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Jugendliche und Handy-Konsum Perfide Game-Apps: Kind verspielt 5000 Franken

Handyspiele wie Clash Royale oder Pokémon Go sind bei Kindern sehr beliebt. Die Apps sind kostenlos, während des Spieles aber locken kostenpflichtige Optionen. Im Spielrausch ist so rasch viel Geld verspielt. «Kassensturz» zeigt, was Eltern beachten müssen, um nicht in die Kostenfalle zu tappen.

Legende: Video Perfide Game-Apps: Kind verspielt 5000 Franken abspielen. Laufzeit 11:56 Minuten.
Aus Kassensturz vom 13.06.2017.

Türme erkämpfen mit Kobolden, Skeletten, Lakaien und Musketierinnen – das liebt der 11-jährige Kevin (Name von der Redaktion geändert). Er ist Fan des Computerspiels «Clash Royale». Dies wurde ihm zum Verhängnis: Innert weniger Tage gab er beim Spielen über 5000 Franken aus.

Plötzlich war das Limit erreicht

«Clash Royale» ist ein Strategiespiel. Es geht darum, eigene Türme zu verteidigen und Türme des Gegners zu zerstören. In diesem Spiel kann man auf den Plattformen «App Store» von Apple oder «Google Play» Juwelen und Gold kaufen. Für bis zu 100 Franken aufs Mal. Damit kommt man im Spiel schneller voran. Der Junge konnte kaum aufhören und kaufte immer weiter Juwelen und Gold ein. Doch plötzlich war Schluss: «Da dachte ich, jetzt ist das Limit erreicht», erinnert er sich. Doch wie hoch das Limit ist, wusste er damals noch nicht.»

Die Kreditkartenrechnung kam dreieinhalb Wochen später und war für ihn und seine Eltern ein Schock. Innert sechs Tagen hatte er über 5000 Franken verspielt. Seine Mutter erinnert sich: «Ich habe ihn sofort zur Rede gestellt. Er hat zugegeben, dass er die Kreditkartenangaben unserer Visakarte entwendet hat. Dummerweise lag diese in unserem Büro auf dem Pult, weil ich eine Online-Bestellung gemacht hatte.»

Game-Hersteller verdient Millionen – pro Tag

Die Struktur von «Clash Royale» sei ein lukratives Geschäftsmodell, das zurzeit viele Spielehersteller anwenden. Das sagt Guido Berger, Leiter der SRF Digital-Redaktion. Die App sei gratis, die Spieler würden jedoch während des Spiels dazu verleitet, Geld auszugeben, um im Spiel schneller weiterzukommen. Im Fachjargon heisst das «pay to win».

«Das ist ein Genre von Spiel, ein Businessplan, den die Industrie erst vor wenigen Jahren entdeckte und der sehr erfolgreich ist. Die Erfolgreichste im Geschäft, Supercell aus Finnland, die «Clash Royale» produziert, gehört dazu. Sie macht mehrere Millionen Umsatz pro Tag mit ihren Spielen», sagt Berger.

Passwort oder Prepaid bietet gewissen Schutz

Medienpädagogin Sharmila Egger vom Verein zischtig.ch gibt Medienkurse für Eltern und Kinder. Sie rät dringend, die Smartphones und Tablets vor dem Spielen gut einzurichten: «Solche In-App-Käufe kann man im Handy mit einem Passwort unterbinden. Es sollte ein sicheres Passwort sein, das die Kinder nicht kennen und nicht der Code des Gerätes. Wer möchte, dass die Kinder einkaufen können, kann ihnen ein Prepaid-Handy zur Verfügung stellen.» So lernen sie, dass solche Spiele Geld kosten.

Keine Antwort von Supercell

Legende: Video Tipps für Eltern von Sharmila Egger, Medienpädagogin zischtig.ch abspielen. Laufzeit 00:28 Minuten.
Aus Kassensturz vom 13.06.2017.

Die Mutter wante sich an die Firma Supercell, in der Hoffnung, dass diese ihr einen Teil der Rechnung erlässt. Eine Antwort hat sie nie erhalten. Kein finanzielles Entgegenkommen auch von Google-Play-Store, wo der Junge eingekauft hat. «Ich finde das sehr unbefriedigend und eine riesige Schweinerei. Dass dies einfach so möglich ist und man sich an niemanden wenden kann», ärgert sich die Mutter.

Einzig die Kreditkartenfirma Viseca hat versprochen, den Betrag provisorisch wieder gutzuschreiben. Sie wartet jetzt auf Antwort des Händlers. Danach wird entschieden, ob die Gutschrift bestehen bleibt. Für den Jungen hat die Rechnung Konsequenzen: Jeden Monat ziehen ihm die Eltern einen Betrag vom Taschengeld ab.

Legende: Video Studiogespräch mit Guido Berger, Leiter SRF Digital-Redaktion abspielen. Laufzeit 04:53 Minuten.
Aus Kassensturz vom 13.06.2017.

Interview

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Philippe Bollier (Philippe Bollier)
    Diese Kinder haben alle ein super teures Smart Phone ! Was überlegen sich diese Eltern ? Haben diese Erwachsenen kein Verantwortungsgefühl mehr ? Die ganze Kindheit der Kinder geht den Bach runter was ist mit spielen draussen im Wald/Spielplatz ? Räuber und Poli, Fangis, Schnitzeljagd... so bin ich früher aufgewachsen und ich bin erst 31. Wie soll man überhaupt noch Ufzgi machen wenn die ganze Zeit das Handyspiel lockt ? Da würde ich auch nicht erkannt werden wollen. sofort Smartphone wegnehmen.
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  • Kommentar von Gian Duri Calonder (calgia)
    Wenn man ein iPhone hat, kann man unter Einstellungen --> Allgemein --> Einschränkungen einstellen, was der Nutzer darf. Es ist so, dass man so genannte "in App Käufe" unterbinden Kann. Zusätzlich muss man einen Code angeben, damit man diese funktion nutzen kann. Es ist allerdings so, dass der Code nur 4 Ziffern umfassen muss. Ich empfehle daher ein iPhone, nicht nur wegen der Einstellungen, sondern auch den entsprechenden Einstellungen, sondern weil es auch andere gute funktionen hat.
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  • Kommentar von Sascha Andreas Zemp-Schranz (Sascha Andreas Zemp-Schranz)
    Auf was nicht eingegangen wird, ist der Diebstahl der Kreditkarte. Der Jugendliche hat das Vertrauen der Elter missbraucht und heimlich die Kreditkarte entwendet um diese an den Account vom Google Store anzuhängen. Auf das wurde im Beitrag nicht eingegangen. Das ist das Problem. Für was er nachher die Kreditkarte verwendet hat, ist zweitrangig. Wenn das bei einem meiner Söhne passiert wäre, wäre das Spiel und die Spielstände gelöscht worden.
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