Pestizide im Zuchtlachs: Gift auf dem Teller

Lachs ist zu Weihnachten ein Klassiker. Wer die Natur schützen will, kauft Zuchtlachs. Was kaum jemand weiss: Die meisten Zuchtbetriebe verfüttern den Fischen Chemikalien. «Kassensturz» lässt 15 Lachsproben im Labor untersuchen. Erschreckendes Ergebnis: Fast alle Produkte enthalten Pestizide.

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Pestizide im Zuchtlachs: Giftige Chemikalien auf dem Teller

9:15 min, aus Kassensturz vom 15.12.2015

Der norwegische Umweltschützer Kurt Oddekalv ist seit Jahren ein Kritiker der industriellen Lachszucht. «In solchen Aquakulturen leben teilweise bis zu 2 Millionen Fische. Das ist zu viel, so werden die Fische krank.» Oddekalv kritisiert auch den Einsatz von Chemie in vielen Zuchten. Das würde Fisch und Umwelt stark belasten.

Ethoxyquin im Fischfutter

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Der Test

Der Test

«Kassensturz» hat 10 Rauch-Lachse mit MSC-Label von einer Jury degustieren lassen.

Eine Chemikalie kommt jedoch über das Fischfutter in die Zuchtlachse: Ethoxyquin. Das Futter besteht aus fettigem Fisch wie etwa Aal, der zerkocht und getrocknet zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet wird. Um zu verhindern, dass das Futter ranzig wird, mischen die Hersteller das Antioxidans Ethoxyquin dazu.

Das Mittel wurde jahrzehntelang in der Landwirtschaft als Pestizid verwendet. Im Jahr 2011 hat die EU Ethoxyquin als Pestizid verboten. Wegen einer Reihe von Bedenken. Etwa wegen «fehlender Daten über das gentoxische Potenzial und die Ökotoxizität». Als Zusatz zu Fischfutter ist es aber weiterhin erlaubt.

15 Lachs-Produkte im Test

Doch wieviel Ethoxyquin verbleibt im Lachs auf unseren Tellern, wenn die Fische das Konservierungsmittel mit dem Futter fressen? «Kassensturz» wollte es genau wissen und hat im Detailhandel Zuchtlachs eingekauft. Im Test: Fünfzehn Lachs-Produkte, drei davon in Bio-Qualität. Die Fische wurden im Kantonslabor Genf analysierte.

Ethoxyquin ist im Fleisch nur indirekt nachzuweisen. Es wandelt sich im Fischfett zum sogenannten Ethoxyquin-Dimer um. Patrick Edder, Kantonschemiker von Genf, erklärt: «Findet man das Dimer, heisst das, dass der Fisch Ethoxyquin gefressen hat.»

Ethoxyquin sogar in Bio-Lachs

Erschreckend: In vierzehn Proben findet das Labor solche Rückstände. Nur ein Lachs ist frei davon: Der Natur Aktiv «Bio-Rauchlachs» von Aldi weist kein Ethoxyquin auf. Im «Coop Rauchlachs Bio» hingegen misst das Labor einen Dimer-Wert von 31 Mikrogramm pro Kilogramm.

Noch mehr ist es beim «Bio-Lachsfilet mit Haut» von Migros: 86 Mikrogramm pro Kilogramm. Das Ergebnis überrascht Kantonschemiker Patrick Edder. Denn Ethoxyquin ist in der EU für Bio-Fische nicht erlaubt. Coop und Migros schreiben dazu, man könne sich die Ergebnisse nicht erklären und wolle eigene Abklärungen und Tests vornehmen.

Der Verdacht: Das Ethoxyquin in den Biolachsen stammt möglicherweise aus dem Fisch-Futter.

Ethoxyquin ungenügend erforscht

Ein aktueller Bericht der EU-Behörde für Lebensmittel-Sicherheit EFSA zu Ethoxyquin in Futter kommt zum Schluss: Man könne «keine abschliessende Bewertung der Sicherheit für Verbraucher oder die Umwelt vornehmen.»

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TV-Tipp

TV-Tipp

«DOK» zeigt die fragwürdigen Methoden der Massenzucht unter Wasser. Mittwoch, 16. Dezember, 22:55 Uhr, SRF

Einen klaren Standpunkt vertritt der Genfer Kantonschemiker Patrick Edder gegenüber «Kassensturz»: Ethoxyquin habe im Tierfutter nichts verloren. «Man kann keine Futterzusätze akzeptieren, bei denen man nicht sicher ist. Im Tierfutter kann man keine Zusatzstoffe tolerieren, von denen man die Gefahren nicht kennt», sagt Patrick Edder.

Keine Grenzwerte für Fisch

Trotzdem: Ethoxyquin wird flächendeckend eingesetzt. Das zeigt der «Kassensturz»-Test. Bei zehn Zuchtlachsen misst das Labor zwischen 17 und 209 Mikro-Gramm pro Kilogramm des Ethoxyquin-Dimers.

Bei zwei Produkten sind die Werte enorm hoch: Das «Almare Seafood Lachsfilet» von Aldi weist einen Dimer-Wert von 1390 Mikrogramm pro Kilo auf. Bei den «Norwegischen Lachsfilets» von Denner sind es sogar 2300 Mikrogramm pro Kilogramm.

Sowohl Aldi wie auch Denner schreiben, man halte sich an die gesetzlichen Vorgaben. Es bestehe keine Gefahr für Konsumenten.

Tatsächlich: Für Fleisch gibt es Grenzwerte, jedoch nicht für Fisch. Die Kontrollbehörden können deshalb auch nichts tun. «Wir können lediglich kritisieren, dass man Ethoxyquin in den Fischen findet, die wir essen. Aber wir haben keinerlei Handhabe, diese vom Markt zu nehmen», sagt Patrick Edder.

Solange Grenzwerte fehlen, wird die Substanz wohl auch weiterhin im Fischfutter verwendet werden.