Dominik Hintermann will Fahrlehrer werden und ist guter Dinge, als er seine Zertifikate für die eidgenössische Berufsprüfung 2025 einreicht. Doch dann der Schock: die Qualitätssicherungskommission teilt ihm mit, dass er nicht zugelassen wird, weil Zertifikate, die er einreichte, nicht anerkannt sind.
Es sind Zertifikate der Smile Fahrlehrerausbildung AG. «Dieser Brief kam völlig überraschend», erklärt Dominik Hintermann, «Smile informierte mich nicht darüber, dass Modulzertifikate der Firma nicht anerkannt sind». Er hatte 19000 Franken für die Ausbildung bezahlt.
Smile erfüllt die neuen Qualitätsanforderungen nicht
Bis 2024 waren die Modulzertifikate von Smile noch anerkannt. Doch seit dem 1. Januar 2025 gelten neue Qualitätsanforderungen. Die Modulzertifikate B1 bis B6 von Smile erfüllen diese nicht. «Wer Zertifikate vorlegt, die nicht anerkannt sind, wird nicht zur Berufsprüfung zugelassen», erklärt Christian Stäger, Geschäftsführer der Qualitätssicherungskommission.
«Das muss rechtliche Konsequenzen haben»
«Kassensturz» steht mit sieben ehemaligen Schülerinnen und Schülern von Smile in Kontakt, die Modulprüfungen abgeschlossen haben, die nicht anerkannt sind. Alle sagen, dass sie bei Ausbildungsbeginn von Smile nicht darüber informiert wurden.
Für Michael Gehrken, Präsident des Branchenverbands L-drive, ein No-Go: «ich bin ganz klar der Auffassung, dass das nicht geht, das muss rechtliche Konsequenzen haben.»
Betroffene können sich wehren
Doch was können Betroffene tun, die bis zu 28'000 Franken für die Ausbildung bezahlt haben? Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich, sagt: «Die Schule ist verpflichtet, Schülerinnen und Schüler in den Vertragsverhandlungen darüber aufzuklären, dass Modulzertifikate nicht anerkannt sind. Tut sie das nicht, verletzt sie ihre Aufklärungspflicht.»
Betroffene könnten den zivilrechtlichen Weg beschreiten: «Das heisst, dass man zuerst die Forderung stellt, dann wird sie wahrscheinlich nicht beglichen werden. Dann kann man die Firma betreiben oder notfalls kann man auch gerichtlich Klagen auf Rückzahlung der geleisteten Zahlungen.»
Smile widerspricht
Die Fahrlehrerschule weist alle Vorwürfe zurück. Laut der Firma seien die Schülerinnen und Schüler immer transparent informiert worden: «Smile weist den erhobenen Vorwurf, Kundinnen und Kunden durch falsche Angaben getäuscht zu haben, entschieden und in aller Form zurück.»
Den Brief über den Entzug der Zertifizierung hätte Smile 2024 nie erhalten. Dem widerspricht der Verband: «Smile wurde wie alle anderen Modulanbieter mehrfach, per Mail und eingeschriebenen Brief, über die neuen Qualitätsanforderungen informiert.»
Laut Smile würden betroffene Schülerinnen und Schüler für Übergangslösungen unterstützt und Prüfungskosten bei anderen Anbietern würden übernommen. «Kassensturz» fragte bei sieben betroffenen Schülerinnen und Schülern nach, was von der Smile-Stellungnahme halten: nichts. Sie sind sich einig: Smile versuche auf Zeit zu spielen. Von «Transparenz» könne keine Rede sein.
Rezertifizierungsverfahren sistiert
Smile wirbt weiterhin mit Ausbildungskursen, obwohl praktisch alle Abschlüsse nicht anerkannt sind. Smile schreibt, dass ein «Rezertifizierungsverfahren» laufen würde. Dies trifft aber nicht zu: das Verfahren wurde aus formellen Gründen sistiert, das bestätigt die Qualitätssicherungskommission QSK.