein Hörvermögen ab. Das sei in diesem Alter nicht unüblich, sagt der Leiter der Abteilung Audiologie des Universitätsspitals Basel, Christof Stieger. «Der Mystery-Tester hat eine kleine Hörstörung aber ein Hörgerät ist nicht zwingend nötig», so die abschliessende Diagnose des Experten.

Dennoch empfehlen vier der sechs getesteten Hörcenter unserem Mystery-Tester ein Hörgerät zum Probetragen und Testen.

Testresultate im Detail

Testresultate im Detail

Hier geht es zu den detaillierten Testresultaten.

Rudimentäre Beratung und ein miserabler Test-Raum

Am schlechtesten bei der Stichprobe schneidet die Apotheke Amavita ab. Der Test führte eine Pharma-Assistentin durch. Nach rund 20 Minuten empfahl sie unserem Mystery-Tester zwei Hörgeräte für knapp 800 Franken pro Stück. Fazit der Stichprobe: Rudimentäre Beratung, simpler Hörtest und ein miserabler Test-Raum. «Ich hörte während dem Test einen Presslufthammer und zum Teil auch Werbeansagen, welche teilweise lauter waren als die Töne im Kopfhörer», stellte unser Mystery-Tester fest. Deshalb erhält Amavita die Gesamtbewertung ungenügend. Note 3,6.

Amavita schule ihr Fachpersonal für die Hör-Checks und man biete bei Hörproblemen erste Abklärungen und Einschätzungen an, schreibt das Unternehmen Galenica, zu welcher die Amavita Apotheken gehören: «Sollte während des Hör-Checks eine mittelgradige Schwerhörigkeit bestehen, wird der Kunde zu weiteren Abklärungen an einen Akustiker oder Arzt verwiesen.» Die Durchführung des Hör-Checks würden nach strengen Qualitätsrichtlinien erfolgen, schreibt das Unternehmen weiter.

So wurde getestet

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In dieser Stichprobe schickte «Kassensturz» den 71-jährigen Hansjörg Wahl in sechs Hörgeräte-Center und begleitete ihn dabei. Der Proband – aus Sicht des Hörcenters der Klient – gab an, dass er in bestimmten Situationen Mühe hat einen Gesprächspartner zu verstehen. Deshalb wolle er sein Gehör testen.

Christoph Stieger, Leiter der Abteilung Audiologie an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Universitätsspitals Basel, untersuchte den «Patienten» Hansjörg Wahl vorab und übernahm die Bewertung der medizinischen Prüfpunkte, zum Beispiel die Art und Qualität der durchgeführten Hörtests.

  • Begrüssung und Information: Wie wurde der Klient empfangen? Wie gut wurde er über Dauer, Umfang und Ablauf der Untersuchung informiert?
  • Ausrüstung des Hörcenters, Vorabklärung und Vorbereitung des Akustikers: War der Untersuchungsraum für einen Hörtest geeignet? Schaute die Akustikerin in die Ohren? Wurde nach gesundheitliche Problemen gefragt?
  • Hörtest (Bewertung Klient): Fand der Hörtest geordnet statt? Wusste der Proband, was er zu tun hat? Wurde das Resultat verständlich vermittelt? Hat der Proband das Resultat unaufgefordert auch schriftlich erhalten?
  • Hörtest (Bewertung Experte): Hat das Hörcenter alle wichtigen Tests durchgeführt? Können die durchgeführten Tests zu einem schlüssigen Gesamtbild des Hörproblems führen? Sind die Messresultate plausibel? Wurden die Ergebnisse richtig interpretiert? Wurde nachgemessen, wo es nötig schien?
  • Empfehlung des Hörcenters: Ist die Empfehlung des Hörcenters angemessen? Wurde der Klient darauf hingewiesen, dass ein Hörgerät aufgrund der Testergebnisse nicht nötig ist? War die Empfehlung stark darauf fokussiert, dem Klienten ein Hörgerät zu verkaufen?

Hörcenter zeigen sich sehr verkaufsfreudig

Alle anderen Hörcenter beraten unseren Mystery-Tester wesentlich besser. Sie führen den Hörtest jeweils in schallgedämmten Räumen durch, von ausgebildeten Hörgeräte-Akustikern. Ausser bei Fielmann. Trotz Anmeldung berät hier eine angehende Hörgeräte-Akustikerin im dritten Lehrjahr.

Die Hörzentrale Kind in Bern und das Hörcenter Neuroth in Liestal überzeugen beim Hörtest. Abzug gibt es hingegen bei der Empfehlung. Denn beide Hörcenter zeigen sich sehr verkaufsfreudig und empfehlen dem Mystery-Tester ein Hörgerät für rund 6000 Franken.

Audiologe Christof Stieger wertet mit «Kassensturz» die Stichprobe aus. Er kritisiert: Kein einziger Akustiker habe nach einer Kostenlimite gefragt. Nebst einem korrekten Hörtest sei auch die Beratung sehr wichtig. Dabei sollte der Akustiker zwingend die Bedürfnisse und auch das Budget des Kunden abklären, betont der Audiologe.

Alle Tests

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