Mehr Gemüsegärtner braucht das Land

Bei den Schweizer Gemüsegärtnern herrscht Flaute. Weil der Beruf relativ unbekannt ist, gibt es zu wenig Nachwuchs. Mit einem nationalen Schnuppertag für Jugendliche will die Branche dies nun ändern.

Derzeit schliessen drei Mal weniger Lernende ab, als die Gemüsegärtner-Branche brauchen könnte, jährlich bloss 30 anstatt 90. «Es herrscht definitiv ein Mangel», stellt Toni Suter, Betriebsleiter Gemüsebau bei der Max Schwarz AG im aargauischen Villigen fest. Mit 160 Hektaren Land ist der Betrieb einer der grösseren in der Schweiz.

Zuwenig bekannt?

Obwohl es sich um eine attraktive und abwechslungsreiche Tätigkeit handle, sagt Toni Suter, sei der Beruf des Gemüsegärtners wohl vielen unbekannt. Als einer von knapp 100 Gemüsegärtner-Betrieben öffnet deshalb auch die Max Schwarz AG ab dem 30. Mai 2016 für eine Woche ihre Tore. Mit einem Schnuppertag will die Branche wieder mehr Jugendliche für eine Gemüsegärtner-Lehre begeistern.

Einer, der schon angebissen hat, ist Zweitjahres-Lehrling Kevin Oe

rtle. Besonders gefällt ihm die Vielseitigkeit des Berufs, aber auch, dass man sieht, wie die Arbeit Früchte trägt: «Du siehst wie dein Gemüse wächst, und du weisst, das hast du selber gepflanzt!»

Wichtig sei, dass er bei der täglichen Arbeit viel Hilfe erhalte: «Der Vorarbeiter kommt mit mir aufs Feld, und ich sage ihm, was ich jetzt tun würde. Wir müssen Düngernormen wissen, den optimalen Pflanzenabstand, natürlich auch, wie man die Pflanzen pflegt und wir müssen immer wieder nachschauen, was für Unkräuter wachsen.»

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Der Jätroboter hilft mit

Im Gegensatz zum Landwirt halten die Gemüsegärtner keine Tiere, sondern produzieren im grossen Stil Gemüse. Wie zum Beispiel Zucchetti, Lauch, Karotten, Tomaten, Zwiebeln, Salate oder Auberginen. Sie sähen, pflanzen und pflegen, ernten, sortieren und verpacken. Und heute ist vieles hoch technisiert. Beim Ernten des Salats aber auch beim Jäten hilft der GPS-gesteuerte Roboter mit.

Gerade diese technische Komponente fasziniert Lehrling Kevin. Aber auch Hacken, Dünger streuen und Gemüse pflegen macht er gerne. Weniger beliebt ist hingegen das Schneiden von Wirz im Winter: «Das ist kalt und du frierst schnell an die Finger», schmunzelt der 21-Jährige.

Welche Eigenschaften brauchts?

Für Toni Suter ist klar: «Man muss Freude haben an der Technik, aber auch an den Pflanzen und man muss teamfähig sein, denn man ist viel mit anderen Leuten unterwegs – auch aus anderen Kulturen.» Und das Schöne am Gemüsegärtner sei, dass man sehe, was man mache und man am Schluss ein Produkt in den Händen halte, an dem der Konsument Freude hat.