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Auf den Hund gekommen – Extremzuchten am Pranger
Aus Kassensturz vom 25.04.2023.
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Qualzucht bei Hunden Noch immer leiden zu viele Tiere

Das Qualzucht-Verbot greife zu wenig, so die Kritik. Jetzt kommt die Forderung nach griffigeren Vorschriften.

Bei Tierchirurg Daniel Koch landen regelmässig kurznasige Hunde auf dem Operationstisch. Sie haben Atemschwierigkeiten – eine der Folgen von Extremzuchten. «Hunde können nicht schwitzen, sie müssen hecheln», erklärt Daniel Koch. «Mit zu kleiner Nasenoberfläche fällt das schwer, deshalb erzeugt der Hund Unterdruck und die Atemwege werden enger.» Eine Operation verschafft dem Tier wieder Luft. Bei einigen Hunden hat die enge Nase sogar Auswirkungen auf den Magen: «Aufgrund des Unterdruckes kann der Magen aufgezogen werden, sodass die Tiere erbrechen müssen», erklärt der Tierchirurg.

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Folgen der Qualzucht erfordern oft eine Operation

Betroffen sind unter anderem die französischen Bulldoggen. Welpen kosten bis zu 4500 Franken. Gesundheitliche Probleme treten meist erst nach dem Welpenalter auf und verursachen weitere, zum Teil hohe Kosten. In der Schweiz werden mittlerweile schätzungsweise 50 Prozent der französischen Bulldoggen aus dem In- und Ausland operiert, damit sie wieder besser atmen können.

Aber nicht nur das Atmen macht den kleinen Vierbeinern zu schaffen. Sie müssen auch häufig im Bereich der Lidränder, der Augen und der Hautfalten operiert werden. Hinzu kommen Bandscheibenvorfälle, Rutenprobleme und bei Zuchthündinnen Kaiserschnitte.

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Tierarzt Simon Hauri: «Man müsste das Reglement ändern, und das ist Sache des Verbandes.»
Aus Kassensturz vom 25.04.2023.
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Ein Beispiel: «Kassensturz» begleitet Tierarzt Simon Hauri zu einem vorgeschriebenen Belastungstest, durchgeführt vom Schweizerischen Klub für Französische Bulldoggen (SKFB/SKG). Die Tiere müssen in maximal zehn Minuten eine Strecke von 1,2 Kilometern absolvieren. Die Aufgabe des Tierarztes: Er dokumentiert Herz und Atmung vor und nach dem Rennen. Wer röchelt, wird von der Zucht ausgeschlossen. Alle Hunde bestehen den Test. Sie sind etwas älter als ein Jahr. Da Atemprobleme meist erst später auftreten: Wäre eine Wiederholung nicht sinnvoll? «Das müsste man überdenken», bestätigt Simon Hauri auf Nachfrage von «Kassensturz»: «Aber das ist Sache des Verbandes.»

«Eine französische Bulldogge ist eine sehr gute Einnahmequelle für einen Tierarzt», sagt Kleintierchirurg Daniel Koch dazu. Einnahmen, auf die er lieber verzichten würde. «Ich hätte in der Tierschutzverordnung gerne klare Kriterien, ab welcher Schädelform es Qualzucht ist», fordert Daniel Koch. Dann könnten Tierärztinnen und Tierärzte den Besitzern sagen, dass sie mit dem Tier nicht mehr züchten dürfen.

Gesundheitliche Probleme tauchen oft erst später auf

Wenn in der Schweiz eine Tierärztin ein Tier als zu belastet beurteilt und in Kategorie drei einteilt, spricht man von Qualzucht, und es darf nicht zur Zucht verwendet werden. So steht es seit 2015 in der Tierschutzverordnung. Doch die Praxis gestaltet sich schwierig.

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Hansueli Beer, Präsident SKG: «Mit schwer atmenden Hunden dürfte nicht gezüchtet werden.»
Aus Kassensturz vom 25.04.2023.
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Auf die Gesundheit der jeweiligen Rasse haben Zuchtverbände grossen Einfluss. Denn sie bestimmen in der Regel, welche Gesundheitstests ihre Zuchttiere bestehen müssen.

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Heidi Leibundgut, Richterin SKFB/SKG: «Längere Nasen kann man züchten, sie müssen aber standardkonform sein.»
Aus Kassensturz vom 25.04.2023.
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Wie ein Hund auszusehen hat, bestimme der Zuchtverband im Ursprungsland der Rasse, erklärt SKFB-Reisrichterin Heidi Leibundgut. So gilt in Frankreich als erstrebenswert, wenn die Nasenlänge ungefähr einen Sechstel des Kopfes einnimmt. Abweichungen von vorgegebenen Proportionen: «Da lassen die Franzosen nicht mit sich reden», sagt SKFB-Preisrichterin Heidi Leibundgut. Ohnehin sei eine Rückzüchtung zu einer längeren Nase nicht entscheidend für eine bessere Atmung, ist Heidi Leibundgut überzeugt. Das hätten Studien gezeigt.

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Gespräch mit Hansueli Beer, Präsident Schweizerische Kynologische Gesellschaft SKG
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Kassensturz, 25.04.23, 21:05 Uhr

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