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Kostenfalle Roaming auf Europas Meeren
Aus Espresso vom 28.09.2015.
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Multimedia Kostenfalle Roaming auf Europas Meeren

Wer in den Herbstferien eine Kreuzfahrt macht oder mit einer Fähre unterwegs ist, schaltet sein Handy am besten aus. Denn Telefongespräche auf hoher See kosten je nach Anbieter bis zu fünf Franken pro Minute. «Espresso» sagt, wie sich diese Kosten vermeiden lassen.

Gehört das Meer zwischen dem italienischen Festland und Sardinien etwa nicht zu Europa? Das fragt sich ein Swisscom-Kunde. In seinem Handyabo sind Telefongespräche und mobile Daten in ganz Europa inbegriffen. Und doch hat er auf der Fähre nach Sardinien eine SMS mit Roamingtarifen erhalten: Anrufe in die Schweiz kosten sage und schreibe 3.70 Franken und ankommende Anrufe schlagen mit 3 Franken pro Minute zu buche. Ein SMS kostet 40 Rappen, 30 Kilobyte Daten kosten 30 Rappen.

Satelliten-Verbindungen sind teuer

Wie kommt es, dass auf See so hohe Roamingtarife fällig werden, obwohl das Roaming im Reiseland eigentlich inbegriffen wäre? Das Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 fragt bei der Swisscom nach. Mediensprecherin Sabrina Hubacher rechtfertigt die hohen Preise: «Auf hoher See gelten andere Tarife als auf dem Festland. Auf dem Schiff wird meist über eine teure Satellitenverbindung telefoniert. Darum ist diese Zone für Natel-Infinity-Plus-Kunden nicht gratis.» Ein weiterer Grund für die happigen Minutentarife für Telefonate auf hoher See sei, dass es auf den Schiffen kaum Konkurrenz gebe.

Swisscom ist nicht der teuerste Anbieter, was Roaming-Tarife auf See angeht. Bei Salt kosten Anrufe satte 4 Franken pro Minute, bei Sunrise sind es gar 4.80 Franken. Sunrise-Sprecher Roger Schaller sagt: «Sunrise ist als reiner Schweizer Anbieter mit rund 20 Prozent Marktanteil leider zu klein, um auf den Weltmeeren gute Konditionen aushandeln zu können.»

Die Kunden von Salt, Sunrise und Swisscom werden mit einem Roaming-SMS darüber informiert, dass die teuren Tarife auf See gelten. Allerdings, wenn das Handy über Nacht auf See automatisch den Mail-Account synchronisiert oder Push-Mails herunterlädt, dann wird dieser Datenverbrauch Salt- und Sunrise-Kunden verrechnet. Anders bei der Swisscom, wie Mediensprecherin Sabrina Hubacher sagt: «Datenverbindungen auf See sind bei unseren Kunden standardmässig deaktiviert. Wer auf einer Schiffsreise surfen will, muss die Datenverbindung selber aktivieren.» Salt und Sunrise betonen, dass ihre Kunden ab einem gewissen Roaming-Betrag per SMS gewarnt würden.

Verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Namen

«MCP Maritime», «TIM Maritime» oder «Cellular@Sea» sind die Namen der grössten Schiffsnetz-Anbieter. Marktführer ist Maritime Communications Partner (MCP) aus Norwegen. «Espresso» fragt bei MCP nach, warum es teuer ist, auf einem Schiff zu telefonieren. Der MCP-Medienverantwortliche Roar Walderhaug schreibt, es sei aufwändig, mobile Kommunikation auf hoher See bereitzustellen: «Über eine Basisstation und eine Satelliten-Antenne auf dem Schiff wird der Anruf über einen Satelliten im All wieder auf eine Satelliten-Antenne auf der Erde weitergeleitet. Das ist sehr kostspielig.» Die Preise würden mit jedem Anbieter ausgehandelt und seien darum auch unterschiedlich. «Es ist aber wichtig, dass die Passagiere die Preise ihres Providers kennen. So können sie entscheiden, ob sie diesen Service nutzen möchten oder nicht», so Roar Walderhaug von MCP.

Solange man sich noch in der Nähe des Festlandes befindet, ist es möglich, den Anbieter manuell zu wählen. So kann man über das günstige Festland-Mobilnetz telefonieren. Am sichersten ist es jedoch, bei Schiffsreisen sein Handy auf hoher See auf Flugmodus umzustellen oder gleich ganz auszuschalten.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Stucki , Lausen
    Bitte einfach mal logisch überlegen :-) Links und rechts von jedem Fluss stehen Handyantennen mit Reichweiten von bis zu 10km (LTE). Satelliten Internet wird erst nötig, wenn das Schiff sich noch weiter vom Festland entfernt.
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    1. Antwort von S. Bachmann , Zürich
      Leider muss ich Herrn Stucki aus Lausen Recht geben. In einer zunehmend verhaltensgestörten Smartphone-Gesellschaft, wo man seinen letzten Stuhlgang posten muss, bleiben die Kosten in diesem Bereich bzgl. Satellitenvebindung halt hoch. Im Abzockeland Schweiz und bei unseren 3 grossen und vor allem widerlichen und unsimphatischen Provider wird sich daran auch nicht so schnell etwas ändern. Ganz nebenbei: Auf Asi-Dampfern bezahlt man halt, auf Klasse-Damfern halt nich, (ausser man ist ein Esel)...
  • Kommentar von K. M. Wiede , Würenlos
    Wie ist es auf Flussschiffen? Auf Donau , Rhone , Rhein?
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    1. Antwort von Basil Koller , Basel
      Auf Flussschiffreisen entfernt man sich nicht gross vom Ufer, man kann also das normale Mobilfunknetz des Landes benutzen.
    2. Antwort von Giovanni Rana , Frauenfeld
      Wenn Sie den Artikel genau lesen haben sie die Antwort auf Ihre Frage! Trotzdem ist es nicht viel anders als wie wenn Sie mit dem Auto über eine Brücke fahre ;-)
  • Kommentar von Heiner Zumbrunn , Winterthur
    Die meisten der grossen Fähren haben WLAN. Ich nehme an die meisten grossen Passagierschiffe haben das auch. Also Videochat, zB Skype, verwenden, um zu kommunizieren. SMS um den Sprechtermin zu vereinbaren und graust ist gechattet.
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