Immer mehr kaputte Fenster wegen «Thermobruch»

Die Stadt Zürich hat die Schulleitungen angewiesen, in Schulen oder Kindergärten die Fenster nicht mehr zu bemalen oder zu bekleben. Der Grund: Dadurch gehen immer wieder Scheiben zu Bruch. Aber auch in den eigenen vier Wänden ist Vorsicht geboten, wenn moderne Fenster eingebaut sind.

Das Problem ist in der Fenster-Branche bekannt. Bei Sonneneinstrahlung kommt es zum Thermobruch wegen der grossen Temperaturunterschiede auf der Scheibe.

Josef Knill ist Co-Präsident des Schweizerischen Fachverbands der Fenster und Fassadenbranche. Seine Firma erstellt zudem Gutachten bei kaputten Scheiben. Er beobachtet eine starke Zunahme von solchen Thermobrüchen, vor allem bei modernen, dreifachverglasten Scheiben.

Scheiben sollen auch nicht verstellt werden

Sind solche Scheiben bemalt oder beklebt, erwärmen sich diese Stellen viel stärker als der Rest der Fläche. Der Temperaturunterschied führt zu Spannungen und unter Umständen zu einer kaputten Scheibe. Thermobrüche können aber auch alleine durch unterschiedliche Sonneneinstrahlung oder Gegenstände auftreten, die zu nahe an der Scheibe sind. So sollte ein Abstand von 20 Zentimetern eingehalten werden.

Grosse Scheiben sind anfälliger als kleine. Und so wird ein Thermobruch unter Umständen zur teuren Angelegenheit: Häufig müsse dann ein Spezialkran eingesetzt werden, so Josef Knill. Der Ersatz einer vier Meter breiten und zwei Meter hohen Scheibe könne so beispielsweise rund 15‘000 Franken kosten.

Thermobelastung wird bei Neubauten zu wenig beachtet

Das Problem stelle sich paradoxerweise, weil die Scheiben immer leistungsfähiger werden und dadurch auch immer besser isolieren, sagt Josef Knill. Die Thermobelastung werde bei Neubauten zudem in der Planung zu wenig beachtet.

Würde der Einfluss der Sonneneinstrahlung besser berücksichtigt, könnte an gefährdeten Stellen spezielles Glas eingesetzt werden. Diese kostet zwar mehr, ist jedoch weniger anfällig auf Temperaturunterschiede.