Es ist kein Produkt wie jedes andere und für viele Eltern alternativlos: Babymilch-Pulver. Denn viele Mütter können nicht Stillen und müssen auf industrielle Ersatzmilch ausweichen.
Nach Babymilch-Skandal: Kein Produkt mit Cereulid kontaminiert
Umso mehr müssen diese Produkte einwandfrei sein, auch bezüglich Schadstoffen. In den letzten Monaten hat jedoch ein weltweiter Milchpulver-Skandal Eltern von Säuglingen enorm verunsichert.
Betroffene Produkte waren mit dem Bakteriengift Cereulid kontaminiert. Das Toxin kann Erbrechen und Durchfall auslösen.
In der Schweiz wurden dem zuständigen Bundesamt für Lebensmittelsicherheit Dutzende Fälle gemeldet von betroffenen Babys. Ob diese auf den Verzehr von Milchpulver zurückzuführen waren, kann nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.
«Kassensturz» liess zusammen mit der Konsumentenzeitschift K-Tipp zehn Anfangsmilch-Produkte bekannter Marken im Labor analysieren. Sehr erfreulich: Alle Pulver sind toxinfrei.
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Alles andere wäre unverständlich gewesen, sagt Michael Arand, emeritierter Professor für Toxikologie und Pharmakologie. «Man hat ja die Quelle gekannt, aus der das Cereulid gekommen ist und man hat die Komponente, die man von einem Hersteller bezogen hat, durch andere ersetzt.»
Zum ersten Mal: Vier Produkte ohne Schadstoffe
Und es gibt noch mehr gute Nachrichten. Die Produkte sind insgesamt weniger mit Schadstoffen belastet als in der Vergangenheit. «Kassensturz» und K-Tipp testen (nämlich) seit 2016 regelmässig Babymilchpulver.
Und zum ersten Mal waren vier Produkte frei von den gesuchten Schadstoffen. Darunter Glycidol, 3-MCPD, Chlorat oder Mineralöl-Rückstände. Diese erhalten deshalb die Wertung «sehr gut».
Sie stammen von Danone, Hipp, Holle und Migros. Letzeres, die Migros Bio Anfangsmilch, ist mit einem Preis von 2 Franken 70 zugleich das günstigste Milchpulver im Test.
Chlorate und 3-MCPD
Bei fünf weiteren Produkten findet das Labor ein bis zwei Schadstoffe. So Spuren von 3-MCPD. Ein Fettschadstoff, der ungewollt beim Raffinieren von Pflanzenölen entsteht und als möglicherweise krebserregend gilt.
Und Chlorat, das höchstwahrscheinlich von Desinfektionsmitteln herrührt. Alle gefunden Werte liegen jedoch deutlich unter den erlaubten Grenzwerten.
Nestlé-Produkt mit Spuren von Glycidol
3-MCPD und Chlorat finden sich auch in der Anfangsmilch Beba Bio Pre von Nestlé. Das Labor entdeckt ausserdem auch Spuren von Glycidilester: Ein Fettschadstoff, der sich im Körper zu Glycidol abbaut und krebserregend sowie genotoxisch ist.
Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa hat für Glycidilester «keinen sicheren Wert für GE festgelegt». Das Produkt wird deshalb im Test auf ungenügend abgewertet, auch wenn die gefunden Spuren sehr klein sind.
Nestlé schreibt zum Resultat: «Die Gesundheit und Sicherheit von Babys haben bei uns oberste Priorität. Wir möchten Eltern versichern, dass alle unsere Produkte sicher zum Verzehr sind und die Schweizer und EU-Gesetzgebung vollständig erfüllen.»
Und weiter: «Wir sind mit der Bewertung unseres Produkts nicht einverstanden. Minimale Unterschiede im Spurenbereich rechtfertigen keine qualitative Abstufung. Alle unsere Produkte sind sicher für den Verzehr.»
Der jüngste Test zeigt: Die Hersteller machen bei den Schadstoffen insgesamt Fortschritte. Die «Kassensturz»-Tests von 2016 und 2021 fielen weniger positiv aus.