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Risiko Sachwert-Investitionen Balsamico-Fass statt hohe Rendite: Anleger bangen um ihr Geld

Finanzberater versprechen mit Investitionen in Schweizer Balsamico hohe Gewinne. Doch die Anleger bleiben auf den Fässern sitzen.

Maurice Isler zeigt «Kassensturz» in seiner Küche eine Flasche eines teuren Apfelbalsamicos. Er macht sich sonst nichts aus exklusiven Lebensmitteln. Doch in diesen Essig habe er investiert – als Anlage, erklärt er.

Den Kauf von Balsamico-Fässern habe ihm sein Finanzberater damals empfohlen: «Er sagte: ‹Du musst diversifizieren.›» Maurice Isler ärgert sich. Er habe sich überreden lassen, etwas zu kaufen, das er gar nicht kenne.

Die Verkaufsfirma richtete mit der grossen Kelle an: Die edlen Holzfässer wurden in Lagerstollen auf dem Jungfraujoch gelagert. Käufer wurden per Heli in den Stollen eingeladen.

Die Botschaft war: ein exklusives Schweizer Produkt, begehrt in Asien, mit hohem Wertsteigerungspotenzial. Nach fünf Jahren Lagerung, so hiess es, lasse sich der «Pure Swiss Balsamico» an exklusive Restaurants verkaufen.

Vom Finanzberater empfohlen – und teuer bezahlt

Maurice Isler erwarb fünf Fässer, pro Fass bezahlte er 11’500 Franken. Sein Finanzberater hatte ihm einen Weiterverkauf beinahe zum doppelten Preis in Aussicht gestellt. Die Firma Realwerte Zentrum, die die Fässer verkaufte, schrieb von einem «möglichen Verkaufserlös von voraussichtlich 15’500 bis 20’000 Franken je Fass». Doch heute, mehr als drei Jahre nach Ablauf der Lagerfrist, wartet er noch immer auf einen Käufer.

Auch Michèle Junot hat ein Balsamico-Fass für über 11'000 Franken erworben. Ihr Finanzberater habe nie gewarnt, dass kein Abnehmer gefunden werden könnte, sagt sie. Im Gegenteil: Das Produkt sei «spitze» und der Verkauf praktisch sicher.

Im Kaufpreis inbegriffen waren die Lagerung sowie die Unterstützung bei der Suche nach einem Abnehmer. Sie verliess sich darauf, dass die Firma den Verkauf abwickeln würde.

Trotz Exklusivität keine Käufer

Auch sie wartet seit vier Jahren. Die Firma Realwerte Zentrum versicherte in Info-Mails immer wieder, man sei in Gesprächen mit Interessenten, der Verkauf stehe kurz bevor. Im März eine Kehrtwende: Statt eines Käufers übergibt die Firma das Geschäft an eine Firma in Liechtenstein. Neu kostet die Lagerung 29 Franken pro Monat pro Fass.

Anstatt eines Erlöses kommen neue Kosten dazu. Michèle Junot sagt: «Das war ein Schock für mich.»

Die Geschäftsführerin des Realwerte Zentrums schreibt «Kassensturz», es habe nie eine Abnahmegarantie gegeben. Kunden könnten sich den Balsamico ausliefern lassen.

Stellungnahme Realwerte Zentrum GmbH

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Die Geschäftsführerin der Firma, Cindy Gutjahr, nimmt gegenüber «Kassensturz» wie folgt Stellung:

  • «Vorweg halten wir fest, dass es sich beim Kauf von Balsamico-Fässern über uns, die Realwerte Zentrum GmbH, zu keinem Zeitpunkt um eine Geldanlage gehandelt hat (sollten hier Berater entgegen unseren Vorgaben und von uns auch nicht kontrollierbar, anderweitige Aussagen getätigt haben, sind diese schlicht falsch).»
  • «Die Realwerte Zentrum GmbH hat den Auftrag, bei der Suche unterstützend und vermittelnd aktiv zu sein. Es ist und war nie die Rede von Sollen. Realwerte Zentrum GmbH hat Dritte beauftragt, Gespräche und Verhandlungen mit interessierten Abnehmern aus verschiedenen Branchen und Regionen zu führen, allerdings sind diese jeweils kurz vor Vertragsabschluss abgesprungen bzw. haben auf eine Abnahme der Fässer kurzfristig verzichtet.»

Die Geschäftsführerin weist den Vorwurf zurück, falsche Versprechungen abgegeben oder die Kunden hingehalten zu haben:

  • «Mit diversen Informationsschreiben haben wir unsere Kunden über Entwicklungen im Zusammenhang mit den Balsamicofässern orientiert. Insbesondere die Informationen betreffend die Preisentwicklung haben wir von unserem Distributor erhalten und entsprechend an unsere Kundschaft weitergegeben.»
  • «Es steht und stand jedem Kunden frei, sein Eigentum ausliefern zu lassen und dieses danach unter eigener Kontrolle zu lagern oder zu verwenden.»
  • «Realwerte Zentrum überträgt dieses Geschäft nicht, um sich aus der Verantwortung zu ziehen. Der Auftrag war: Die Firma übernimmt die Lagerung der Ware für fünf Jahre und unterstützt bei der Suche nach einem geeigneten Abnehmer bzw. organisiert die Auslieferung.» 

Sie hält fest, es habe sich nicht um eine Geldanlage gehandelt. Sollten Finanzberater etwas anderes behauptet haben, sei das falsch.

«Kassensturz» konfrontiert die Finanzberater: Diese betonen, sie hätten die Kundschaft aufgeklärt und keine falschen Versprechen gemacht.

Geld fehlt in der Altersvorsorge

Zurück bleiben enttäuschte Kundinnen und Kunden – einige mit ernsthaften finanziellen Sorgen. Eine Rentnerin räumt ein, sie hätte fest mit dem Geld aus dem Verkauf gerechnet. Sie müsste sich die nächsten Jahre einschränken.

Karl Flubacher, Anlageexperte beim VermögensZentrum VZ, ist gegenüber Investitionen in Sachwerte sehr skeptisch. Bei Essig, Wein oder Whisky gebe es keine garantierte Rendite. Die Besitzer müssten selbst Abnehmer finden. Es sei viel einfacher, etwas zu verkaufen, das an der Börse gehandelt würde.

Das sagt der Anlageberater

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Karl Flubacher vom VermögensZentrum in Basel betont im Interview mit «Kassensturz», Investitionen in Sachwerte garantierten keine Rendite. Beim Kauf von Essig-Fässern, Wein oder Whisky rät er zu grösster Vorsicht:

«Gerade wenn ich in Wein oder in Whisky investiere, brauche ich sehr viel Ahnung von der Materie. Zudem ist das Lagern nicht ganz simpel. Ich muss selber einen Käufer finden. Es ist einfacher, etwas zu verkaufen, was an der Börse gehandelt wird.

Eine Anlage, die sich in fünf Jahren verdoppelt, kann per se keine eine sichere Anlage sein. Eine sichere Anlage ist beispielsweise ein Sparkonto, aktuell beträgt der Zins auf dem Sparkonto praktisch 0 Prozent. Also, eine sichere Anlage oder eine ganz sichere Anlage wirft aktuell eigentlich gar keine Rendite ab.»

Für Maurice Isler ist klar: «Die Abzocke geht weiter.» Mitte April präzisiert die Firma, bis Ende Jahr müssten die Lagerkosten nicht bezahlt werden. Trotzdem – zurück bleibt ein saurer Nachgeschmack.

Kassensturz, 12.05.2026, 21:10 Uhr ; 

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