Glosse Immer mehr Geräte an der Steckdose: Wie soll man da Strom sparen?

Überall wird man heutzutage dazu aufgefordert, Strom zu sparen. An jeder Steckdose zu Hause hängt jedoch ein Gerät: Handy, Tablet, Modem oder vielleicht auch der Akku des E-Bikes. Wie soll man da der Aufforderung Strom zu sparen überhaupt noch nachkommen?

«Espresso»: Kann man mit all den neuen Geräten, welche konstant eine Steckdose brauchen, überhaupt noch Strom sparen?

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Bildlegende: Jürg Nipkow. Energieeffizienz.ch

Jürg Nipkow: Das hat zwei Seiten: Einerseits brauchen mehr Geräte auch immer mehr Strom. Andererseits sind diese zum Teil energieeffizienter als die alten Geräte, welche sie ablösen. Zur Zeit halten sie die zwei Effekte die Waage.

Was sagt denn die Statistik? Geht der Stromverbrauch in den Haushalten zurück oder steigt er wegen der vielen Geräte?

Der Stromverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts in der Schweiz geht klar zurück. Verantwortlich sind zumeist die grösseren, immer energieeffizienteren Kühlgeräte.

Gibt es Gesetzestexte, die besagen, dass all diese Geräte nicht zu viel Strom fressen dürfen?

Ja. Sie wurden zumeist von der EU übernommen. Es gibt Vorschriften zu Standby- und Ladegeräten. Es gibt jedoch Geräte, wo es noch keine Vorschriften gibt. Das ist bei den vernetzten Geräten, wie zum Beispiel den Settop-Boxen der Fall.

Macht es Ihnen Sorgen, dass es immer mehr Geräte gibt, welche dauernd mit dem Internet verbunden sind? Geräte, welche Strom verbrauchen, indem sie Daten hoch- oder herunterladen?

Ja, das macht uns Sorgen, weil die Vorschriften noch unklar sind, während die Industrie rasch entwickelte und darum wenig energieeffiziente Geräte anbietet. Dies ist gerade darum kritisch, weil die Geräte eine lange Zeit von bis zu zehn Jahren in Betrieb bleiben, bis sie durch ein Gerät der nächsten Generation abgelöst werden.

Könnte man noch mehr Strom sparen, wenn man auf all die Geräte verzichtet?

Ja. Aber das ist unrealistisch. Die Geräte kommen so oder so. Zum Teil werden sie sogar verordnet. Dann hat der Konsument überhaupt keine Wahl. So liefert zum Beispiel die Swisscom für ein Festnetz-Abo eine Settop-Box, und erklärt, das Telefonieren nur mit dieses Gerät möglich sei. Ein Alternativ-Gerät ist nicht möglich

Wo der Konsument aber die Wahl hat, entschiedet er sich oft zugunsten der Bequemlichkeit und gegen das Stromsparen. Der Mehrpreis für eine bequemere Lösung ist in absoluten Werten oft nur ein kleiner Geldbetrag. Diesen lehnt kaum jemand ab.

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