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Teure Bettwanzenbekämpfung Bettwanzen-Notfall: Frau zahlt 6000 Franken – Schädlinge noch da

Ihre verzweifelte Suche nach Schädlingsbekämpfung wurde für Ilona Oertel zum teuren Albtraum: Sie zahlte 6000 Franken an eine Firma, die ihre Notlage ausnutzte. Die Bettwanzenplage blieb, das Geld war weg.

Als Ilona Oertel an einem späten Abend Bettwanzen in ihrem Bett entdeckt, gerät sie in Panik. Nicht nur, weil ihr vor dem Ungeziefer graust, sie fährt am nächsten Tag ins Ausland und fürchtet, dass sich die Bettwanzen in der Zwischenzeit ungebremst vermehren könnten.

Wann muss ich bei Bettwanzen handeln?

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Wer Bettwanzen bei sich entdeckt, muss handeln, aber nicht übereilt, sagt Schädlingsbekämpfer Andy Schuler von der Firma S&F InsectControl.

Ein Wanzen-Weibchen legt höchstens 5 Eier am Tag, die erst nach 6 bis 10 Tagen schlüpfen. Zudem sei es Pflicht, dass ein Schädlingsbekämpfer auf dem Arbeitsrapport schreibt, welche Mittel zur Bekämpfung eingesetzt wurden.

Im Internet stösst sie auf «Budget Pestcontrol», die Soforthilfe verspricht. Die Firma erscheint ihr seriös: durchwegs positive Google-Bewertungen und das Versprechen eines «zertifizierten Schädlingsbekämpfers». Was Ilona Oertel da noch nicht weiss: In der Schweiz gibt es gar keine Zertifikate für Schädlingsbekämpfer!

Ein Einsatz koste maximal 3000 Franken, sagt man ihr am Telefon. Sie willigt ein und bereits eine Dreiviertelstunde später steht der Verantwortliche von «Budget Pestcontrol» in ihrer kleinen 2-Zimmer-Wohnung. Er rechnet ihr vor, dass es wegen der späten Uhrzeit und weil es sich um einen Notfalleinsatz handle, etwas mehr koste: rund 7200 Franken.

Schädlingsbekämpfung erst nach Geldüberweisung

«Das war mir zu teuer, das konnte ich nicht bezahlen», sagt sie, doch der Schädlingsbekämpfer macht Druck: Wenn sie jetzt nicht handle, werde sie nach ihrer Rückkehr Tausende von diesen Bettwanzen vorfinden. «Ich war völlig aufgelöst und wollte nur noch, dass man mir hilft!»

Ilona Oertel einigt sich auf einen Preis von 6000 Franken und muss diesen gleich per Kreditkarte überweisen, erst danach beginnt «Budget Pestcontrol» mit der Schädlingsbekämpfung. Die ganze Wohnung wird eingenebelt. Welche Mittel eingesetzt wurden, ist auf dem Arbeitsrapport nicht ersichtlich.

«Schädlingsbekämpfer»: kein geschützter Name

Die Bezeichnung «Schädlingsbekämpfer» ist in der Schweiz nicht geschützt. Der Bund gibt einzig vor, dass für den Einsatz gewisser Mittel zur Schädlingsbekämpfung eine Bewilligung erforderlich ist.

Zusätzlich Sicherheit bietet der Verband der Schweizer Schädlingsbekämpfer VSS. Ist eine Firma Mitglied beim VSS, sei das ein Hinweis für eine faire und seriöse Schädlingsbekämpfung, sagen Branchenkenner.  

Anzeige wegen Betrug und Wucher

Ilona Oertel hat die Firma «Budget Pestcontrol» inzwischen angezeigt wegen Betrug, Wucher und Nötigung. Auf Anfrage von SRF wollte die Firma keine Stellung nehmen. Offenbar ist Ilona Oertel nicht die Einzige, die schlechte Erfahrungen mit einer Schädlingsbekämpfungsfirma gemacht hat.

«Kassensturz» ist an Ihrer Meinung interessiert

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Bei der Zürcher Staatsanwaltschaft sind Strafverfahren hängig wegen «überteuert ausgeführten Handwerkerarbeiten, namentlich auch im Bereich Schädlingsbekämpfung». Welche Firmen das sind, will die Staatsanwaltschaft wegen der laufenden Verfahren nicht sagen.

Die Bettwanzen war Ilona Oertel übrigens nicht los: als sie nach ihrem dreitägigen Auslandaufenthalt in ihre Wohnung zurückkam, waren die Bettwanzen immer noch aktiv. Sie wurden von einer Schädlingsbekämpfungsfirma beseitigt, die Mitglied vom VSS ist, zum marktüblichen Preis von 1200 Franken.

Kassensturz, 14.4.2026, 21:10 Uhr

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