Wohnen und einrichten Perserteppich: Statussymbol war einmal

In den 1960er-Jahren waren handgeknüpfte Perserteppiche Statussymbol und wertvolle Kapitalanlage. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Nachfrage dramatisch abgestürzt.

Der Schah von Persien führte auf Kosten seines Volkes ein Leben in Saus und Braus. Solcher Prunk und Luxus erinnerte an die Sultane in den Märchen aus 1001 Nacht. Die Regenbogenpresse brachte farbige Glamourbilder in westliche Stuben. Wer etwas auf sich hielt, kaufte sich in den 60er- und 70er-Jahren einen von Nomaden handgeknüpften Perserteppich.

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«Kassensturz» zeigt, wie skrupellose Banden älteren Personen masslos teure Teppichreinigungen aufschwatzen.

Bruno Meier, Präsident der Interessengemeinschaft Orientteppich (IGOT), erinnert sich: «In jener Zeit war ein solcher Teppich ein Statussymbol wie ein teures Auto oder eine goldene Uhr. Wer einen Perser besass, galt was.» In den Verkaufsgesprächen lobten die Teppichhändler diese Produkte gerne als wertvolle Kapitalanlage. Fünfstellige Beträge waren an der Tagesordnung.

Vom Perser- zum Orientteppich

Der boomende Markt zog Nachahmer an. Bald wurden Orientteppiche auch in Indien, Pakistan und in China geknüpft. Die Bedeutung schwand, die Preise purzelten. Statt aus teuren Einzelstücken, bestand der Markt nun auch aus Massenware, die von Grossverteilern stapelweise feilgeboten wurde.

Die Fachhändler versuchten sich abzugrenzen. Es wurde nun unterschieden zwischen Quellenländern wie Iran, Türkei, Afghanistan und sogenannten Nachempfindungsländern wie Indien oder Pakistan.

Für den interessierten Kunden war es damit nicht mehr so einfach; Das blosse Auge des Laien kann Original und Kopie nicht unterscheiden. Zwar seien auch viele Kopien durchaus wertvolle Einrichtungsgegenstände von guter Qualität, sagt IGOT-Präsident Bruno Meier. Das Problem der seriösen Händler war aber, dass nun auch Teppichgauner auftraten, die die billigen Kopien als teure Originale verkauften.

Vom Statussymbol zum Staubfänger

1979 wurde der Schah gestürzt. Persien wurde zum Iran, die Glitzerwelt verschwand. Die Mullahs um Ajatollah Khomeini beschränkten die Zahl der Produzenten, die Teppiche exportieren durften.

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Bildlegende: Bruno Meier, Präsident der Interessengemeinschaft Orientteppich. SRF

Und auch die Gesellschaft im Westen veränderte sich. IGOT-Präsident Bruno Meier: «In einem modernen Haushalt wo Mann und Frau arbeiten gehen, hat man nicht mehr die Zeit zum Staubsaugen.» So war der Wandel der Perserteppiche besiegelt: vom absoluten Must-have zur Unterlage für Bünzlis und Spiesser.

Doch der Schein trügt. Noch immer werden im Orient wertvolle Teppiche nach jahrtausendealter Tradition handgeknüpft. Noch immer wechseln Einzelstücke für Millionenbeträge den Besitzer auf Auktionen. Und langsam wird der Orientteppich auch wieder von Designern als textiles Element für neue Formen erkannt.

So schützen Sie sich vor Teppich-Gaunern:

  • Bezahlen Sie einen Teppich oder eine Reinigung nie bar im Voraus.
  • Verlangen Sie eine seriöse, detaillierte Offerte.
  • Schlafen Sie eine Nacht über das Angebot.

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