Florian Vischer ist Projektleiter bei einer Firma für Event- und Anlagetechnik. Für einen Sportanlass bestellte er bei Sanität 24 Notfall-Artikel für mehrere tausend Franken, unter anderem zwei Defibrillatoren. Die von Florian Vischer bestellte Ware wird allerdings nicht geliefert, während Monaten.
Stattdessen wird er immer wieder vertröstet: «Sanität 24 sagte, die Ware komme in einer Woche. Dann hiess es, ‹oh nein, sie ist noch nicht da.› Dann war die Rede von wenigen Tagen. Ich glaubte kein Wort.» Schliesslich dauerte es sechs Monate, bis die gesamte Lieferung eintraf.
Es stimmte praktisch nichts, was wir den Kunden erzählten.
Florian Vischer ist kein Einzelfall. Bei «Kassensturz» melden sich immer wieder verärgerte Kundinnen, die wochen- und monatelang auf ihre bestellte Ware warten, nichts mehr hören oder mit falschen Lieferangaben vertröstet werden. Das hat offenbar System.
Mehrere ehemalige Mitarbeiterinnen von Sanität 24 erzählen, dass sie oft Kundinnen und Kunden mit falschen Lieferterminen vertrösteten: «Es hat praktisch nicht gestimmt, was wir den Kunden geschrieben haben», sagt Petra F. (Name geändert).
Noemi Mettler, auch eine ehemalige Mitarbeiterin, bestätigt das: «Wir versuchten immer wieder, Kunden mit falschen Lieferterminen so lange hinzuhalten, bis die Ware bei uns ist.»
Marcel Maurer ist Inhaber und Geschäftsführer von Sanität 24. Er widerspricht den Aussagen, wonach Kunden systematisch mit falschen Angaben vertröstet werden: es komme zwar immer wieder zu Lieferverzögerungen, aber «die Angaben, die wir geben, geben wir anhand von unserem Lagerbestand und der Auskunft unserer Lieferanten. Diese Daten geben wir bestmöglich weiter.» Von einer systematischen Täuschung könne keine Rede sein.
Produkte mit einem abgelaufenen Verfallsdatum wurden verkauft.
Ehemalige Mitarbeiterinnen erheben einen weiteren Vorwurf: mehrfach seien Produkte mit einem abgelaufenen Verfallsdatum verkauft worden, beispielsweise Therapie-Tapes. «Ich hatte die Anweisung, Tapes umzupacken, die abgelaufen sind. Man musste sie aus der Originalverpackung herausnehmen, weil da das Ablaufdatum zu lesen war, sie in Zip Säcke neu einpacken und so den Kundinnen verschicken», erklärt Noemi Mettler.
Auch solchen Aussagen widerspricht der Geschäftsführer: «wir haben keine Produkte verkauft oder umgepackt, deren Verfallsdatum überschritten war. Selbstverständlich nehmen wir solche Vorwürfe ernst und werden das intern gern kontrollieren und aufarbeiten.»
Swissmedic führte Inspektion durch
Für Sanität 24 interessierte sich auch Swissmedic: nach Hinweisen auf Unregelmässigkeiten führte die Aufsichtsbehörde eine Inspektion durch, wie Swissmedic bestätigt. Für Marcel Maurer nichts Aussergewöhnliches: «Swissmedic verlangt gewisse Dokumente, die man nicht sofort bereit hat. Das ist bei tausenden von Produkten nicht ungewöhnlich. Man kann die fehlenden Dokumente jedoch innerhalb von bestimmten Fristen nachreichen.»
Zurück zu Florian Vischer. Er wird nie mehr einen Artikel bei Sanität 24 bestellen: «Sie haben mir gezeigt, dass ihr System nicht funktioniert.»