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Kassensturz-Tests Lippenstifte im Test: Viele enthalten bedenkliche Mineralöle

Der rote Lippenstift ist seit Jahrzehnten der Klassiker für die Frau. Wegen der Nähe zum Mund «verzehren» Frauen bis zu fünf Stifte pro Jahr. Umso bedenklicher ist, dass viele Stifte heikle Stoffe enthalten, die potenziell krebserregend sind. «Kassensturz» und «Saldo» haben 14 Produkte getestet.

Legende: Video «Lippenstifte im Test: Viele enthalten bedenkliche Mineralöle» abspielen. Laufzeit 7:41 Minuten.
Aus Kassensturz vom 31.01.2017.

Einmal mehr zeigt sich, dass gut nicht gleichbedeutend mit teuer sein muss: Der «Lipstick» der Lidl-Eigenmarke Cien, einer der günstigsten Lippenstifte im Test, erreicht das Gesamturteil «sehr gut». Besser ist nur der Naturkosmetik-Lippenstift von Lavera: Der Testsieger weist als einziges Produkt keinerlei künstliche Fette auf. Alle anderen Stifte im Test enthalten mehr oder weniger davon. Und dazu eine Reihe weiterer Schadstoffe. Neben den beiden besten – Lavera und Cien – schneiden 5 weitere mit dem Urteil «gut» ab, 4 «genügend» und 3 sogar «ungenügend».

Problematische Erdölprodukte

Viele Lippenstifte enthalten Silikon- und Mineralöle, darunter Paraffin. Zum einen dienen diese dem Hautschutz und sorgen für glänzende Farben.

Die Nachteile: Beide können die Lippen austrocknen.Und viel schlimmer: Studien gehen davon aus, dass sich diese Substanzen bei oraler Aufnahme in der Milz und Leber ablagern können.

Der EU-Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) geht davon aus, dass bei täglicher Anwendung von Lippenstift bis zu fünf Stifte pro Jahr im Magen der Benutzerin landen.

Über die Hälfte enthält MOAH

Noch heikler sind die Mineralöle, wenn sie auch noch aromatische Kohlenwasserstoffe – kurz MOAH – enthalten. MOAH gilt als potenziell erbgutverändernd und krebserregend. 8 der 14 getesteten Produkte enthalten MOAH. Dies sei «für die Benutzer problematisch, da Lippenstift sowohl über die Haut wie auch oral aufgenommen werden können», sagt Kathrin Wagner, Leiterin Kosmetik des SGS-Instituts Fresenius. Das Labor testete die Lippenstifte auch auf problematische Konservierungsstoffe wie Parabene. Erfreulich: Keines der Produkte wies solche Stoffe auf.

Ungenügend schneiden die Lippenstifte der Marken L‘Oréal, The Body Shop sowie Wet n Wild ab. Alle drei enthalten Paraffin und MOAH. Der Stift von L‘Oréal weist zudem als einziger der getesteten Produkte auch MOSH auf – das sind heikle gesättigte Wasserstoffe.

Mögliche Abstriche bei der Anwendung

Der Verzicht auf Kosmetikprodukte mit Erdölanteilen kann aber auch zu Problemen führen: Generell ist das Risiko von allergischen Reaktionen bei natürlichen Ölen und Fetten grösser als bei künstlichen Fetten wie Paraffinen. Zudem oxidieren künstliche Fette generell weniger schnell – dadurch wird verhindert, dass das Produkt ranzig wird. Ein Lippenstift, angereichert mit künstlichen Fetten und Konservierungsstoffen, kann also längere Haltbarkeitszeiten aufweisen als biokosmetische.

So wurde getestet:

Das SGS-Institut Fresenius in Taunusstein untersuchte im Auftrag von «Saldo» und «Kassensturz» 14 Lippenstifte auf ihre Zusammensetzung:

  • Paraffine und Silikonöle: Ein spezialisiertes Labor analysierte alle Produkte auf ihren Gehalt an Paraffin und Silikon. Dazu werden einzelne Proben der Lippenstifte in Lösungsmittel verflüssigt und anschliessend in einer Maschine durch ein Plasma geführt, das so heiss ist wie die Sonnenoberfläche. Dadurch werden die einzelnen künstlichen Fette sichtbar.
  • MOAH und MOSH: Getestet wurde zudem, ob das verwendete Mineralöl aromatische (MOAH) oder gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) enthält. Beide Stoffe wurden streng bewertet und mit einer halben Note Abzug bestraft, wenn sie in den Lippenstiften gefunden wurden.
  • Allergene Duftstoffe: Kosmetik-Hersteller müssen 26 Duftstoffe mit allergenem Potenzial deklarieren, wenn ein Produkt davon mehr als 10 Milligramm pro Kilo enthält. Die Duftstoffe sind in drei Kategorien unterteilt: In den Kategorien A und B sind die Stoffe mit dem höchsten Allergiepotenzial. Dazu gehören zum Beispiel Eichenmoos, Zimtalkohol und Hydroxycitronellal.
  • Konservierungsstoffe und Phthalate: Das Labor suchte ausserdem nach heiklen Konservierungsstoffen und Phthalaten. Beide Stoffarten stehen im Verdacht, wie Hormone zu wirken und Tumore zu fördern. In keinem Lippenstift konnten diese Stoffe nachgewiesen werden.

Testtabelle

Testtabelle

Hier geht's zu den detaillierten Testresultaten.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Sandro Bachmann (S. Bachmann)
    Aus ganz zuverlässiger und geheimer Quelle weiss ich, dass sich die adrette Damenwelt in ein paar Monaten beim Ölwechsel am Auto, bei Shell und BP und Co. direkt aus dem Altöl einen Lippenstift für nur 200 Franken mischen lassen kann. Also wenn das nicht günstig und schaurig nachhaltig ist... Soeben erfahre ich, dass McDonald's aus ranzigem Frittenfett einen trendy Bio-Super-Gloss-Lipstick beim Fressen von 10 Big Mac spendiert. Also dranbleiben!
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